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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 15:33 Uhr

Spanische Nacht im Carls : Flamenco – getanzte Leidenschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

„Los Balticos“ zeigt auf Carlshöhe Tänze und neuen Chor. Zuvor gab’s einen Workshop mit professionellen Tänzern und Musikern – andalusisches Temperament im hohen Norden.

Eckernförde | Mit einer spanischen Nacht sorgten am Sonntag Los Balticos mit Formationen aus Eckernförde , dazu „Azabache –Flamenco“ mit internationalen Stars für ein spannendes Programm.

Man fühlte sich nach Cádiz, Sevilla, Granada, kurz – nach Andalusien versetzt. Die Musik aus dieser südspanischen Region mit Gitarrenklängen, starken Gesängen, dazu rassige Flamenco-Tänzen, das fesselte ordentlich. Im Carls Showpalast: Ein überfüllter Raum, hohe Temperaturen, viel Temperament in Rot und Schwarz. Dem Publikum gefiel’s. Viel Beifall schon zwischendurch und erst recht zum „Fin de Fiesta“, da wollte der Applaus gar nicht wieder aufhören.

Auf der breiten Skala der Leidenschaften war jede Nuance vertreten und wurde mit aller nur verfügbaren Ausdruckskraft in Tanz umgesetzt. Von Liebe und überschäumendem Glück, von Lebensfreude und Fröhlichkeit berichteten die Tanzfolgen. Aber auch Emotionen wie Hass, Wut, Verzweiflung fanden ihre Umsetzung. Das war in seiner Wirkung unausweichlich und mitreißend.

Kein Wunder, dass so viel getanzte, gesungene, auf Gitarren begleitete Ausdruckskunst Liebhaber auch im Norden Deutschlands findet. Einmal so tanzen können, so Gitarre spielen, solche spanischen Lieder singen können! Diese Wünsche erfüllt seit Jahren Doris Schlüter von den „Los Balticos“.


Rassige Flamencotänze, südspanische Gitarrenklänge


Sie bietet Workshops auf allen drei Gebieten an, den Unterricht teilt sie sich mit weiteren „Könnern“. Die Ergebnisse der aktuellen Workshops ließen sich im ersten Teil des Abendprogramms in Augenschein nehmen: Gitarrenschüler begleiteten ihren Lehrer Rayko Schlee, Flamenco-Gitarrist von „Azabache“. Ein großer neuer Chor sang stimmgewaltig andalusisches Liedgut – auf Spanisch, versteht sich. Traditionell spanisch gewandete Flamenco-Tänzerinnen aus den Anfänger – und Fortgeschrittenen-Kursen zeigten mit Anmut und mit schrittgenauen Tanzfiguren, dass sie bereits auf dem besten Flamenco-Weg sind. Selbst ein paar flamenco-affine Herren hatten sich mutig eingefunden.

Und dann kamen die Könner, die Vorbilder aller Schüler, die Zauberer, die in eine fremde exstatische Welt entführen.
Mit den in Eckernförde bereits bekannten Tänzerinnen Joelle Guerrero, La Mona, Ana Manjibar und „El Peluca“, dem Sänger, kam die ganz große Welle. Eine Welle, die alles Alltägliche wegschwemmte. Da bebte die Bühne von gestampften Schritten, sehr lautem, fast arabisch anmutendem Gesang. Die Luft flirrte von spanischen Gitarrenklängen – eine kraftvolle Show, die reine Faszination. Man erlebte sinnliche Tänze voll angespannter Muskelbeherrschung bei hoher Konzentration – jeder Schritt genau, jede Drehung exakt bemessen. Die Hände, die Arme dieser atemberaubenden Frauen tanzten mit, durch und durch choreografiert bis in die Fingerspitzen. Oft anmutig und weich, dann auch wieder wild entschlossen.

Die femininen Gewänder, die volantbesetzten schwingenden Röcke – alles ganz im traditionellen Stil – mit einer sinnfälligen Ausnahme: Beim überraschend strengen, harten und laut stampfenden Auftritt von Ana Menjibar bekam man anfangs fast einen Schreck. Damit hatte man nicht gerechnet. In Schwarz mit hoch geschlitzten Hosenbeinen und Netzstrümpfen tanzte sie Kampf, Angriff, in der Stärke ungewohnte Aggression, rotglühend vor Hass und Wut, zum Kampf bereit. Ihr martiales Stampfen wirkte wie Heereslärm, multipler Stierkampf – eine ganz neue Variante im Flamenco? Man darf gespannt sein.


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