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Eckernförder Zeitung

05. Dezember 2016 | 19:45 Uhr

Merci Udo! : Eine Hommage mit Niveau

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Michael von Zalejski hat die großen Hits von Udo Jürgens in der Stadthalle gespielt, aber auch die unbekannten Stücke.

Eckernförde | Wer kennt ihn nicht? Udo Jürgens (1934 – 2014), Komponist, Pianist und Sänger hauptsächlich deutschsprachiger Lieder, ist wohl zum deutschen Allgemeingut geworden. Ein paar Takte seiner so bekannten Lieder, – und schon singt man mit. Die Worte seiner gar nicht schlager-flachen Texte klingen in uns nach. Udo Jürgens ist aus den vergangenen Jahrzehnten gelebter Zeit nicht wegzudenken. Es gehört sicher Mut dazu, in seine Fußstapfen zu treten, in seinem Namen seine Lieder zu singen und seine unverkennbaren Melodien zu spielen. Mit „Merci Udo!“, einer Hommage an Udo Jürgens, wagte Michael von Zalejski diesen Balanceakt – am vergangenen Freitagabend in der Stadthalle.

Schon seit 2013 präsentiert Michael von Zalejski – ohne Playback oder Orchester – die Lieder von Udo Jürgens am Klavier. Wie der Musiker Zalejski im Gespräch bemerkte, sei „Udo“ gar nicht sein primäres Ziel gewesen. Vor vier Jahren, als er eine Kreuzfahrt musikalisch begleitete, sei ihm die Idee gekommen, und er habe diesen Gedanken erfolgreich umgesetzt. Und nun kann er bereits einen ganzen Abend mit Udo Jürgens’ Musik und Gedanken füllen. Er kommt dabei seinem musikalischen Vorbild erstaunlich nahe, allerdings in einer Weise, die aufhorchen lässt: Er holt nicht nur die bekannten Lieder hervor, sondern überrascht auch mit einem eher unbekannten, wenn nicht gar vergessenen Liederschatz. Zalejski ordnet die einzelnen Beiträge in Gruppen wie (augenzwinkernd) „Lebenshilfe“ oder (ernsthaft) Abschiedsschmerz, Erinnerungen, Soziales, Liebe und Sehnsucht, ergänzt das musikalische Programm mit teils satirischen, auf alle Fälle lockeren, manchmal auch sehr nachdenklichen Wortbeiträgen.

Neben allem erfährt man auch noch einiges aus Udo Jürgens’ Leben, so dass er zum Beispiel die Melodien zwar stets selber komponiert habe, aber – des Dichtens nicht mächtig – seine inhaltlichen Gedanken einem anderen und Begabteren überließ. Und der hat es gut in Worte gefasst, was Udo Jürgens dachte und fühlte.

In Udos Musik finden sich wunderschöne Textstellen wie zum Beispiel „ Wohin geht die Liebe, wenn sie geht? Sie wird zu Blüten in den Bäumen…“ Die Wehmut, die bei der Erinnerung an Kinderjahre entsteht, wird deutlich bei „Schmetterlinge waren viel bunter als heute, und Sterben war nur was für ganz alte Leute.“ Sein humoriger Kampf gegen Vorurteile und Engstirnigkeit verblüfft im „ehrenwerten Haus“. Volkstümelnde Musik mochte Udo ganz und gar nicht, berichtete sein Interpret und brachte eine Jürgens-Persiflage, bei der ordentlich gebayert, gejodelt und im Publikum begeistert mitgeklatscht wurde.

Es ging aber ebenso um die Schönheit alternder Gesichter („Eines will ich niemals: mein Gesicht verlieren“), um den Mut, geradeaus zu gehen („gerade aus – gegen Mittelmaß und Schweigen“) und dann ganz leise und betont langsam der allseits so beliebte Text von „Griechischer Wein“. Das ging tief rein, da waren die Gäste im Saal sehr berührt, sangen leise mit, und manch einer mag an die aktuelle Flüchtlingssituation gedacht haben.

Und zum Schluss ging es nochmal sehr fröhlich in die Vollen: „Mit 66 Jahren“, „17 Jahr, blondes Haar“, „Aber bitte mit Sahne“, „Merci cherie“. Da wurden alte Erinnerungen wach, da sangen alle mit, da war man bald schier aus dem Häuschen. Das war eine „Hommage“ mit Niveau, wie sie uns’ Udo bestimmt gefallen hätte.

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