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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 16:36 Uhr

Storchennachwuchs : Erst tot gestellt und dann beringt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Storchennachwuchs in Ascheffel wurde gestern beringt / Schlechtes Jahr für Störche, nur 27 der 60 Jungtiere haben überlebt

Ein bisschen zulegen müsste er schon noch, auch ein paar Vitamine würden dem Jungstorch gut tun. Weißstorchgebietsbetreuer aus dem Kreis Schleswig-Flensburg und Beringer Jörn Heyna erkennt schnell, wie es dem Vogel geht. Er und Birgit Lustig haben das Jungtier mit dem Hubwagen aus dem Nest auf dem alten Meiereigebäude geholt. Heyna schaut in den Schnabel und durchkämmt das Gefieder, wiegt das Jungtier, um dessen Zustand zu beurteilen. Dann kann Ascheffels Bürgermeister Jörg Harder ganz problemlos den elf Gramm schweren Ring anbringen, der das Kennzeichen DEW 6T060 trägt. Das DE steht für Deutschland, das W für die Vogelwarte Helgoland mit Sitz in Wilhelmshaven und die fünfstellige Nummer sei individuell. „Quasi der Personalausweis des Storches“. In der Vogelwarte ist die Nummer für den Ascheffeler Jungstorch registriert. Viele Zuschauer wollen dabei sein, wie die Experten den Storch beringen. Die beiden Elterntiere beobachten das Geschehen aus sicherer Entfernung. Bürgermeister Harder hatte Kindergarten und Schule über den Beringungstermin vor ab informiert.

Der Körpercheck und auch die vielen Leute beeindrucken den Jungstorch nicht. Bei ihm rührt sich kein Muskel – er stellt sich tot. „Akinese heißt das, ein Reflex“, sagt Jürgen Lustig, Weißstorchbetreuer im Kreis Rendsburg-Eckernförde. Diese Fähigkeit, sich bei Gefahr totzustellen, verliere der Storch nach einigen Wochen, daher sei es so wichtig, ihn jetzt zubringen. Jörg Harder steckte ihm den Ring auf das rechte Bein. „Wir haben ein gerades Jahr“, sagt Lustig, in ungeraden Jahren werden die Ringe auf das linke Bein gesteckt.

Lustig schätzt das Alter des Tieres auf rund sechs Wochen. Am 28. Mai habe er das Fütterungsverhalten der Elterntiere erstmals bemerkt. Lustig hat die Störchenpopulation im Kreisgebiet genau im Blick. „Das war kein gutes Jahr“, sagt er. Von 60 geschlüpften Jungstörchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben bis heute nur 27 überlebt. „Erst war es zu trocken, dadurch fehlte es an Nahrung“, berichtet Lustig. Dann kam der Regen und viele Jungtiere wurden durch die Nässe in den Nestern krank. Beispielsweise überlebte in Owschlag-Norby der Nachwuchs nicht. Insofern passe der leicht kritische Zustand des Ascheffeler Jungtieres der allgemeinen Situation in diesem Jahr.

Im vergangen Jahr blieb der Ascheffeler Storch alleine. 2013 und 2014 gab es gleich dreifachen Nachwuchs, 2011 und 2012 doppelten. „Wir beringen die Tiere, wenn es technisch machbar ist“, sagt Jürgen Lustig. Das heißt, die Nester müssen erreichbar sein, um die Tiere zu greifen und zu beringen. In Ascheffel waren sie gestern der Owschlager Firma Joost dankbar, die für diese Aktion einen Hubwagen samt Mitarbeiter der Gemeinde kostenlos zur Verfügung stellten. 

www.stoercheimnorden.de

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erstellt am 07.Jul.2016 | 06:19 Uhr

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