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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

SELTENE GELEGENHEIT : Für 300 Besucher geht’s von der Gosse in den Rundsilo

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Heimatgemeinschaft hat am Mittwoch einen Rundgang durch den ehemaligen Getreidespeicher angeboten. Ansonsten ist das Gebäude für die Öffentlichkeit gesperrt.

Eckernförde | Der Silo am Hafen ist das Wahrzeichen der Stadt. Niemand kommt an dem 36,44 Meter hohen ehemaligen Großspeicher für Getreide vorbei, ohne einen Blick auf ihn zu werfen. Aber hinein darf niemand. Das Gebäude, dessen Nutzung vor 30 Jahren eingestellt wurde und das seit 1972 unter Denkmalschutz steht, ist für die Öffentlichkeit gesperrt. Am Mittwoch bot die Heimatgemeinschaft im Rahmen ihres Sommerprogramms eine öffentliche Besichtigung des Silos an.

Dementsprechend groß war das Interesse. Auf dem Platz vor dem Silo beziehungsweise vor dem Restaurant Luzifer begrüßte Christel Fries von der Heimatgemeinschaft knapp 300 Interessierte. Nicht nur viele Urlauber, sondern auch viele Eckernförder wollten die einmalige Gelegenheit nutzen, ihr Wahrzeichen endlich einmal von innen zu erkunden, so zum Beispiel die Museumsleiterin Dr. Dorothee Bieske.

Untermalt mit Anekdoten und in schönstem Plattdeutsch – teilweise gab’s auch Hochdeutsch für die auswärtigen Gäste – erzählte Fritz-Wilhelm Blaas die Geschichte des Rundsilos und dessen Nutzung. Als ehemaliger Geschäftsführer (1986 bis 2012) der benachbarten Konkurrenz Raiffeisen HaGe, deren Getreidesilos 2012 abgerissen wurden, berichetet er anschaulich über den Speicher.

Nach nur fünf Monaten Bauzeit wurde der Silo am 22. Dezember 1931 in Betrieb genommen. Bauherr war Wilhelm Sieck. 3500 Tonnen Getreide konnten, aufgeteilt in 80 Tonnen-Zellen und in 300 Tonnen-Zellen, in dem 21,60 Meter breiten Großspeicher gelagert werden.

„Ich begrüße Sie in der Gosse, denn da stehen Sie“, so Blaas, der im benachbarten Barkelsby das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters innehat. In der Gosse vor dem Silo wurde das Getreide erst in Pferdewagen, später in Lastwagen angeliefert. Einer dieser Anlieferer war Erwin Fey, der am Mittwoch ebenfalls an der Silobesteigung teilnahm. „Von 1969 bis 1986, als der Getreidesilo von Sieck nicht mehr genutzt wurde, hat meine Spedition hier Getreide angeliefert“, erzählte der 79-Jährige. Und trotzdem war der Besuch am Mittwoch auch für ihn eine Premiere. „Ich bin heute zum ersten Mal im Silo“, so ErwinFey.

Wie alle anderen musste auch er 120 Stufen einer schmalen Wendeltreppe besteigen, um das höchste Stockwerk zu erreichen, das quer über die Lagerzellen ging. Von den ehemaligen technischen Einrichtungen, wie dem Drehrohrverteiler, mithilfe dessen der Silomeister das Getreide in die einzelnen Zellen beförderte, ist nichts mehr zu sehen. Belohnt wurde der Aufstieg mit einem wunderbaren Blick über den Hafen und über Borby. Denn auf dieser Seite des Silos wurden neue Fenster eingebaut, um sie öffnen zu können. Ansonsten handelt es sich um Originalfenster aus dem Baujahr 1931.

Ganz oben wurde eine große Funkantenne aufgestellt, die von Mobilfunkanbietern, der Polizei und der Feuerwehr genutzt wird. Der 2,60 Meter hohe Engel, der seit 2009 auf dem Dach des Silos über Eckernförde wacht, ist – zum Leidwesen besonders vieler Urlauber – nicht erreichbar.

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erstellt am 26.Aug.2016 | 04:45 Uhr

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