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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 18:32 Uhr

Positionspapier der Krankenkassen : Gelassenheit auf der Geburtsstation

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Positionspapier der gesetzlichen Krankenkassen bereitet Hebammen, Ärzten und Klinikleitung keine Sorgen.

Eckernförde | Die Geburtshilfe in Eckernförde hat schon so manchen Sturm erlebt. Nachdem vor vier Jahren die Schließung drohte und Eltern, Hebammen, Ärzte und Pflegepersonal auf die Straße gingen, fand man eine Lösung zum Erhalt der Station. Doch jetzt sorgen die gesetzlichen Krankenkassen erneut für Unruhe: Nach ihrem Positionspapier steht der Standort erneut zur Diskussion und sollte am besten nach Schleswig verlagert werden (siehe EZ vom 5. Juli). Der Grund: In der Vergangenheit habe es in Eckernförde personelle Probleme gegeben. Grundsätzlich solle auf mehr Qualität geachtet werden, und auch die Zahl der Geburten spielt eine Rolle.

Grund genug also, sich Sorgen zu machen? Die Betroffenen winken ab: Jeden einzelnen Punkt könnten sie entkräften. Für den Frauenarzt Dr. Ralf Kröger, der als einer von vier Belegärzten auf der Station arbeitet, ist „das ein altes Papier, das seit Jahren immer wieder aufgewärmt wird“. Die genannten Zahlen stimmten nicht. So habe Schleswig zum Beispiel deutlich weniger Geburten als Eckernförde. „Das ist eine Wunschstatistik, die mit den reellen Zahlen nichts zu tun hat. Wir haben allein in den vergangenen zwei Jahren so starke Zuwächse gehabt, dass wir schon an die 500 Geburten zum Halbjahr hatten. Wir müssen keine Angst haben. In Eckernförde sehen wir einer Abstimmung mit den Füßen ganz gelassen entgegen.“

Viele Frauen auch von außerhalb kämen extra nach Eckernförde, weil sie gerade die Qualität der Arbeit schätzten: die individuelle Atmosphäre, das Eingehen auf Wünsche, das Überschaubare einer kleinen Station, die 1:1-Betreuung durch Hebamme und den vorher ausgesuchten Arzt sowie die Integration der Kinderklinik.

„Die angesprochenen personellen Probleme hatte Eckernförde 2012. Doch mittlerweile haben wir den höchsten Facharztschlüssel pro Krankenbett – wahrscheinlich sogar bundesweit“, argumentiert Kröger weiter. „Wir sind vier Fachärzte als Belegärzte, haben einen Facharzt als Honorararzt zur Vertretung sowie zwei Stationsärzte, von denen einer schon Facharzt ist und einer bald sein wird. Und das bei 15 Planbetten – das sollen uns die anderen erstmal nachmachen.“

Personell gibt es also keine Probleme, was auch die ärztliche Direktorin der Imland-Kliniken, Petra Struve, bestätigt: „Vor vier Jahren hatten wir zu wenig Gynäkologen und Geburtshelfer, die uns zur Verfügung standen. Mittlerweile haben wir eine stabile Situation.“ Unter dieser Konstellation sei es gelungen, die Zahl der Entbindungen zu steigern. Dass in dem Positionspapier 611 Geburten und damit Zahlen von 2014 genannt werden, bezeichnet sie als „handwerklichen Fehler“. „Wir haben 2015 689 Geburten und damit einen Zuwachs von 11 Prozent gehabt. Im ersten Halbjahr 2016 waren es schon über 400 Geburten.“

Prinzipiell dürften wirtschaftliche Gründe keine Rolle spielen, eine Geburtsstation zu schließen. „Wir haben einen Versorgungsauftrag, den wir erfüllen müssen.“ Ob eine Station geschlossen wird oder nicht – „das beschließen nicht die Krankenkassen“, so Petra Struve. Und bei den Geburtenzahlen könne sie nicht nachvollziehen, dass die Kassen Eckernförde wieder ins Visier nehmen. Ihrer Meinung nach ist die Verlagerung der Geburtshilfe auf wenige Stationen im Land der Wunsch der Kassen und „ein bisschen Wunsch des Landes“. Deshalb appelliert sie an die Politik, die Öffentlichkeit zu informieren, wohin die Reise gehen soll.

Auch die Hebammen glauben nicht an eine Schließung. „Vieles in dem Papier ist falsch dargestellt“, sagt Anke Baß, Sprecherin der Hebammen. „Wir dürfen nicht vergessen, worüber wir sprechen: nicht über Zahlen, sondern dass die Frauen für sich entscheiden dürfen müssen, wie und wo sie gebären möchten.“ Für viele sei die Art der Betreuung wichtig. „Und wenn in großen Kliniken die Hebammen keine Zeit mehr für eine einzelne Frau haben, vermittele das keine Sicherheit.

Sie zeigt sich zuversichtlich: „Ministerin Alheit hat sich geäußert, dass sie sich dem Papier nicht anschließt, wir haben eine Bevölkerung und Lokalpolitiker, die voll hinter uns stehen, und auch der Klinikchef unterstützt uns.“

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erstellt am 06.Jul.2016 | 06:03 Uhr

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