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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 21:13 Uhr

Lange Nacht der Galerien : Eine Nacht für die Kunst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Galerien und Ausstellungen waren vergangenen Sonnabend bis in die Nacht geöffnet. Das Besucherinteresse war allerdings sehr gering.

Eckernförde | Viele Besucher haben die Werke der Sommerausstellung des Kunst- und Kulturverein Eckernförde (K&K) im Foyer der Stadthalle schon gesehen. Das Thema in diesem Jahr bereitete den Künstlern viel Freude, ließ es doch einen großen Spielraum zur Entfaltung der Kreativität frei: die Werke namhafter Künstler aller Genres sollten als Vorbild für eine eigene Interpretation verwendet werden. Dabei wurden sowohl die Wahl des Vorbildes als auch die Möglichkeiten der Adaption den Künstlern selbst überlassen. Begeistert griffen die Mitglieder des K&K den Vorschlag auf und setzten ihre schöpferischen Ideen für die Ausstellung um. Nun wurden sogar für eine Nacht in den Galerien der Stadt die Türen geöffnet, um der breiten Öffentlichkeit die Arbeit der Eckernförder Kunstschaffenden vorzustellen. Die erhoofte „breite Öffentlichkeit“ blieb allerdings weitgehend aus.

Den Auftakt bildete das Foyer der Stadthalle mit der Sommerausstellung, musikalisch umrahmt von Balladen und Liedern des Eutiner Hobbymusikers Detlev Uhle. Als Mitglied von Amnesty International gab er sein Konzert wieder kostenlos, die dafür gesammelten Spenden kommen ausschließlich Amnesty-Projekten zugute. Uhle, der sich auf Gitarre und einer selbst hergestellten Kantele (finnisches Zupfinstrument) begleitet, war bereits zum zweiten Mal auf Einladung des K&K in der Stadt. Sonst trifft man ihn mit seinem Liedgut auf Hofkonzerten oder Mittelaltermärkten in Norddeutschland.

In der Konzertpause bestand die Möglichkeit für das Publikum, mit den anwesenden Künstlern ins Gespräch zu kommen. Der Eckernförder Künstler Martin Klimach-Dreger, der vielen auch als SPD-Fraktionsvorsitzender bekannt sein dürfte, präsentiert in der Ausstellung seine Adaption der „Toteninsel“ von Arnold Böcklin. „Böcklin begleitet mich bereits mein halbes Leben“ sagte Klimach-Dreger und ergänzte: „Ursprünglich hatte ich vor, Kunstgeschichte zu studieren.“ Für seine bemerkenswerte Interpretation des Originals nutzte er Symbole aus der Computerwelt, den Eingang ins Jenseits formulierte er künstlerisch mit Acrylfarbe durch das aktuelle Zeichen des Betriebssystems Windows, auch die Farbgebung orientiert sich an den Vorgaben der amerikanischen Computerfirma Microsoft.

Faszinierend und ideenreich zugleich sind die Fotoarbeiten von Christine Röthlin und Ingrid Schmuck, die ein aktuelles Thema für ihre Art der „Kopie“ wählten: Das Original von Rembrandts „Die Anatomie des Dr. Tulp“ ist im Museum in Den Haag zu bewundern, doch die Adaption der beiden Foto-Künstlerinnen im Foyer der Eckernförder Stadthalle ist nicht minder interessant. Beeindruckt vom „Brexit“, dem von Großbritanniens Bürgern frei gewählten Austritt aus der Europäischen Union, wandelten sie das Original von Rembrandt ab. Sie ersetzten durch Fotomontage die Gesichter im Gemälde durch die der Politiker Merkel, Hollande, Juncker und Cameron und wandelten das Leichentuch im Original in ihrer Fotomontage in eine ausgeblichene Europa-Flagge um.

Diese Art der Neu-Interpretation gab viel Gesprächs- und Diskussionsstoff unter den Besuchern. So stellte Angelika Schreurs aus Eckernförde fest: „Meiner Meinung nach ist das die beste Ausstellung des Kunstvereins seit Jahren, gerade mit der gezeigten Fotokunst wird eine Menge Ironie umgesetzt. Bedauerlicherweise ist die Resonanz so gering.“ Mögliche Gründe: das zeitgleich stattfindende Pur-Konzert am Südstrand und das Weinfest im Kurpark.




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erstellt am 16.Aug.2016 | 06:25 Uhr

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