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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Lauf ins Leben : Ein Zeichen von Stärke und Solidarität

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

1072 Teilnehmer waren beim Lauf ins Leben – über 28 000 Euro an Spenden sind für die Krebshilfe zusammengekommen.

Eckernförde | Für den guten Zweck läuft man auch nachts und bei Regen. So sahen es zumindest 1072 Menschen, die am Wochenende beim zwölften Lauf ins Leben ein Zeichen für Krebserkrankte setzten. Lauf ins Leben – das ist der Spendenlauf der Schleswig-Holsteinischen Krebsgesellschaft, bei dem von jedem Läuferteam über eine Dauer von 22 Stunden mindestens ein Läufer auf der Bahn sein muss – egal, ob er läuft oder geht.

Der emotionale Höhepunkt war auch in diesem Jahr wieder die Kerzenzeremonie am Abend: Alle Läufer unterbrachen ihre Runde und versammelten sich an der Bühne, auf der Diakon Christoph Schröder-Walkenhorst aus Suchsdorf die Teilnehmer einstimmte. Das zuvor ausgelassene und fröhliche Fest wurde von einem Mantel des Schweigens bedeckt. Alle gedachten ihrer Angehörigen, die durch die Krankheit verstorben waren oder den Kampf noch führten.

Den ganzen Tag über haben Teilnehmer und Gäste Sturmlichter aus Papiertüten gebastelt, die sich enorm voneinander unterschieden. Während einige mit persönlichen Botschaften beschrieben waren, zeigten andere Bilder: Von Vögeln, die in die Abendsonne fliegen, bis zu einem Schiff, das endgültig vor Anker geht, war alles zu sehen. Diese Lichter wurden dann auf der Innenseite der Laufbahn aufgestellt und während der Zeremonie von Helfern mit brennenden Kerzen versehen. Jedes Licht erzählte eine Geschichte, die mit der Gemeinschaft geteilt wurde. Und so begaben sich alle Anwesenden auf eine gemeinsame Runde um den Sportplatz. Auch das Wetter zeigte sich solidarisch: Eine Stunde vor dem Beginn der Zeremonie riss der wolkenbedeckte Himmel auf und trocknete die Laufbahn. „Bei zu starkem Regen hätte die Zeremonie wohl ausfallen müssen“, sagte Veranstalterin Wienke Voss. Doch diese halbe Stunde des Innehaltens sollte die einzige sein, bei der es auf dem Sportplatz ruhig zuging.



„Soll ich jetzt weinen oder was?“




Man spürte den Gemeinschaftsgeist, der sich in den letzten Jahren unter den Teilnehmern entwickelt hat. Die 43 Teams waren kaum auseinanderzuhalten, denn vor jedem Zelt saßen Mitglieder von verschiedenen Mannschaften. „Ich bin hier um meine Freunde zu treffen und den Betroffenen Hoffnung zu geben“, erklärte Monika Kersch aus Kiel, die den Brustkrebs besiegt hat. Besonders freute sie sich über die Anwesenheit ihrer guten Freundin Sabine Meyer-Kruschke, die erst am Freitag erneut die Diagnose Hirntumor hatte hinnehmen müssen. Trotzdem war dies für sei kein Grund zu Hause zu bleiben. „Ich wurde schon dreimal totgesagt. Das heißt nichts“, gab die Kielerin sich kämpferisch. Aufgeben ist für sie genauso wenig eine Option wie das Fernbleiben von ihrem Lauf ins Leben. „So, und jetzt gehe ich laufen“ sagte sie noch lachend und lief zur Bahn. Genauso sah das Marlena Schäfer vom DRK-Osdorf. Auch sie ist betroffen, wollte aber nicht über die genaue Art der Krankheit reden. Trotz der Diagnose tanzte sie über die Laufbahn. „Soll ich jetzt weinen oder was? Das Leben ist schön. Es lohnt sich immer zu kämpfen“ rief sie lachend.



Von Rittern und Piraten




Die Schleswig-Holsteinische Krebsgesellschaft freute sich über die große Teilnehmerzahl und hatte ein buntes Programm ausgearbeitet. Von Live-Musik bis zu Vorträgen über die richtige Ernährung war alles geboten. Besonders für die ganz Kleinen hatten sich die Veranstalter vieles ausgedacht. So waren die mittelalterlichen Darsteller vom „Miranargh e.V.“ in originalgetreuen Kostümen vor Ort und schlugen ihr Lager auf. Unterstützt wurden sie dabei von den Piraten des „Kornersfjord e.V.“. Gemeinsam zeigten sie den Besuchern, wie das Leben zu der jeweiligen Zeit ausgesehen hat. Dabei erregte besonders die Kampfarena die besondere Aufmerksamkeit der Nachwuchspiraten. Mit Schaumstoffwaffen konnte sich hier jeder mit Rittern in voller Rüstung messen. Besonders im leichten Regen ein ungeheurer Spaß für die Kinder. Zwar stand auch hier der Lauf im Mittelpunkt, er war aber nicht alles. Die beiden Vereine nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. So sah man auch mal Ritter in voller Rüstung eine Runde laufen. Am Abend begleiteten sie den Umzug mit Fackeln.



Spenden in Höhe von 28  800 Euro




Für besonders gute Laune sorgten die „Borby Dixies“ unter der Leitung von Klaus-Dieter „Klicky“ Nielsen. Sie feuerten alle Läufer mit ihrer stimmungsvollen Jazz-Musik an. Auch auf der Bühne war immer Betrieb. Hier aber eher für die, die eine Pause machten, oder sich anderweitig betätigen wollten. Großen Zulauf erhielten die Zumbatänzer von Daniela Glandien und die Country- und Line-Dance-Gruppe von Uwe Göllner. Mit musikalischer Untermalung zeigten die Gruppen ihr tänzerisches Können und forderten die Zuschauer auf mitzumachen, was auch gern angenommen wurde. Die Tänzergruppen wuchsen so auf das Doppelte an. Nur bei der Vorführung der „BaltECK Bars“ konnten die Besucher nicht mitmachen: Die Gruppe zeigte verschiedene Möglichkeiten der Liegestütze mit akrobatischen Einlagen.

Für die Läufer, die sich überanstrengt hatten, waren die Physiotherapeuten der Helios-Klinik der perfekte Ansprechpartner. Nach fachmännischen Massagen wurden die Läufer wieder auf die Bahn geschickt. Den Erlös spendeten Volker Ahlers und sein Team der Krebshilfe. Auch andere Teams hatten gesammelt und ihren Erlös der Krebsgesellschaft gespendet. Den größten Anteil hatten die „Strandläufer“ von Föhr. Sie übergaben eine Spende von 3000 Euro und versprachen im nächsten Jahr wiederzukommen. Insgesamt wurden 28  800 Euro gesammelt. „Das ist unglaublich, wir können uns nur bedanken“, sagte eine sichtlich bewegte Wienke Voss. Von dem Geld soll das Beratungs- und Unterstützungsangebot für Krebskranke in Eckernförde ausgebaut werden. Vor allem die psychoonkologische Beratung und die soziale Komponente nehmen dabei viel Raum ein. „Ohne den Lauf wäre das Angebot so nicht zu stemmen“ sagte Voss.

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