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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 20:18 Uhr

Gericht : Freispruch für Unfallfahrer

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Bei einem Verkehrsunfall auf der B 76 im Oktober 2013 ist ein Mann ums Leben gekommen. Der Fahrer wurde nun freigesprochen.

Sichtlich erleichtert reagierte der Angeklagte (25), gegen den gestern Vormittag vor dem Amtsgericht Eckernförde wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verhandelt wurde, auf den Freispruch. Nach Ende der Hauptverhandlung sprach die Richterin den Unfallfahrer, der am 9. Oktober 2013 an einem Verkehrsunfall mit Todesfolge auf der B    76/Schulweg beteiligt war, frei. „Der Unfall ist für Sie nicht vermeidbar gewesen. Es handelt sich tatsächlich um einen tragischen Unfall“, so die Begründung der Richterin. Fast genau auf den Tag vor drei Jahren kam es am Abend des 9. Oktobers um 19.10 Uhr auf dem Ampelfußgängerüberweg auf der Bundesstraße/Schulweg zu einer Kollision zwischen dem Unfallfahrer und zwei Fußgängern (72 und 71 Jahre; wir berichteten). Nach Aussage des Angeklagten, der mit seinem Mercedes Richtung Schleswig fuhr, sollen die beiden Männer bei Rot die Straße von dem Kleingartengelände Richtung Stadt überquert haben. Aufgrund ihrer dunklen Kleidung habe er sie vorher nicht gesehen, sagte der gebürtige Eckernförder vor Gericht aus. „Ich hatte grün. Ich habe sie gesehen und gebremst – es hat nicht gereicht.“ Er habe noch versucht, seinen Wagen nach links zu lenken, „so schnell ich konnte“. Er sei mit einer Geschwindigkeit von rund 55 km/h unterwegs gewesen. Der 72-Jährige starb noch an der Unfallstelle, der 71-Jährige wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Bei beiden wurde Atemalkohol festgestellt. Eine Blutmessung bei dem 71-Jährigen ergab vier Stunden nach dem Unfall den Wert von 1,04 Promille. Bei ihrem Urteil folgte die Richterin dem Plädoyer sowohl der Staatsanwältin als auch der Verteidigerin, die sich auf die Gutachten zweier Unfallanalytiker der Dekra bezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte im März 2015 die lichttechnischen Gutachten zwecks Bestimmung des Reaktionspunktes des Fahrers in Auftrag gegeben mit dem Ziel, die Vermeidbarkeit des Unfalls zu klären. Diese wurden am 11. April 2016 bei ähnlichen Licht- und Wetterverhältnissen durchgeführt (wir berichteten). Die Gutachten ergaben, dass der Unfall bei Tempo 30 vermeidbar gewesen wäre, da die Männer dann erkennbar gewesen wären, was bei Tempo 55 nicht zutreffe, so die Sachverständige. In Bezug auf die Unfallopfer erklärte sie: „Sie hätten den Unfall zu jeder Zeit vermeiden können, da die Straße gut einsehbar ist.“ Nach Auswertung aller Daten aus insgesamt acht Messungen mit verschiedenen Geschwindigkeiten von Tempo 30 bis Tempo 50 mit und ohne Blendung kamen beide Ingenieure zu dem Schluss, dass bei dem tatsächlichen Tempo von 55 km/h und den zu der Zeit herrschenden Dämmerungsverhältnissen die Kollision für den Fahrer nicht vermeidbar gewesen sei. (Erlaubt waren dort zu dem Zeitpunkt 50 km/h).) Selbst sie selbst hätten die Kollegen, die die Fußgänger bei den Messungen simulierten, nicht gesehen – obwohl sie wussten, dass sie auf der Ampelquerung standen. Der Angeklagte wurde frei gesprochen, die Kosten des Verfahrens trägt die Landeskasse. Der Angeklagte hatte das letzte Wort: „Ich habe alles versucht, es hat nicht gereicht.“

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erstellt am 11.Okt.2016 | 06:17 Uhr

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