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Eckernförder Zeitung

21. September 2014 | 14:06 Uhr

Einladung in die Vergangenheit

vom

Dachdeckermeister Jens-Uwe Delfs lädt Nachkommen an der letzten Sanierung Beteiligter auf den Gettorfer Kirchturm ein

Gettorf | Die Neueindeckung des Kirchturms von St. Jürgen hat Dachdeckermeister Jens-Uwe Delfs veranlasst, Nachforschungen anzustellen. Anfang August fand er bei den Arbeiten mit Bleiplatten versehene Schindeln, in die neben den Namen seines Urgroßvaters und seines Opas weitere eingeritzt waren. Die Nachfahren zweier dort Genannter lud er gestern zu einem Ausflug über die Dächer der Gemeinde ein.

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"Das ist alles sehr aufregend", sagte Gerda Schlupp aus Stubbendorf. Ihr Vater, Walter Grablowski, war bei der Sanierung 1935 daran beteiligt, den Kirchturm einzudecken. Drei Jahre später wurde sie geboren und kann sich noch an seine Erzählungen aus späteren Jahren erinnern, wie sich die Handwerker mit Bootsmannsstühlen Meter für Meter am Turm hocharbeiteten. "Wir haben gewusst, dass er dabei war, aber wir hatten nie einen Nachweis", fügt Schlupps Sohn Karsten Meyer-Rohde hinzu. Den haben sie jetzt nicht nur mit der Bleiplatte gefunden: Beim Stöbern in Fotoalben ihrer Mutter fanden Gerda Schlupp und ihr Sohn ein Bild, das Walter Grablowski an der Kirchturmspitze zeigt. Zur Erinnerung überreichte Jens-Uwe Delfs der Familie einen aus Teilen der neuen Schalung gefertigten Rahmen, der eine Schindel von 1935 und eine von 2012 trägt. Dazu gab es eine CD mit Fotos, die während der Arbeiten entstanden sind.

Gleiches hatte er auch für Erika Kuntz aus Gettorf erstellt. Sie ist die Enkelin von Johannes Heinrich Frahm - einst größter Pferdehändler Schleswig-Holsteins. Er habe zwar nicht mit Hand angelegt bei der letzten Dachsanierung, "wir vermuten aber, dass er Spenden zur Finanzierung geleistet hat", erklärte Delfs. "Ich habe meinen Großvater nie kennen gelernt, weiß aber, dass er großzügig war und half wo er konnte", berichtete Erika Kuntz. Hans-Christian Sacht, Gründer des Heimatmuseums, kann das nur bestätigen.

Als Mitglied des Kirchbauvereins, der die laufende Sanierung mit 60 000 Euro unterstützt, ist Sacht jeden zweiten Tag auf dem Turm. Nicht nur zur Kontrolle, als gelernter Zimmermann habe er Spaß und Freude daran, auch zu sehen, was man im gesamten Ortszentrum hört: "Wenns zwei Mal geklackt hat, ist wieder eine Schindel fest", erklärt er. Mit der Arbeit von Jan-Peter Delfs, Markus Kubsch und Sönke Sellmer ist er sehr zufrieden. "Es scheint, als hätten sie nie etwas anderes gemacht", lobt Sacht. Sie gehen mit großer Sorgfalt zu Werke. "Es ist ein besonderer Auftrag", meint Jan-Peter Delfs, der den Einsatz in 48 Metern über der Kircheninsel genießt. Vom schlechten Wetter hätten sie auf dem Gerüst nichts mitbekommen. "Bei acht Seiten kann man immer gut ausweichen", so der Dachdecker.

50 400 Schindeln werden auf den 630 Quadratmetern Turmdach verarbeitet sein, die Delfs von einer Firma aus Bad Reichenhall bezieht, die sie aus kleinen Privatbetrieben in Tschechien, der Ukraine, Bulgarien und Rumänien aufkauft. Gefertigt werden sie aus in den Karpaten gewachsene Eichen. Die 1935 verwendeten Schindeln stammten aus österreichischen Eichen und wurden in Gettorf von Handwerkern zugesägt, die eine Bandsäge hatten, erzählt Hans-Christian Sacht. Sie hätten sicher auch noch länger gehalten, wären die Nägel nicht durchgerostet, sagt Sacht weiter.

Das wird dem neuen Dach nicht passieren: die mehr als 100 000 verwendeten Nägel sind aus Edelstahl. Delfs geht davon aus, dass die Arbeit seiner Firma die nächsten 100 Jahre halten wird. Wer dann mit der Neueindeckung beauftragt wird, wird an der Stelle, an der er die eingeritzten Bleiplatten fand, eine Schatulle finden, in der laminierte Blätter mit am Bau beteiligten Firmen und ein Schriftstück des Kirchbauvereins liegen. Auch eine CD mit Fotos will Delfs dazu packen - "auch wenn man nicht sicher sein kann, dass dann noch jemand was damit anfangen kann".

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erstellt am 20.Okt.2012 | 07:41 Uhr

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