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Künstlerhaus : Fotos, Bücher, Installation: Frischer Wind in Otte 1

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei neue Stipendiaten wohnen zurzeit im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus.

Eckernförde | Auf den ersten Blick wirkt das Foto gewöhnlich: eine Ansammlung von Menschen irgendwo in der Wüste von Colorado. Erst beim näheren Hinsehen fällt auf: Alle Personen sind mehrmals abgelichtet. Ein Pärchen geht hinaus in die Wüste und kommt sich gleichzeitig entgegen. Ein anderer Tourist macht ein Foto von sich selbst – beim Fotografieren.

Es ist eine zeitliche Verdichtung, die Magdalena Abele aus Nürnberg in ihren Landschaftsfotografien ausdrückt. „Ein Bild reicht nicht aus, um zu erzählen, was mir ein Ort sagt“, erklärt sie. Deshalb schießt sie im zeitlichen Ablauf mehrere Fotos, legt die Aufnahmen übereinander und verstärkt auf diese Weise die Bildaussage.

Die 30-Jährige ist zurzeit zu Gast im Schleswig-Holsteinischen Künstlerhaus in der Ottestraße. Sie hat ihr Stipendium vor drei Wochen begonnen und nutzt die Zeit, um zur Ruhe zu kommen und sich von der Landschaft inspirieren zu lassen. Bis Ende August wohnt sie im Künstlerhaus.

Ganz so lange ist das Stipendium von Frenzy Höhne nicht angelegt: Die bildende Künstlerin aus Leipzig ist seit Anfang März im Künstlerhaus zu Gast und bleibt bis Ende Mai. Sie befasst sich mit Konzeptkunst: Fotografie, Grafiken, Textarbeiten. Die Aussage „Noch besser“ druckt zum Beispiel sie so lange, bis der Druckstock ausgetrocknet ist und die Buchstaben kaum noch zu erkennen sind. Irgendwann ist eben das Ende erreicht, es gibt kein „Noch besser“ mehr. Auf einem Foto zeigt sie Menschen in einer Schlange vor einem geschlossenen Tante-Emma-Laden. Alle tragen Tüten mit Aufdrucken großer Handelsketten. „Ich versuche, dem Ganzen etwas Sinnliches abzugewinnen“, sagt sie, „eine zweite Instanz zu schaffen, die das Thema persönlich macht.“ Das gelingt der 42-Jährigen durch Fotografien, Installationen und Videos.

Das klassische Buch ist das Metier von Fabian Hischmann: Das Stipendium des Autors dauert nur zwei Monate, doch schon nach den ersten drei Wochen ist der 33-Jährige zufrieden. „Ich arbeite an meinem dritten Buch, und es geht sehr gut.“ Eckernförde sei ruhig, was ihm bei der Arbeit helfe. „In Berlin fahre ich immer in die Staatsbibliothek, weil ich sehr viel Ruhe brauche.“ In seinem neuen Erzählband steht die Orientierungslosigkeit im Mittelpunkt. „Alle Figuren stehen an einem Scheideweg und fragen sich im übertragenen Sinne, ob sie den Waldbrand löschen wollen oder lieber diejenigen sein wollen, die das Streichholz anzünden.“

Alle drei Stipendiaten genießen die Ruhe in Eckernförde. „Man kann entschleunigen und sich auf sich, sein eigenes Tempo und die Arbeit konzentrieren“, sagt zum Beispiel Magdalena Abele.

Alle Künstler streben eine Ausstellung oder Lesung während der Zeit ihres Stipendiums an. So bereitet Frenzy Höhne eine Ausstellung im Künstlerhaus für Anfang Mai vor.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 06:10 Uhr

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