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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 17:07 Uhr

Bebauungspläne : Emotionale Debatte um Stifter Herrenhaus

vom

Zahlreiche Anwohner gegen Bebauungspläne / Bürger sehen Naturidylle und Rückzugsort bedroht

Altenholz | Einwohnerversammlung in Altenholz. Bürger der Gemeinde sind zahlreich im Sitzungssaal erschienen, denn es geht um  die geplante Wohnbebauung auf dem Gelände des Stifter Herrenhauses. Die meisten Anwohner lassen keinen Zweifel daran: Sie wollen hier keine Wohnbebauung.

Die Debatte ist sehr emotional – wie zuvor bereits die Bürgerfragestunde in der öffentlichen Bauausschusssitzung. Die Stellungnahme der 92-jährigen Johanna Behrens wird verlesen. Sie wohnt seit 40 Jahren hier und kämpft für die Bäume im Wald des Herrenhauses als Lebensraum für Tiere. Die Anwohner, so Behrens, erfreuten sich „an der Natur des Parks, an dessen Vielfalt – vor allem an den Vögeln, auch Kleingetier, wie Eichhörnchen und Igel, sogar Rehe, die auch heute noch eine Ruhezone finden.“  Ein anwesender Bürger, der seit 51 Jahren in Altenholz wohnt, kontert: „Da war früher nur Wüste.“ Tatsächlich wurden die meisten Bäume auf dem Gelände des Gutshauses nicht gepflanzt. Die Natur, so der Bürger habe sich den „schlecht gepflegten Park“ zurückgeholt, der mittlerweile mehr einem Wald als einem Park gleiche.

Ein Bürger wirft dem Bürgermeister Rechtsbruch vor, denn dieser gebe hoheitliche Aufgaben wie Umweltschutz und Denkmalschutz an einen privaten Investor ab. Daraufhin ein Zwischenruf und die Aufforderung an den Sitzungsleiter, jenen Bürger des Saales zu verweisen. Doch soweit kommt es nicht. Gemeindevertreter Dr. Andreas Piltz (CDU) versuchte Dampf aus dem Kessel zu nehmen und erläuterte die Rechtslage: „Die Träger öffentlicher Belange sind am Planungsprozess zu beteiligen. Dazu gehören auch die Umweltschutzbehörde und die Denkmalschutzbehörde, die auf die Einhaltung der entsprechenden Gesetze achten werden.“

Ingo Baasch (SPD) hatte zuvor bereits erläutert, dass alle Einwendungen der Träger öffentlicher Belange und von Bürgern in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung abzuwägen seien. Diese Abwägung  müsse in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht erfolgen.

Nach dem endgültigen Beschluss der Gemeindevertretung muss die Kommunalaufsicht den Plan noch einmal auf seine Rechtmäßigkeit prüfen und genehmigen, bevor er rechtskräftig werden kann. Hierzu beschloss die Einwohnerversammlung, dass der Investor ein maßstabsgerechtes Modell zu erstellen habe und dass für die neuen Wohnhäuser am Herrenhaus kein Weg über den Waldwinkel geschaffen werde, auch nicht während der Bauphase. Letzteres sei ohnehin Konsens, versicherte Bürgermeister Carlo Ehrich (SPD).    

Ein weiteres Thema in der Versammlung war das Integrierte Entwicklungskonzept „Ortskern Stift“, für das die  Big-Städtebau GmbH  ein Gutachten erstellt hatte. Der Ortskern von Stift soll Sanierungsgebiet werden. Beide Tagesordnungspunkte stehen morgen um 17 Uhr in der Gemeindevertretersitzung wieder auf der Tagesordnung.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 06:00 Uhr

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