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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 05:59 Uhr

Mit 84 Jahren : Erinnerungen an Eckernförde im Zweiten Weltkrieg

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Karsten Stocks (84) hat viele Erinnerungen an seine Kindheit in Eckernförde aufgeschrieben. Nun sucht er nach einer Möglichkeit der Veröffentlichung.

Eckernförde | Karsten Stocks hat seine Kindheit und Jugend in Eckernförde verbracht, und das war keine einfache Zeit: Als er sieben Jahre alt war, brach der Zweite Weltkrieg aus, der Junge war 13, als er endete. Auf Anregung seiner Kinder hat Karsten Stocks, der mittlerweile in der Nähe von Schwäbisch-Hall lebt, seine Erinnerungen aufgeschrieben und sucht nun einen Verlag für seine Memoiren.

14 Jahre war er nicht mehr in Eckernförde, erst in diesem Spätsommer besuchte er seine ehemalige Heimat. „Richtig schön ist die Stadt geworden. Sie hat etwas Mediterranes, ist sehr gepflegt“, sagt er. Und es gibt genug alte Gebäude, die Erinnerungen wecken. „Wenn ich das alte Pflaster in der Gudewerdtstraße sehe, dann höre ich wieder die Droschken“, so Karsten Stocks. Viele alte Namen kommen ihm wieder in den Sinn, an die er lange nicht gedacht hat: Dentist Hoffmann, Arzt Schütz oder „Zigarrenfritze“ Lauritzen.

„Heute sammeln die Leute Muscheln am Strand, wir haben damals Granatsplitter gesammelt. Wer die schönsten Splitter hatte, war der König unter den Kindern.“ Faszinierend fand der kleine Karsten die Flugzeuge der Alliierten im Licht der Flakscheinwerfer, die von den drei Batterien im Brennofenweg beschossen wurden. „Ein Engländer ist mal auf einer Wiese in Borby abgestürzt. Da bin ich natürlich mit dem Rad hingefahren. Polizei oder Militär waren schon da, neun Leichen waren abgedeckt, aber die Stiefel des Piloten schauten noch raus.“

Insgesamt spielte sich damals schon viel Leben am Strand ab. Regelmäßig flog ein Wasserflugzeug der TVA Nord über die Bucht. Direkt über dem Strand machte sich der Pilot einen Spaß, so niedrig über die Badegäste zu fliegen, dass man ihn sehen konnte. „Wir haben ihm zugewinkt, und er hat zurückgewinkt“, so Karsten Stocks.

Gefährlich konnte es werden, wenn ein Torpedo von der Versuchsanstalt quer lief: „Da ging eine Sirene an und alle mussten sofort aus dem Wasser. Einmal sprang so ein Torpedo an Land und flog zehn Meter weit an den Strand. Er lag direkt neben unserem Strandkorb.“

Aber auch Lustiges kann der 84-Jährige berichten. So hat Karsten Stocks seinen Freischwimmer in der Badeanstalt am Noor abgelegt, allerdings etwas dabei geschummelt. „Ich war groß und konnte den Boden mit den Füßen berühren. So habe ich getan, als würde ich schwimmen, stand aber eigentlich.“ Seinen Lehrer Wilhelm Lehmann hat er als „sehr gutmütig und lieb“ in Erinnerung. Auch über ihn erzählt er Einiges in seinen Erinnerungen.

Nicht zuletzt eine Geschichte aus der Nachkriegszeit erzählt er mit einem Lächeln: Die Familie Stocks musste – wie viele andere auch – Flüchtlinge aufnehmen. Unter anderem hatte im ersten Stock ihres Hauses eine Estin ein Zimmer bezogen, die nachts Männer empfing, auch stark betrunkene. Als sich schließlich einer davon im Treppenhaus übergab, wurde es dem Vater zu viel. Wutentbrannt ging er zum Gouverneur der britischen Besatzungsmacht, der dem Treiben ein Ende bereiten sollte, und tatsächlich wurde er bis ins Amtszimmer vorgelassen. „Da sah mein Vater, dass genau der Mann vor ihm saß, der in der Nacht zuvor unser Treppenhaus vollgekotzt hatte.“ Schlagfertig fragte der Vater, der eigentlich Lehrer an der Jungmannschule war, aber nach dem Krieg als Busfahrer arbeitete, ob er nicht zumindest wieder Nachhilfe geben dürfe.

>Karsten Stocks sucht eine Möglichkeit, seine Erinnerungen zu veröffentlichen. Wer ihm dabei helfen kann, wird gebeten, sich unter Tel. 07903/568 zu melden.

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erstellt am 20.Okt.2016 | 05:57 Uhr

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