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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 23:31 Uhr

Geflügel- und Eierkauf ist Vertrauenssache – gerade in Zeiten der Vogelgrippe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein regnerischer Markttag. Doch vor einigen Ständen auf dem Rathausmarkt und dem Kirchplatz bilden sich immer wieder kleine Schlangen. Auch vor dem Verkaufswagen von Uwe und Sigrun Netzel. Das Ehepaar aus dem Owschlager Ortsteil Norby ist eine feste Größe auf dem Wochenmarkt, und das seit bald 20 Jahren. Da hat sich viel Vertrauen aufgebaut. Man kennt sich, die Kunden wissen, bei wem sie kaufen und welche Qualität sie bekommen. Hähnchen, Enten und Gänse gehen dort über den Tresen, wie immer – Geflügel also, das derzeit in bestimmten Gebieten von dem Vogelgrippevirus H5N8 heimgesucht wird. Wo dies der Fall ist, richten die Behörden Sperrbezirke ein, dort soll kein Federvieh raus- und keines reingehen, und es gelten penibelste Hygienvorschriften, um eine Ausbreitung zu verhindern.

Eine schwierige Lage, insbesondere für die Mastbetriebe, aber auch für die Geflügelhändler. Für Uwe Netzel ist der Geflügelhandel eine Sache des Vertrauens. Und wie sich auf dem Kirchplatz zeigt, ist dieses bei seinen Kunden nach wie vor sehr ausgeprägt vorhanden. Einen wirtschaftlichen Einbruch hat der Firmenchef durch die öffentliche Diskussion jedenfalls noch nicht erlitten. Der Familienbetrieb, den seine Eltern 44 Jahre lang aufgebaut und geführt haben und in dem jetzt auch die Söhne Thilo und Marco mithelfen, bezieht sein Geflügel aus dem Niedersächsischen, beispielsweise aus dem Raum Oldenburg. Die wenigen heimischen Mästereien könnten die benötigten Stückzahlen nicht liefern, die die Norbyer auf ihren Marktständen in Eckernförde, Schleswig, Husum oder Bredstedt benötigen. Außerdem stimme dort die Qualität.

Das weiß auch Bärbel Richter. „Wo man Vertrauen zum Händler hat, kann man unbesorgt kaufen.“ Auch Elfi Heuer ist der Appetit auf schmackhaftes Geflügel durch die Vogelgrippe nicht vergangen. Sie hat gerade ein Suppenhuhn auf dem Wochenmarkt erstanden, das sie letzte Woche bestellt hat. „Wenn ich es koche, wovor soll ich dann Angst haben?“, verweist die Eckernförderin darauf, dass die nach bisheriger Auffassung ohnehin für die Menschen ungefährlichen Viren bei 70 Grad Kochtemperatur abgetötet werden. Und Weihnachten kommt Ente auf den Tisch – Familientradition.

Ein paar Schritte weiter beim Durchgang zum Rathausmarkt steht Rolf Petersen. „Wenn die Eier nicht in Ordnung wären, würde ich hier nicht stehen. Für mich geht es um was, ich will meine Kunden behalten“, antwortet er auf die Frage nach der aktuellen Lage. Vertrauen spielt auch bei ihm eine entscheidende Rolle, und zwar seit 1978. Petersen verkauft Eier vom Warleberger Hof bei Gettorf und hat damit noch nie Probleme gehabt. Die Kunden seien derzeit aber verunsichert und stellten kritische Fragen. Erika Grabowski zählt zu seinen Kunden. Die Eckernförderin ist selbst Hühnerhalterin und hat ihre zehn Hühner jetzt einsperren müssen.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 14:20 Uhr

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