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Eckernförder Zeitung

09. Dezember 2016 | 22:28 Uhr

U-Boot-Museum : Eine enge Kiste

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein mögliches Museumsboot ersetzt in Eckernförde die Kinofrage als Aufreger. Viele Fragen sind noch ungeklärt.

Eckernförde | Das Kino hat zurzeit Pause, etwas anderes erregt die Gemüter: ein U-Boot-Museum. Nachdem der Kasernenkommandant des Marinestützpunktes, Fregattenkapitän Michael Blunk, vor elf Tagen beim Besuch des Finanzausschusses am Ende seines Vortrages in nur wenigen Sätzen mitteilte, dass der Verband der U-Boot-Fahrer es gerne sähe, wenn eines der beiden letzten Unterseeboote der Klasse 206A zu einem Museum in Eckernförde würde, scheint es kein anderes Thema mehr zu geben.

Die einen wollen es, aber nicht alle am selben Standort, die anderen lehnen es kategorisch ab, wiederum andere stellen Bedingungen. Und auch die Politik ist sich uneins. Zu wenig Informationen liegen bislang vor, es gibt kein richtiges Konzept, viele Fragen sind noch offen. Dennoch: Die politische Diskussion hat noch nicht einmal begonnen, da hat das Projekt schon die ersten Blessuren. Die Eckernförder zeigen sich leidenschaftlich: Sie diskutieren mit derselben Inbrunst wie vor zwölf Jahren, als die Stadt schon einmal vor der Wahl stand, ein U-Boot als Museum zu installieren und es am Ende nicht tat.

Bei allen Pressemitteilungen und Leserbriefen – wie ist der derzeitige Stand – jetzt, bevor die politische Diskussion überhaupt begonnen hat?

Die Ratsversammlung hat sieben Fraktionen mit insgesamt 27 Sitzen. Wenn es zu einer Abstimmung kommen sollte, würde sie wohl eng ausgehen. Die CDU (8 Sitze) steht einem U-Boot-Museum grundsätzlich positiv gegenüber und würde eine Umsetzung begrüßen. Die SPD (7) lehnt ein derartiges Projekt grundsätzlich ab. Beim Bürger-Forum (4) scheint man sich noch nicht einig zu sein. Niemand reißt jubelnd die Arme hoch bei dem Gedanken an ein U-Boot-Museum. Bei den Grünen (3) dürfte es mit zwei ehemaligen Soldaten als Ratsherren kein Geheimnis sein, wohin die Reise geht, aber auch hier heißt es: „Nur, wenn das Konzept stimmt.“ Der SSW (2) steht einem U-Boot-Museum grundsätzlich offen gegenüber, hat sich aber noch nicht entschieden, Letzteres gilt auch für die FDP (1). Kategorisch lehnt die Linke (2) ein Museumsboot auf städtischem Gelände ab.

Zu einer Zustimmung oder Ablehnung gehört aber mehr als nur eine grundlegende Tendenz. Zum Beispiel der Standort. Im Gespräch ist die von Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens favorisierte Nordseite des Innenhafens inklusive neuem Steg. Hier könnte das U-Boot im Wasser liegen. Das soll es auch laut Interessengemeinschaft „U-Boot nach Eckernförde“, jedoch an der Anlage der Yachtschule von Ernst Schliemann auf Borbyer Seite. Ebenfalls ins Gespräch gebracht wurde die „Panzerplatte“ neben der WTD am Südstrand, ein Gewerbegebiet oder das Marinegelände selbst, das jedoch sicher nicht für den Publikumsverkehr so ohne Weiteres freigegeben werden kann.

Ein weiterer Streitpunkt: das museale Konzept. Einfach nur hinstellen und die Besucher durchgehen zu lassen, wäre vielen zu wenig. Ihr pädagogischer Anspruch verlangt nach weiteren Exponaten und Aufklärung über U-Boote als Kriegswaffe oder Beitrag zur Friedenssicherung. Nicht zuletzt sind die Kosten entscheidend: Trägt sich ein U-Boot-Museum oder nicht?

Fragen über Fragen, das U-Boot könnte zu einer neuen Zerreißprobe für die Ratsversammlung werden. Allerdings eine schnellere als die Kino-Frage, denn sicher wird die Marine nicht noch fünf Jahre warten, bis eine Entscheidung fällt. Mit der Stadt Dillingen in Bayern gibt es nämlich noch einen anderen Bewerber.

> Leserbriefe zu diesem Thema auf S. 10

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erstellt am 22.Okt.2016 | 06:06 Uhr

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