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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 00:20 Uhr

Interview mit Jennifer Rostock : „Es ist Zeit für klare Worte“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Mit ihrem Anti-AFD-Song sorgte die Band Jennifer Rostock zuletzt für Wirbel – die Jugendredaktion traf zwei der Musiker zum Interview

„Jennifer Rostock“, eine Band, die mit ihren offenen und gesellschaftskritischen Songs nicht immer bei jedem auf Begeisterung trifft, lässt sich von niemanden unterkriegen oder verbiegen. Aufgrund ihrer schon fast zehnjährigen Bandgeschichte haben sie viel zusammen erlebt, verstehen sich aber dennoch alle sehr gut, was nach eigenen Angaben nicht nur dem Alkohol geschuldet ist, sondern vor allem auch dem gegenseitigen Respekt für einander. Jetzt kommen sie mit ihrem fünften Album „Genau In Diesem Ton“ um die Ecke gestürmt.


Wie würdet ihr euer neues Album „Genau In Diesem Ton“ allgemein beschreiben?
ChristophDeckert: Es ist schwierig, das Album thematisch auf eine Phrase zu beschränken, denn wir sind nicht so die Konzeptalbum-Band, die sich vorher ein Thema überlegt und dann drumherum schreibt. Das Album ist eine Sammlung von Songs über Themen, mit denen wir uns im Zeitraum, in dem dieses Album entstanden ist, befasst haben. Uns ist aufgefallen, dass die letzten beiden Alben schon etwas melancholischer waren und wir haben versucht, wieder ein bisschen positiver zu werden. Ich würde es als wütende Positivität beschreiben.

Jennifer Weist: Das Album beschäftigt sich mit Themen, die uns persönlich und auch als Band in den letzten Jahren sehr beschäftigt haben. Sagen wir, ein Album ist immer ein bisschen ein Ist-Zustand, der beschreibt, wo wir gerade stehen.


Warum seid ihr in Sachen Kritik so klar geworden, im Vergleich zu früher, wo es etwas versteckter war ?
Jennifer: Es ist jetzt nicht so, dass wir die Botschaften versteckt formulieren wollten. Das ist einfach unsere Jennifer- Rostock-Sprache. Wir bedienen uns an Redewendungen von Dichtern, die man vielleicht noch aus der Schulzeit kennt.
Christoph: Auch gerade in der Zeit, als wir viel miteinander über das Album geredet haben, haben wir gemerkt, wie wichtig es ist, sich zu Themen wie z.B. Feminismus wieder klar zu äußern. Ich glaube wir haben vorher nie so intensiv über unsere Texte miteinander geredet. Wenn es z. B. um das Thema Feminismus geht, muss ich mir als weißen Mittelklasse-Mann irgendwie auch wieder bewusst machen, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Ich finde es schade, dass es heutzutage noch nötig ist, darüber zu reden.

Christoph: Und wir sprechen auch über das, womit wir die ganzen Jahre zu kämpfen hatten, denn wir haben mit Jennifer Rostock einfach eine Frau als Frontperson und manche Themen kommen dann erst auf, weil sie dann auch einen selber betreffen. Wir leben wieder in einer Zeit, wo alle denken, dass das ein oder andere wieder einmal gesagt werden muss. Daher ist es auch an der Zeit für klarere Worte von uns.


Was bedeutet es für dich, Jennifer, die Frontfrau und damit auch das Gesicht der Band zu sein?
Jennifer: Ja, es ist schon so, egal was wir als Band machen, ich halte das Gesicht dafür hin und niemand sonst ist dafür verantwortlich.

Christoph: Das fiese daran ist, die Leute denken Jennifer Rostock ist Jennifer und sie ist somit die Zielscheibe von Angriffen aller Art, so war es auch bei der Sache mit dem AfD-Song. Man würde ihr gerne die Last abnehmen, die Leute sollen dann auch zu mir kommen und mich beschimpfen.


Was möchtet ihr mit euren gesellschaftskritischen Texten erreichen?
Christoph: Wir versuchen, die anderen Leute zum Nachdenken anzuregen. Zu den vielen Themen, über die wir singen, haben wir ja auch keine konkreten Lösungen parat. Das war auch bei dem AfD- Thema so, dass viele gesagt haben, wir haben viel kritisiert, aber wir sagen auch nicht, wen man stattdessen wählen soll.

