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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 09:21 Uhr

Rettungseinsatz : Gasexplosion mit 18 Opfern

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Großer Probeeinsatz in Barkelsby mit knapp 100 Rettungskräften / Koordinator trotz „Verbesserungspotenzial“ zufrieden

Barkelsby | Feuer! Bei der abendlichen Gartenparty einer Gruppe Jugendlicher gerät der Gasgrill außer Kontrolle, die Flammen greifen auf den Gastank im Haus über. Die Explosion schleudert Menschen, Trümmer und Flammen über das Grundstück. Dumpf schallende Rufe aus dem Gebäude, Schreie von panisch umherlaufenden Menschen. Verzweifelte Hilferufe, bis endlich in der Ferne die ersten Sirenen erklingen. Acht Minuten nach Alarmierung um 18.11 Uhr treffen die Einsatzkräfte zur Jahresübung in der Ringstraße ein.

98 Retter nahmen am Dienstagabend an der groß angelegten Alarmübung teil. 16 von der Freiwilligen Feuerwehr Barkelsby, 26 von der Freiwilligen Feuerwehr Eckernförde, 30 vom THW Eckernförde/Louisenlund, 5 von der Marinefeuerwehr, 9 vom DRK, 8 vom Arbeitersamariterbund Eckernförde, 4 von der Rettungsdienstkoordination.

Dass es sich nur um einen Übungseinsatz handelte, merkte man den Feuerwehrleuten und Sanitätern nicht an – ebenso wenig den Opfern, gespielt von Schülern der Louisenlundschule. „Hilfe! Hört mich denn niemand?“, rufen Mädchenstimmen, während Minuten vergehen, die endlos scheinen, bis die ersten Retter in grell reflektierender Schutzkleidung Dunkelheit und Rauch mit ihren Taschenlampen durchschneiden. Gasmaskenbewehrte Männer tasten sich über unebenen, verwilderten Grund, ein Feuerwehrmann versucht, ein panisch zurück in die „Flammen“ fliehendes Opfer einzufangen. Eines der bereits geborgenen Mädchen wird bewusstlos. Absperrband wird ausgebracht, Leitern über den abschüssigen Grundstückszugang verlegt, Schläuche ausgerollt, während andere versuchen, Gaffer vom Einsatzort zurückzudrängen. Einsatzkräfte, wohin das Auge blickt, dazwischen umherirrende, von aufgeschminkten Brandwunden und Blut verunstaltete Louisenlunder. Ein ziemliches Chaos, würde man als Laie meinen.

„Das Szenario hatte natürlich ganz bewusst viele Ösen und Haken“, kommentiert Stephan Suhr, Koordinator vom THW. So war der Hauptzugang zum Grundstück wegen „Bauarbeiten an der Kanalisation“ nicht zugänglich. Mehr als 20 Personen, sieben davon Puppen, mussten gerettet werden. Die Dunkelheit, Wildnis und Schutt erschwerten den Einsatz zusätzlich. Für eine kleine Feuerwehr wie der von Barkelsby sei das allein nicht abzuarbeiten gewesen, so Suhr. „Es ist gut, dass sich die verschiedenen Einheiten durch regelmäßige gemeinsame Übungen gut kennen.“ Die Zusammenarbeit funktioniere deshalb grundsätzlich. Verbesserungspotenzial sei aber vorhanden. Suhr: „Bei einem so komplexen Einsatz wie dem am Dienstagabend sind Kommunikationsprobleme vorprogrammiert. Um diese abzustellen, sind die Übungen da.“

Auch Jens Nommels, Wehrführer in Barkelsby, zeigt sich zufrieden. „Luft nach oben ist immer“, so Nommels. „Die Chaosphase am Anfang war vielleicht ein wenig lang, und der Löschangriff hätte ein bisschen schneller ablaufen können.“ Besonders die Kommunikation zwischen den verschiedenen Einheiten müsse sich noch verbessern, sagt der Wehrführer und zieht das Fazit: „Wenn man sieht, was für Schwierigkeiten in der Übung waren, würde ich die Gesamtnote 2 geben.“

Nach etwa zwei Stunden war der Übungseinsatz um 20.13 Uhr beendet. „Das Wichtigste ist: Es sind alle gesund nach Hause gekommen“, schließt Stephan Suhr. „An allen anderen Dingen kann man arbeiten.“

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erstellt am 03.Nov.2016 | 06:06 Uhr

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