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Eckernförder Zeitung

26. März 2017 | 13:23 Uhr

St. Nicolai : Es geht um jeden einzelnen Balken

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Sanierung der Nicolaikirche schreitet voran. Das Dach ist zum großen Teil abgedeckt, unter anderem werden alte Holzverbindungen aus dem 13. Jahrhundert gesichert.

Eckernförde | Was der verhüllte Reichstag für Berlin war, ist die eingepackte St.-Nicolai-Kirche für Eckernförde. Die Großbaustelle im Herzen der Stadt sorgt für viel Aufsehen, nur was innen passiert, bleibt den Passanten verborgen. Dabei könnte Architekt und Bauleiter Dietrich Fröhler ihnen eine Menge erzählen.

Gestern kletterte er mit der Fotografin des Landesamts für Denkmalschutz, Conny Fehrer, durch den Dachstuhl des Chorraums. Das Besondere: Der gotische Dachstuhl ist der älteste Gebäudeteil aus dem frühen 13. Jahrhundert und sehr gut erhalten. „Das gibt es nur noch ganz selten“, sagt Fröhler. Sein Kennerblick entdeckt dort hohe Handwerkskunst in Form von sauberen Verbindungen der Balken und Sparren, die die Jahrhunderte überdauert haben. Trotzdem gab es auch dort Schäden: Der Mörtelverstrich der Dachpfannen ist im Laufe der Jahrhunderte porös geworden und auf die Holzkonstruktion der Decke gefallen. Dort haben sich regelrechte Schuttberge aufgetürmt, die Feuchtigkeit gezogen und peu à peu auch die Eichenbalken angegriffen haben. Infolgedessen hat sich die Dachkonstruktion teilweise gefährlich verschoben, über dem Chorraum betrug die Auflage auf dem stützenden Mauerwerk nur noch drei Zentimeter, sagt Fröhler. Ein heftiger Sturm hätte dort nicht nur zu hohen Gebäudeschäden führen, sondern unter Umständen auch Passanten gefährden können. Soweit ist es glücklicherweise nicht gekommen, und selbst der Sturm um Weihnachten hat dem Dach nichts anhaben können.

Auch im gewaltigen Dachstuhl über dem Kirchenschiff sind die Sanierungsarbeiten in vollem Gang. Acht bis zehn Handwerker – zumeist Zimmerleute und Maurer, aber auch der eine oder andere Elektriker und Mitarbeiter eines Abbruchunternehmens – arbeiten täglich auf der Großbaustelle und sind überall in höheren Gefilden verteilt, da es vornehmlich um die Sanierung des Kirchendaches geht. Architekt Dietrich Fröhler lobt die Handwerker der örtlichen Firmen für ihre hervorragende Arbeit: „Wir haben mit unseren Handwerkern wirklich großes Glück gehabt.“ Zimmermann Gerrit Hebekerl bekommt ein Sonderlob für seine „goldenen Hände“, mit denen er sich den alten Balkenverbindungen widmet, sie aufarbeitet und teilweise auch durch den Einsatz neuer Stücke sichert. Überall stecken beispielsweise noch alte, in Handarbeit erstellte Holznägel in den Verbindungslöchern, die zum Teil durch starke Nirostaschrauben zusätzlich befestigt werden. Das sieht alles sehr solide aus.

„Wir werden mindestens in den nächsten 50 Jahren keine Probleme mehr bekommen. Das ist eine hervorragende Sicherung für die Zukunft“, sagt Fröhler.

Auch im Glockenturm führen Leitern bis unter den Dachfirst, im oberen Gebälk hängen die drei großen Glocken von St. Nicolai. An mehreren Stellen haben sich Handwerker auch aus früheren Jahrhunderten verewigt – Maurer im Ostgiebel des Chorraums oder Uhrmacher im Uhrenhaus des Westportals.

Rund zwei Millionen Euro kostet die Sanierung, die Ende 2018 abgeschlossen sein soll.

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erstellt am 20.Jan.2017 | 05:26 Uhr

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