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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 09:54 Uhr

Theater : Eine ungewöhnliche Freundschaft

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Das Tournée-Theater Thespiskarren hat in einer ausgelassenen Aufführung „Ziemlich beste Freunde“ gezeigt.

Eckernförde | Wohl selten hat die Stadthalle bei einem Theaterstück so viel Anteilnahme und gleichzeitig vergnügtes Lachen erlebt wie am Dienstag, als auf Einladung der Theatergemeinschaft „Ziemlich beste Freunde“ gezeigt wurde. Der Inhalt des gleichnamigen Buches ist spätestens seit seiner Verfilmung mehr als bekannt, denn dieser Streifen wurde landauf, landab zu einem erfolgreichen Kassenschlager. Vielleicht war das auch der Grund, warum viele Gäste zunächst mit noch ziemlich bedenklicher Miene ihre Plätze einnahmen: Was sollte nach dem Film nun als Theaterstück noch kommen? Aber zum Ende der Aufführung war man sich einig: Die Theateraufführung vom Tournée-Theater Thespiskarren war mindestens so gut wie der berühmte Film – wenn nicht sogar besser.

Woran mag das gelegen haben? Die Menschen auf der Bühne waren lebendig, zum Greifen nah, agierten überzeugend, spielten sich halb die Seele aus dem Leib. Jeder für sich war absolut glaubhaft, jedem nahm man seine Rolle ab, die Figuren waren authentisch.


Nach und bei einem gemeinsam gerauchten Tütchen entsteht die große innere Verbindung


Die Geschichte ist schnell erzählt: Der reiche Philippe (Timothy Peach) ist beim Paragliding verunglückt, nun querschnittsgelähmt, sitzt unbeweglich in seinem luxeriösen Pariser Haus – im Rollstuhl. Er ist ausnahmslos auf Hilfe angewiesen. Naheliegend, dass er ziemlich schwermütig ist, keine Freude mehr am Leben hat. Seine Hausdame Magalie (Sarah Spennemann) schreibt nach Diktat seine intellektuell abgehobenen Briefe an eine unbekannte Brieffreundin. Er hört klassische Musik, ist hochgebildet und still vergeistigt.

Was fehlt in seinem trostlosen Leben? Auch ein Pfleger – und keiner gefällt. Dann kommt Dryss (Felix Frenken) hereingestürmt, laut und unflätig, benimmt sich wie die Axt im Walde, will diese Anstellung gar nicht haben, sondern nur die Unterschrift fürs Arbeitsamt, dass er sich um eine Stelle immerhin „bemüht“ habe. Obwohl der dunkelhäutige Dryss ein „underdog“ ist, gerade aus dem Gefängnis kommt, aus denkbar schlechten Verhältnissen stammt, sofort auf die elegante Magalie abfährt, ist es grade diese pralle Lebendigkeit, die Philippe an ihm fasziniert. Fazit: Er stellt ihn für einen Monat auf Probe ein.

Was dann folgte, war der reine Genuss. Zeuge zu werden, wie zwei völlig unterschiedliche Lebensbereiche, Sprachgewohnheiten, Umgangsformen, Lebensweisen, „Bildungsschichten“ aufeinanderprallen, das drückte schon jeden Zuschauer prustend und lachend in den Sessel.

Nach und bei einem gemeinsam gerauchten Tütchen entsteht die große innere Verbindung, Austausch findet statt. Philippe lässt seinen Rollstuhl frisieren, Dryss rast mit ihm in seinem Maserati, gemeinsames Paragliding, eine begabte Hure, die spezielle Wünsche erfüllen kann. Es geht so weit, dass Phillippe die rüden Sprachgewohnheiten seines Freundes übernimmt, die Freude wieder findet und schließlich sogar Eleonore, die schöne unbekannte Brieffreundin empfängt. Was für eine ausgelassene, witzige, freche Geschichte. Und eine glückliche dazu.


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