zur Navigation springen

Emmi & Willnowsky: Herbe Zoten und knallharte Gags

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Wenn Willnowsky sein angetrautes Weib „alte Schabracke“ nennt, und Emmi ihr Ehegesponst „das russische Schwein“, dann ahnt man schon, woher der Wind weht. In der Stadthalle sorgte das Programm allerdings eher für Sturm: Stürme der anteilnehmenden, weil wissenden Begeisterung, stürmisches Gelächter: Man schmiss sich weg.

Wer Emmi & Willnowsky bisher noch nicht begegnet war (die meisten im ausverkauften Saal waren - per Handzeichen - zugegebenermaßen „Wiederholungstäter“), der mochte die erste Viertelstunde noch Nägel kauend im Parkett gesessen haben. Was ging hier denn ab? Wurde hier mit Entsetzen Scherz getrieben? 20 Jahre Ehe und nichts als Streit, das hohe Lied von Hass, Abscheu und widerlicher Häme? Mordgedanken, Angriffe auf unterster Ebene, die sogenannte „Gürtellinie“ nur noch zwischen Taille und Knie.

Und nach den ersten Schockmomenten? Da konnte sich wohl auch der letzte Besucher nicht mehr wehren, da half nur noch Lachen und Kreischen: Die Beiträge auf der Bühne waren zum Teil so ungeheuerlich, für sensible Seelchen so un-mög-lich, dass in der Tat nur noch Lachen half. Wie sagte Besucherin Maren Gosch, die mit ihrer Familie zum ersten Mal dabei war? „Die zwei sind so abgebrüht, das hat uns voll erwischt. Nichts ist denen peinlich, sie hauen einen nach dem anderen raus, und wir lachen uns nur noch weg.“

Und wie machen die beiden Unverwechselbaren das – und schon über so viele Jahre? Emmi (Christian Willner) & Herr Willnowsky (Christoph Dompke) sind ein Komiker-Duo, das im deutschsprachigen Raum durch Fernseh- und Bühnenauftritte schon lange bekannt ist. Nichts Menschliches ist ihnen fremd, und Ehestreit ist ihr allerliebstes Thema. Sie schauen hinter die Kulissen von Wohlanständigkeit und gutbürgerlichem Ehe-Getue, angesiedelt in der angeblich heilen Welt. Sie sprechen aus, was viele vielleicht heimlich denken. Sie ziehen die Decke weg von Täuschung und Selbsttäuschung und fördern dabei Gruseligkeiten zutage, die einem – so ungefiltert vor Augen und Ohren geführt – doch den Mund offen stehen lassen. Er zu ihr: „Du bist so hässlich, dass, wenn Du am Klo vorbeigehst, es von alleine spült“. Sie zu ihm: „Bei der Beschneidung haben sie bei dir das falsche Ende weggenommen.“

Bekannte Melodien von Gilbert Becaud und Udo Jürgens mit absolut neuen Texten zum bekannten Thema, der schräge Versuch, etwas Romantisches aus Schumanns Werk zu interpretieren – Willnowsky spielt prima Klavier –, ein Kindertheaterstück, in dem alle Märchen, Nazis, AfD, Trump und andere sagenhafte Dinge kurz vorkommen, Emmi als Nonne – es ging halt Schlag auf Schlag, und zum Schluss war man selber ganz erschlagen.

Willnowsky beim Abspann: „Tschüss und danke, dass Sie für diese Scheiße noch Geld ausgegeben haben!“ Restlos erschöpftes Lachen.



Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen