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Eckernförder Zeitung

30. Juli 2016 | 03:53 Uhr

Hilfseinsatz am Kilimandscharo : Einsatz für gutes Sehen und gute Bildung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ingrid und Hans-Joachim Miertsch sind von ihrem 14. Hilfseinsatz für bessere Bildung und augenärztliche Behandlungen aus Tansania zurückgekehrt. Mehrere hundert Patienten wurden behandelt und ein Kindergarten saniert.

Eckernförde | Fünf Wochen Arbeits- und Hilfseinsatz zwischen Kilimandscharo, kenianischer Grenze und Serengeti-Nationalpark liegen hinter Ingrid und Dr. Hans-Joachim Miertsch. Der Augenarzt im Ruhestand und die frühere Lehrerin haben bei ihrem mittlerweile 14. Einsatz am Fuße des Kilimandscharo vielen hundert Patienten, Schülern und Kindergartenkindern geholfen. Dabei konnten sie auf viele Spenden aus der Region zurückgreifen.

Vom Stützpunkt Kibosho aus – dort hat Dr. Miertsch eine Augenklinik aufgebaut, behandelt Patienten und bildet afrikanische Kollegen aus – unternahm der 68-jährige Mediziner zusammen mit seiner Frau einen Abstecher zur 410 Kilometer entfernten Augeneinheit des Wasso Hospitals, die er im vergangenen Jahr aufgebaut hat. Nach zwölfstündiger, beschwerlicher Anreise auf größtenteils überfluteten Straßen warteten bereits 300 Patienten auf ihre Behandlung. Drei Tage lang untersuchten Hans-Joachim Miertsch und der von ihm angeleitete Allgemeinarzt Dr. Mchana Patienten, behandelten Entzündungen und Verletzungen und operierten im Akkord. Unter anderem ein siebenjähriges Massaimädchen. Durch eine Stockverletzung war ihr linkes Unterlid total vernarbt, wodurch die Lidkante nach unten gezogen wurde. Dadurch lag die Bindehaut frei, was eine starke Infektion zur Folge hatte. Miertsch entfernte die Vernarbungen, drehte das Lid wieder nach innen und deckte die Wunde mit einem freien Transplantat aus dem Oberlid ab. „In drei Monaten müsste alles gut verheilt sein“, sagt der Augenarzt.

Die Augeneinheit in Wasso ist inzwischen gut etabliert. Von den vier Krankenhausärzten kümmert sich der Allgemeinmediziner Dr. Mchana um die Augenpatienten. Er wurde von Dr. Miertsch eingewiesen und hat im vergangenen Jahr viele Erfahrungen sammeln können. Er kann sicher mit der Spaltlampe umgehen, erkennt Augenerkrankungen und konnte bereits viele Fremdkörper entfernen und Entzündungen behandeln. Eine Krankenschwester passt Brillen an und gibt Fertigbrillen ab. Der Brillenkasten, den das Ehepaar Miertsch mitgebracht hatte, ein Gerät zur Sehschärfenbestimmung und ein OP-Mikroskop, das beim Nähen kleinerer Verletzungen unabdingbar ist, standen auf der Wunschliste und werden die Versorgung in Wasso weiter verbessern.

Mit diesem guten Gefühl ging es zurück nach Kibosho. Unterwegs gab’s noch einen Zwischenstopp im Charlotte Health Center in Sanya Yuu. Dort leistet die Enkelin von Miertsch’ Nachbarn in Eckernförde, Amelie Zühl, gerade ein freiwilliges soziales Jahr ab. 100 Patienten waren es auch dort, die die Hilfe des Fachmanns suchten. In Kibosho ging die Arbeit an der Augenklinik weiter. Mit dem dort tätigen Augenarzt hat Miertsch neue OP-Techniken geübt, um das Therapiespektrum zu erweitern. Außerdem hat Miertsch in einem Krankenhaus in Moshi ein OP-Training für vier Augenärzte aus Tansania, Mosambique und Burundi geleitet. Dort kam die neue OP-Liege, die das Augenarztzentrum in Eckernförde gespendet hat, sehr gut an.

Währenddessen hat Ingrid Miertsch ihr Kinderhilfsprojekt weiter vorangebracht. 46 Schulkinder – 29 Erstklässler und 17 Viertklässler – sind von ihr mit der obligatorischen Schuluniform ausgestattet worden: jeweils zwei Uniformen, ein Paar Lederschuhe, ein Rucksack mit Inhalt (Stifte, Hefte, Radiergummi etc.), Schuhbürste, Schuhcreme, Unterwäsche und Socken. Zusätzlich bekommen die Kinder die Schulspeisung für ein Schuljahr bezahlt – 7 Euro pro Jahr für den flüssigen Maisbrei Uji für die Erstklässler, 14 Euro für den festen Maisbrei Ugali der Viertklässler. Unterm Strich 38 Euro für Kleidung, Schulmaterial, die vor Ort hergestellt und eingekauft werden, und Schulspeisung für einen Erstklässler im ersten Jahr.

Ingrid Miertsch hat in den vergangenen elf Jahren ihrer Tätigkeit 656 Kinder mit Schuluniformen und dem nötigen Schulmaterial ausgestattet und ihnen damit den Besuch der Primary School ermöglicht. In den Genuss ihrer Hilfe kommen die Kinder der 250 Angestellten der Augenklinik in Kibosho. Das Geld kommt aus Spenden der Eckernförder Bürger, Vereine oder Schulklassen zusammen, das Ehepaar Miertsch spendet seine Vortragshonorare und 5 Euro von jedem verkauften Bildband über Kibosho und seine Menschen. Und manch ein Eckernförder verzichtet an einem runden Geburtstag auch schon mal auf Geschenke, um das Kinderhilfswerk von Ingrid Miertsch zu unterstützen. Ein weiteres Großprojekt in diesem Jahr war die Grundsanierung des Kindergartens, der vom Fußboden bis zum Dach für 7000 Euro renoviert wurde. Es wurden auch neue Bänke, Tische und Borde hergestellt. Zur Einweihung durfte Ingrid Miertsch am „Ehrentisch“ sitzen, ihre Rede hielt sie in der Landessprache Suaheli. Weitere Projekte sollen mit Spendenunterstützung aus Eckernförde in den nächsten Wochen umgesetzt werden: kleinere Reparaturen in der Schule, Sanierung der Büros in der Kita und der Neubau der Hütte von Bibi Klara, einer alten Frau, die im Urwald lebt.

Mit vielen neuen Eindrücken und sehr zufrieden mit der Entwicklung gerade der neuen Projekte kehrte das Ehepaar Miertsch zurück in seine Heimatstadt. Sie haben noch viel vor und werden den Menschen in Tansania, solange es ihre Gesundheit zulässt, helfen. „Wir sind dankbar, dass so viele Menschen unsere Projekte unterstützen“, sagt Ingrid Miertsch. Ihre noch vorrätigen 90 Fotobände sind übrigens ab sofort in der „Klamotte“, Ottestraße 13, erhältlich. Von den 15 Euro gehen 5 Euro an das Kinderhilfsprojekt.

>Wer helfen möchte, kann spenden, hier das Spendenkonto: Aktionskreis Ostafrika Nr. 5763099, Sparkasse Traunstein, BLZ 71052050, IBAN DE41 7105 2050 0005 7630 99

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erstellt am 25.Feb.2016 | 06:42 Uhr

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