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Eckernförder Zeitung

26. März 2017 | 23:03 Uhr

Jüdischer kulturabend : Erinnern an die Vergangenheit bleibt wichtig

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

120 Gäste beim Jüdischen Kulturabend Stifter Kirchenzentrum

Auch in diesem Jahr fand der jüdische Kulturabend aus Anlass des 72. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz im Eivind-Berggrav-Zentrum statt. Pastor Okke Breckling Jensen, die Leiterin der Förde-Volkshochschule, Helga Jones, und Bürgermeister Carlo Ehrich begrüßten die mehr als 120 Gäste.

Ehrich verurteilte die Diskriminierung von Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer Religion, der Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung und warnte eindringlich vor aufkeimenden rechten Strömungen, die sich auch durch die politische Partei AfD manifestiere. Irritierend wirkte im Anschluss die Wortmeldung des Klarinettisten der Klezmer-Band „Familie Lachmann“, Seva Zoubarew, der meinte, für eben diese Partei in die Bresche springen zu müssen. Er versicherte, dass die Meinung über diese Gruppierung so nicht stimme. Sie seien nicht antisemitisch, ja, es gäbe sogar viele jüdische Mitglieder, so Zoubarew. Unbehagliche Stille machte sich nach diesen Worten breit und so dauerte es auch etwas, bis die virtuos vorgetragenen Musikstücke der Familie Lachmann das Publikum in den Bann ziehen konnten.

Die Stücke versetzten die Zuhörer in die Welt der osteuropäischen Juden im beginnenden 20. Jahrhundert. Familie Lachmann war mit fünfköpfiger Besetzung angetreten, dem Publikum diese spezielle Musik nahe zu bringen. Die Geige von Bandchef Daniel Lachmann und die Klarinette von Seva Zoubarev spannten weite Melodienbögen, die Klarinette klagte, schluchzte und jubelte in den höchsten Tönen und wurde melancholischen Gebetsliedern ebenso gerecht, wie fröhlichen und schwungvollen Melodien wie „Wenn ich einmal reich wär“ – dem bekanntesten Stück aus dem Musical „Anatevka“. Zwischendurch streute Lachmann kleine Anekdoten und Geschichten ein.

Bewegend war der Vortrag Ellen Dorns, die aus Hans-Peter Richters Jugendroman „Damals war es Friedrich“ rezitierte. Mit klarer, akzentuierter Stimme las die Schauspielerin den anrührenden und zugleich beklemmenden Text über die Freundschaft eines jüdischen und eines nichtjüdischen Jungen in der Nazi-Zeit. Gebannt lauschten die Zuhörer, man hätte eine Nadel fallen hören können. „Mich bewegt es sehr, diesen Text zu lesen“, gestand Dorn. „Es ist notwendig, die Geschichte sachlich vorzutragen, um nicht von den eigenen Gefühlen überrollt zu werden.“

„Ich besuche die jüdischen Kulturabende hier in Altenholz regelmäßig seit vielen Jahren“, erklärte die Kielerin Sabine Hansen. „Ich bin in Altenholz aufgewachsen und in dieser Kirche konfirmiert worden, eine meiner Großmütter war Jüdin und hat den Holocaust in Ausschwitz überlebt bis zur Befreiung. Deswegen ist dieser Gedenkabend etwas sehr Wichtiges für mich.“ Die Lachmann-Familie schloss ihren Vortrag mit dem bekannten Lied „Hevenu Shalom Alejchen“ und erntete anhaltenden Beifall. „Es gibt immer weniger Zeitzeugen. Für unsere Generation ist all das inzwischen Geschichte“, wusste der Altenholzer Gunnar Meyer. „Deswegen sind solche Veranstaltungen wichtig, um Erinnerungen weiterzugeben und wach zu halten.“

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