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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 03:33 Uhr

Kaminabend der CDU : „Erfolgreiche Integration braucht Geld, Zeit und eine hohe Frustrationstoleranz“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Engelhard Mazanke, Leiter der Berliner Ausländerbehörde, war Referent beim Kaminabend der CDU

Die Zuwanderung wird Deutschland verändern, das steht für Engelhard Mazanke außer Frage. Aber Deutschland brauche die Einwanderung auch, um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Deutschland sei auch längst ein Einwanderungsland. Engelhard Mazanke ist seit 2011 Leiter der Ausländerbehörde in Berlin und dort Chef von rund 400 Mitarbeitern, die an drei Standorten für die größte Ausländerbehörde Deutschlands tätig sind. Am Freitagabend sprach der 52-Jährige auf Einladung der Damper CDU beim Kaminabend im Restaurant „Mama Mia“ vor rund 30 Besuchern über die Flüchtlingssituation und die Herausforderungen für die Gesellschaft.

Den Kontakt zu dem Fachmann stellte Unionsmitglied Gerhard Ulbrich her, der gemeinsam mit Mazanke vor rund 30 Jahren seinen Dienst auf einem Schnellboot leistete.

Die Situation in Berlin konnte Mazanke eindrucksvoll darstellen. Von den 3,6 Millionen Einwohnern sind gut 450  000 Türken. Berlin ist die viertgrößte türkische Stadt, aber auch die viertgrößte libanesische und viertgrößte israelische Stadt. „Ein Drittel der Berliner haben einen Migrationshintergrund“, berichtete er. Jurist Mazanke spricht von Kunden, wenn er über etwa 310  000 Flüchtlinge spricht, die jedes Jahr in Berlin in seiner Behörde vorstellig werden. Seine Behörde ist der Dienstleister, der jährlich rund 117    000 Aufenthaltsgenehmigungen ausspricht, aber auch 800 bis 1000 Abschiebungen veranlasst. Asylsuchende, die hier bleiben dürfen, müssten schnell integriert werden, so seine Forderungen. Andererseits müssen auch andere das Land schnell wieder verlassen, sagte Mazanke und spricht sich für beschleunigte Asylverfahren aus. 560  000 offene Verfahren gebe es derzeit in Deutschland. Etwa die Hälfte der Betroffenen müsse am Ende das Land wieder verlassen.

Um in Deutschland bleiben zu können werde auch viel gelogen, berichtete Mazanke aus seiner Behörde. Auf den Wegen nach Deutschland spreche sich herum, was man den Behörden hier sagen solle und was nicht. So werde aus einem Ägypter oder Armenier schnell ein Syrer, denn ihre Anerkennungsquote liegt bei über 99 Prozent. Um dazu zu gehören, bedienten sich viele falscher Pässe.

Es ist gut ein halbes Jahr her, dass Angela Merkel die ungehinderte Einreise von Flüchtlingen ermöglichte. Das daraus resultierende soziale Engagement der Menschen müsse unbedingt aufrechterhalten werden, appellierte Mazanke an die Besucher. Eine Ermüdung könnte man sich jetzt nicht leisten. Dieser Schwung aus dem September müsse für eine schnelle Integration der Flüchtlinge mitgenommen werden. „Das ist verbunden mit Geld, Zeit, Engagement und auch einer hoher Frustrationstoleranz“, betonte der Berliner. Es müsse dabei aber auch um die Verteidigung der eigenen Werte gehen. Die Asylbewerber ließen sich nicht durch die Unterschrift unter eine Integrationsvereinbarung, so wie von der CDU vorgeschlagen, auf den richtigen Weg bringen. Wenn dafür jetzt kein Geld ausgegeben werde, könne es später teuer werden. „Die Gesellschaft wird reicher und bunter“, prophezeite der Behördenleiter. Die Einwanderung sei natürlich mit Risiken verbunden, aber auch mit großen Chancen. 


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erstellt am 08.Mär.2016 | 06:34 Uhr

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