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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 17:30 Uhr

Jurysitzung bei Green Screen : Fünf Tage Arbeit für die besten Filme

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Nominierungsjury des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen hat 160 Filme gesichtet und bewertet. Die Ergebnisse zählen bis zur Preisverleihung am 17. September zu den bestgehütetsten Geheimnissen.

Eckernförde | Der Raum „Gorch-Fock“ im Stadthotel war fünf Tage lang Sperrzone. Hinter verschlossenen Türen und abgeklebten Fenster haben sich fünf Mitglieder der Nominierungsjury des Internationalen Naturfilmfestivals Green Screen seit Sonnabend Tagen einquartiert. Ihr Job: 160 Naturfilme sichten, bewerten und die besten Filme herausfiltern. Gestern war nach der am Vortrag abgeschlossenen Sichtung die finale Runde anberaumt – die Festlegung der besten drei Filme in allen 13 Kategorien von Beste Kamera bis Bester Film, aus denen dann die Preisjury kurz vor dem Festivals im September die jeweiligen Sieger auswählt. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagt Filmemacher Heiko de Groot. Die Stimmung ist konzentriert, Arbeitsatmosphäre. Vor jedem Jurymitglied steht ein Laptop, auf dem Tisch ein großer Fernseher, daneben Plakatwände mit streng geheimen Notizen. Die Vorauswahl der nominierten Filme genießt höchste Geheimhaltungsstufe, nur die fünf Jurymitglieder, Michael Packschies aus dem Vorstand des Fördervereins und Carsten Füg aus dem Festivalbüro wissen Bescheid.

Mirco Tribanek, selbstständiger Cutter und Kameramann aus Hamburg, ist zum ersten Mal in der Runde. Manfred Ladwig aus der Umweltredaktion des SWR ebenfalls. Beide sind sehr angetan von der Qualität und Intensität der Filme und der Effizienz der Juryarbeit. Claudia Sewig, Biologin und stellvertretende Leiterin der Hamburg-Redaktion der Tageszeitung „Die Welt“, Udo Zimmermann, langjähriger Leiter der Naturfilmredaktion des Bayrischen Rundfunks und frischgebackener Ruheständler, sowie besagter Heiko de Groot zählen zur bewährten Kernmannschaft der Jury. Ihnen entgeht so gut wie nichts, und ihre Kompetenz kann aufgrund der breiten Streuung der Fachdisziplinen durchaus als geballt bezeichnet werden. Jeder von ihnen hat zuvor ein Paket mit 30 Filmen zugeschickt bekommen, diese gesehen und dann als Pate den Jury-Kollegen vorgestellt. Ein eingespieltes, bewährtes Verfahren aus rein zeitlichen und pragmatischen Erwägungen: Auf diese Weise wird der Aufwand für alle etwas in Grenzen gehalten, und nicht jeder muss alle eingereichten 160 Filme von der ersten bis zur letzten Minute anschauen, sondern nur einen Zusammenschnitt von 15 Minuten. Das muss in diesem Fachgremium reichen. Die Jury schaut, argumentiert, diskutiert und kommt am Ende nach fünf langen Arbeitstagen zu Ergebnissen, auf die alle anderen noch bis Mitte September warten müssen.

Insgesamt haben Filmemacher aus 23 Ländern 203 Filme für das Naturfilmfestival eingereicht, von denen dann die 160 Langfilme der Jury vorgelegt wurden. Ein Film wurde gleich disqualifiziert, weil darin die in Deutschland verbotene Lebendfütterung zu sehen ist, berichtet Heiko de Groot. Das gleiche Schicksal kann auch Filme ereilen, die zu „tricky“ sind, sprich zu viele offensichtlich gestellte Szenen zum Beispiel beim Beuteschlag eines Greifvogels enthalten. Aber das sind Ausnahme. Es dominiert der authentische und vor allem technisch wie inhaltlich herausragend gemachte Naturfilm, wobei es auch dort eine gewisse Spannbreite gibt. Neu-Juror Manfred Ladwig gerät angesichts die Vielfalt und Qualität regelrecht ins Schwärmen. Neben „Hochglanzproduktionen, die die Natur brillant in Szene setzen und mit bombastischer Musik untermalt sind und Drohnen und Gopros nutzen“ sind für ihn auch die Produktionen der Newcomer und Independent-Filmer von besonderer Bedeutung. „Das Engagement und der Mut, sich mit der Natur auseinanderzusetzen und das Thema Mensch versus Natur kritisch aufzugreifen“, hat den Umweltjournalisten in den vergangenen Jury-Tagen besonders bewegt. Für Udo Zimmermann aus München, der Green Screen seit dem zweiten Jahr begleitet, ist der hohe technische Standard Normalität: „Die vielen guten Filme aus Deutschland brauchen den Vergleich mit BBC-Produktion nicht zu scheuen.“ Auffallend viele Filme spielen diesmal in Afrika, Heiko de Groot sprich von einer Wiederentdeckung nach den vielen Afrika-Filmen aus den 80-er und 90-er Jahren. Es stehen allerdings nicht nur Löwen und Elefanten im Blickpunkt, sondern neben Landschaftsaufnahmen aus dem Süden des Kontinents auch kritische Themen wie der „massive Bau von Atomkraftwerken“, wie Michael Packschies hervorhebt.

Für filmische Überraschungsmomente haben in diesem Jahr eine Eichhörchengeburt, die Jagd eines Rehs auf einen Fuchs oder elektrische Fische im Amazonas gesorgt. Als häufigstes Tiermotiv hat die Wasseramsel den Eisbären abgelöst – warum? „Zufall“, meint Heiko de Groot. Was ein wenig fehlt, sind Filme aus Schleswig-Holstein. „Lokalbezug“ stellt allerdings ein Film zum Thema „Was stellen Kreuzfahrtschiffe mit der Ostsee an?“, meint Michael Packschies. Dort ist zu sehen, wie abgelassene Fäkalien von der Schiffsschraube verquirlt werden.

Solche und vor allem die vielen anderen, oft atemberaubenden Bilder wirken natürlich am besten, wenn sie auch professionell präsentiert werden. „Es wäre schön, wenn Eckernförde bald ein Kino bekäme“, sagt Claudia Sewig am Ende des Pressetermins im verdunkelten Juryraum im Stadthotel.

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erstellt am 28.Apr.2016 | 06:01 Uhr

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