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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 19:40 Uhr

Serie Seitenwechsel : Einmal Afrika und zurück

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Für viele ein Traumberuf, aber auch ein Knochenjob: Kreisredakteurin Doris Smit durfte Tierpflegern im Tierpark Gettorf über die Schulter schauen.

In unserer neuen Serie „Seitenwechsel“ tauscht die Redaktion die Tastatur gegen Schubkarre, Kochlöffel oder Motorsäge: Einen halben Tag lang arbeiten die Redakteure in einem anderen Beruf – und beschreiben, was sie dabei erleben. Heute: Kreisredakteurin Doris Smit versucht sich im Tierpark. Kurz vor 7 Uhr am Morgen, der Parkplatz vor dem Tierpark ist noch recht leer. Das ist normalerweise ja nicht die Zeit, zu der ich mich zu einem Termin aufmache, aber es ist ja auch kein normaler Termin. Heute bin ich dran, und tausche das Großraumbüro in Eckernförde gegen einen Arbeitsplatz an der frischen Luft: Ich schlüpfe in die Rolle einer Tierpflegerhelferin im Gettorfer Tierpark.

Ich bin müde, aber auch im Besprechungsraum hinter dem Pferdestall sehen alle noch etwas verschlafen aus. Ulli Traxel, der Chef der 15 Tierpfleger, teilt mich Stefan zu. „Wir gehen nach Afrika“, sagt Stefan zu mir. Afrika – na ok, warum nicht? Tierpfleger Stefan Schreiber ist zuständig für verschiedene Außengehege. Auf dem Weg zu den Zebras, Elenantilopen und Zebus werde ich von der Schimpansen-Dame Nicki schon mal skeptisch beäugt. Findet sie gar nicht gut, dass Stefan mit einer fremden Frau auftaucht. Sie schimpft. „Wenn diese Tür hier einmal aufstehen sollte, gehe nicht mal in die Nähe“, warnt Stefan mich. Ich gucke verdutzt – dahinter verbirgt sich doch nur der Käfig mit den netten Schimpansen. „Ja, aber das sind die gefährlichsten Tiere, die wir hier in Gettorf haben“, erklärt er mir. Das werde oft unterschätzt, aber die Schimpansen werden unter den gleichen Sicherheitsbedingungen gehalten, wie Tiger oder Löwe. „Chico ist ungefähr fünf mal so stark wie ein erwachsener Mann. Wenn er dich durch das Gitter ziehen will, dann zieht er dich da durch“. Ich bin beeindruckt und mache direkt mal einen Bogen um die Eisentür, hinter der Chico, Nicki und Bibi wohnen.

Langsam kommt die Sonne hinter den Bäumen hervor. Ich bin mit Schubkarre, Schaufel und Harke ausgestattet. Ein Großteil der Arbeit eines Tierpflegers besteht daraus, die Gehege sauber zu halten. Begleitet vom Gesang der Gibbons darf ich „Afrika“ von Exkrementen befreien und kann die Ausscheidungen von Zebra, Zebu und Elenantilope schnell auseinander halten. Stefan lobt mich. Ich freue mich. Dann muss der geflasterte Teil der Anlage mit einem Reisigbesen gefegt werden. Kein Problem für die geübte Hausfrau, denkt ich so – bis ich die ersten Meter mit dem ungewohnten Arbeitsgerät bewältigt habe. Der Schweiß steht mir auf der Stirn. Stefan hört mich leise fluchen und lacht. „Wenn du morgen Muskelkater hast, hast du alles richtig gemacht“, erklärt er Ich kann mit gutem Gewissen sagen: Ich hab es wohl richtig gemacht.