Jennifer: Natürlich nicht, man muss sich ja auch selbst damit beschäftigen und das ist auch das, was wir erreichen wollen, die Leute sollen sich damit beschäftigen. Wir können keine Alternativen stellen und sagen wir haben dieses Modell, so und so funktioniert das, oder besser wir gründen unsere eigene Partei, wählt uns. Unsere Aufgabe ist es nur, zum Nachdenken anzuregen, indem wir auf die Missstände aufmerksam machen. Wie man diese genau lösen kann, wissen wir auch nicht. Das wichtige ist, dass die Leute sich damit beschäftigen und sich ihre eigene Meinung bilden.


Drei Orte, die ihr immer schon einmal bereisen und dort vielleicht auch ein Konzert spielen wolltet?
Jennifer: Du, Christoph, wieder Japan, aber ansonsten ist das auch für jeden unterschiedlich. Der Baku würde wahrscheinlich sagen, Berlin würde mir reichen (lacht).

Christoph: Ich kenne DJs, die auch viel reisen und deren Top-Empfehlungen sind: Südafrika, Südamerika und Neuseeland.

Jennifer: Ich kann Costa Rica und Island empfehlen. Das waren letztes Jahr zwei wahnsinnig tolle Urlaube, obwohl ich nicht so ein Naturmensch bin.
Christoph: Meine Top-Drei: Heidepark, Europapark und Fantasialand (lacht).


Wenn man sich „Uns gehört die Nacht“ anhört, fragt man sich, wie so eine Nacht bei euch aussehen würde, wenn man mit euch unterwegs ist?
Christoph: Nachts beim Radiosender sitzen und Interviews geben, wäre echt cool.
Jennifer: Ja, das wäre auch mein Ding. Wir mussten die letzte Zeit unter Hochdruck arbeiten und hatten sehr viel zu tun, deshalb fände ich es jetzt auch ganz schön, einfach zu Hause zu sein und meinen Abend allein im Bett liegend zu verbringen. Das hört sich jetzt irgendwie traurig an. Wenn wir alle unterwegs wären, dann würden wir wahrscheinlich viel ausgehen, weil der Joe uns zwingen würde, in alle möglichen Bars zu gehen und dann würden wir auf jeden Fall auf ein Konzert gehen.

Christoph: Und dann gehst du ins Bett, Joe geht in eine Schwulenbar, Baku geht in eine Punkerkneipe, Alex geht in seine eigene Bar und ich gehe Techno tanzen.


Vier Dinge, ohne die ihr nie aus dem Haus gehen würdet?
Jennifer: Auf jeden Fall mein Handy, das ist sehr wichtig.
Christoph: Dann brauchst du noch so eine Powerbank.
Jennifer: Genau und ansonsten habe ich immer noch Handcreme mit, die riecht super und ich habe auch gerne mal ein Wasser dabei. Und du Christoph?
Christoph: Mal überlegen, ein Feuerzeug, ich habe auch gerne mal eine Kappe dabei, wenn die Haare morgens nicht so gut aussehen und einen Beutel, in dem ich die drei anderen Dinge mitnehme. Genau, also Handy, Powerbank, Feuerzeug und einen Beutel.


Ihr kritisiert Verhaltensmuster, die man ablegen sollte. Was habt ihr für Verhaltensmuster, die ihr noch gerne im Laufe eures Lebens ablegen möchtet?
Jennifer: Ich finde mich super so (lacht). Also wenn man etwas hat, was einen stört, dann sollte man das auch in die Hand nehmen. Ich versuche seit Jahren meine Angst vor Spinnen abzulegen. Immer wenn ich eine Spinne sehe, gehe ich heran, sage hallo und rede kurz mit ihr. Ich denke mir, so kann ich es langsam ein bisschen kurieren.

Christoph: Das ist einfacher gesagt als getan. Ich würde es ja gerne ablegen, so ein zynisches Arschloch zu sein, aber wenn man einmal in diesem finsteren Loch ist, kann es ganz schön schwierig sein, da wieder heraus zu kommen.

Jennifer: Ich finde, du bist gar nicht mehr so ein zynisches Arschloch und meistens lachst du danach auch so süß, das man denkt, der war doch ganz nett dabei.
Christoph: Das ist dann meine Maske (lacht). Ansonsten, möchte ich auch ablegen, so schlecht Bass zu spielen. Vielleicht lerne ich das noch.

Jennifer: Ich finde, du bist da auf einem guten Weg.

 































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erstellt am 24.Okt.2016 | 06:37 Uhr

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