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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 21:22 Uhr

Kirchenwahl : Entscheidungsträger im Hintergrund

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Vier ehrenamtliche Kirchengemeinderäte berichten vor dem Wahlsonntag über ihre Arbeit / Alle sind sich einig: Das Amt birgt Überraschungen

Eckernförde | „Das ehrenamtliche Engagement ist in unserer Familie selbstverständlicher Teil des Lebens und zur Kirche habe ich eine enge Bindung“, erklärt Inke Kock, wenn man sie fragt, warum sie vor 20 Jahren in den Kirchengemeinderat in Rieseby gegangen ist: „Unsere Kirche ist auch meine Kirche, von der Taufe bis zur Silberhochzeit, in guten wie in schlechten Zeiten“.

Für Nikolaus Berger aus Groß Wittensee spielte das kirchliche Engagement vor Ort eine viel größere Rolle. „Ich bin nicht unbedingt das, was man einen aktiven Christ nennen würde“, gibt der Diplom-Ingenieur zu, aber: „Ehrenamtlich engagieren wollte ich mich und fand es richtig, die kirchliche Arbeit vor Ort mit meiner Zeit und Arbeit zu unterstützen“.

Bewegte Zeiten erlebte der Kirchengemeinderat Altenholz, als Gisela Marquardt vor 30 Jahren aktiv wurde: „Es gab Streit um die Besetzung einer Pastorenstelle, nicht alle waren mit dem Bewerber einverstanden. Im Ort wurde teils offen gegen ihn geworben. Als er doch eingestellt wurde, sind einige Kirchenvorstände gegangen und ich bin gekommen“.

Als Michael König seinen Posten als ehrenamtlicher Bürgermeister in Lindau aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, fragte ihn die Gettorfer Gemeindepastorin, ob er nicht im Kirchengemeinderat aktiv werden wolle: „Ich hatte von Kindesbeinen an eine enge Bindung an die Kirche, mir schien es eine gute Möglichkeit der Mitgestaltung“.

So unterschiedlich die Motive, der Bezug zur Kirche oder die jeweilige Geschichte sind, in ihrer Zeit als Kirchengemeinderäte haben alle vier erfahren, wie vielfältig und fordernd diese ehrenamtliche Arbeit sein kann. Wenn die Kitaarbeit umstrukturiert werden muss oder Baumaßnahmen anstehen und man sich unerwartet viel mit Gesetzen, Verordnungen und nicht zuletzt den Zahlen im Haushalt der Kirchengemeinde auseinandersetzen muss. Für Nikolaus Berger eine durchaus überraschende Erkenntnis: „Das Tagesgeschäft hat wenig mit Theologie zu tun, die Arbeit ist stärker organisatorisch und verwaltend geprägt“. Der Rechtsanwalt und Notar a.D. Michael König fand sich darin schnell zurecht: „Es gibt eigentlich keinen Unterschied zur politischen Arbeit, die ich vorher jahrelang gemacht hatte. Nur die Mitarbeit an der Gottesdienstgestaltung war neu“.

Das bedeutet nicht, dass sich der Kirchengemeinderat (kurz KGR) nicht auch mit theologischen Aspekten beschäftigt. Gisela Marquardt hat in ihrer Amtszeit daran mitgearbeitet, die Liturgie (Inhalte und ihre Abfolge im Gottesdienst) zu verändern, ein Prozess, der in der Gemeinde nicht nur auf Sympathie gestoßen ist. Die 78-jährige pensionierte Grundschullehrerin hat aber auch viele Jahre den Kita-Ausschuss geleitet und lange Zeit im Personalausschuss Vorstellungsgespräche mitgeführt: „Das war immer sehr spannend. Ein wenig haben mir die Leute aber auch leid getan, wir waren doch immer sehr viele“. Da der KGR Arbeitgeber für die Mitarbeitenden der Kirchengemeinde ist, gehört auch die Personalführung zum Tagesgeschäft. Hinzu kommen Senioren- und Jugendarbeit, je nach Gemeinde auch Küsterdienste und vor allem immer wieder Sitzungsarbeit mit Vor- und Nachbereitung. „Die vielfältigen Aufgaben kann ein Mensch allein nicht bewältigen, jedenfalls nicht über einen längeren Zeitraum. Wir sind wie eine Familie und leiten gemeinsam die Kirchengemeinde“, stellt Inke Kock fest. Der Kirchengemeinderat erfülle damit eine wichtige Funktion, um das Kulturgut Kirche zu erhalten, so die 51-jährige.

Alle vier KGR- Mitglieder haben Zeit und Arbeit investiert, um die Kirchengemeinde voran zu bringen. Sie eint aber noch eine andere Tatsache: Sie alle sind nicht wieder zur Wahl angetreten. Aus Altersgründen, weil sie Platz machen wollen für neue Gesichter, weil die Berufstätigkeit mehr Zeit in Anspruch nimmt und deshalb der eigene Anspruch an die Gemeindearbeit nicht mehr erfüllt werden kann oder weil Veränderungen oder stärkere Inanspruchnahme im Privatleben anstehen. Alle vier gehen mit großer Dankbarkeit: „Ich habe so viel gelernt, mich für andere Perspektiven geöffnet und bin im Takt der Zeit geblieben“, blickt Inke Kock auf ihre 20 Jahre im Riesebyer KGR zurück. Für Nikolaus Berger stehen die zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund: „Ich bin von jeder Sitzung mit dem guten Gefühl doch wieder etwas geschafft zu haben nach Hause gegangen, auch wenn ich vorher manchmal wenig Lust hatte nach einem anstrengenden Arbeitstag hinzugehen“. Gisela Marquardt hat grade ihre vorletzte Sitzung hinter sich: „Ich bin ein wenig traurig, aber einer der neuen Kandidaten ist ein ehemaliger Schüler von mir, da schließt sich der Kreis“. Mit Freude blickt hingegen Michael König auf die kommende Zeit: „Ich genieße die neuen Freiräume und ziehe mich ins Private zurück. Mein menschlicher Radius wurde durch das Ehrenamt enorm bereichert, mein Weggang gibt nun neuen Köpfen mit neuen Ideen mehr Raum“.

 

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erstellt am 23.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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