Rechtzeitig bevor der Tierpark um 9 Uhr öffnet, ist das Gehege sauber, ebenso wie das der Zwergziegen und Kamerunschafe, – der sogenannte Streichelzoo. Svenja Paelt, Auszubildene im ersten Lehrjahr, zeigt mir, wie die Ställe geöffnet werden: Die Tiere dürfen raus. Neben Svenja gibt es noch drei weitere Tierpfleger-Azubis im Tierpark. Svenja kommt aus Hamburg und war nach dem Abitur anderthalb Jahre in den USA. „Ich wollte schon immer Tierpflegerin werden“, berichtet sie. Und sie sei froh, dass sie die Ausbildung nicht in einem großen Zoo, sondern hier im Tierpark Gettorf macht. Sie schwärmt von ihrem großen Aufgabenbereich und dem familiären Miteinander.

Das tut auch Juliane König. Sie ist ausgebildete Tierpflegerin, seit zwei Jahren in Gettorf und im ganzen Tierpark im Einsatz. Nach der Frühstückspause nimmt sie mich mit in die Tropenhalle: Das Gehege der Totenkopfäffchen ist zu reinigen. Hier wird einem schon heiß, bevor man sich körperlich betätigt. Das Klima ist mollig warm, feucht und ein – ich nenn es mal – ungewohnter Geruch steigt in die Nase. Ebenso wie bei den Ziegen, gibt es auch hier reichlich Nachwuchs. Die munteren Tierchen sind neugierig. Ich schrubbe am Stamm herum, da kommt Matthias, der Stubenälteste unter den Äffchen, und sucht in meinen Ärmel nach Essbarem. Das ermutigt die Teenager im Gehege. Sie zuppeln mir im Haar herum und einer probiert aus, wie ich wohl reagiere, wenn er mir in den Finger zwackt. Das ist ein komisches Gefühl, putzen zu müssen, wenn von allen Seiten geguckt, gekreischt und gezogen wird. Ich bin ein bisschen erleichtert, als das Telefon klingelt: Ich soll zu meinem nächsten Einsatzort kommen – dem Katta-Training mit der Tierpark-Biologin Dr. Gabriele Ismer.

Zwei Grundgedanken gibt es bei dieser spielerischen, und für die Tiere freiwilligen, Lerneinheit für die hübschen Lemuren: Sie sollen desensibilisiert werden und auf Kommando etwas vorführen können. Die Besucher können im Tierpark Gettorf hautnah bei der Fütterung dabei sein und auch, wenn sie alle die Anweisung bekommen, die Tiere nicht anzufassen – durch dieses Training sollen die Kattas lernen, bei Berührung ganz cool zu bleiben. Frau Ismer zeigt mir, was ich tun muss, damit Alintanoa mir vom Boden an die Hand springt. Ich gebe ihr ein Zeichen – und prompt baumelt die junge Katta-Dame an meinem Arm. Und lässt gar nicht wieder los.

Auch ich kann mich gar nicht von den Halbaffen aus Madagaskar lösen und folge Sophie Kruse, die jetzt Tierparkbesucher einlädt, bei der Fütterung dabei zu sein. Die 22-jährige Zoobiologin weist die Gäste ausführlich und geduldig ein, bevor sie Weintrauben und Pfirsichstückchen verteilt. Die Tiere springen von Ast zu Ast und Schulter zu Schulter. Wolfgang Dunkel aus Fleckeby ist mit seiner Nichte und deren Familie dabei. Alle sind begeistert von dem offenen Wesen der zutraulichen Kattas und ihrer vorsichtigen Art. Sie alle folgen Sophie gleich zur nächsten Live-Fütterung – bei den Tapiren.

Die Zeit rennt. Mein Vormittag im Tierpark neigt sich dem Ende zu. Auf dem Weg zum Pausenraum treffe ich Florian Demuth. Er ist seit fast 14 Jahren im Tierpark und ist zuständig für den Rundgang. „Ich habe hier echt meinen Traumberuf gefunden“, sagt er.

Ich habe Feierabend. Es hat mir so gut gefallen, dass ein bisschen traurig bin, dass ich nun wieder ins Büro fahre. Stefan sagt: „Du kannst morgen wieder kommen“ und lacht. Ich hab kurz und ernsthaft überlegt...

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erstellt am 30.Apr.2016 | 06:00 Uhr

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