zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 15:48 Uhr

WARNSTREIK : Ein Warnschuss für die Arbeitgeber

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Rund 100 Beschäftigte im öffentlichen Dienst beteiligten sich am Mittwoch am Warnstreik der Gewerkschaft Verdi. Die Kundgebung auf dem Gänsemarkt endete mit der Forderung nach einem tragbaren Kompromiss.

Eckernförde | Ein Konzert von 100 Pfeifen schrillt noch in den Ohren, als Karl-Heinz Pliete auf dem Gänsemarkt von Reallohnentwicklung und Altersvorsorge spricht. Eines haben die Teilnehmer am Warnstreik der Gewerkschaft Verdi gestern geschafft: Sie waren laut. Ob sie sich auch Gehör verschafft haben, wird die nächste Tarifrunde im öffentlichen Dienst am 28. und 29. April in Potsdam zeigen.

Die zweite Runde ist gelaufen und hat nicht das gebracht, was sich die 2,14 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Deutschland erhofft haben. Die Gewerkschaft Verdi fordert nämlich 6 Prozent mehr Geld – unter anderem. Die Arbeitgeberseite schlug dagegen eine Erhöhung von einem Prozent ab Juni 2016 und weiteren zwei Prozent ab Juni 2017 vor. Damit einhergehend soll der Arbeitnehmerbeitrag zur Zusatzversorgungskasse VBL in drei Schritten um 0,4 Prozent im Jahr 2018 angehoben werden. Verdi setzt das mit einer Reallohnsenkung gleich. „Das Angebot landet, wenn man es genau betrachtet bei 0,66 Prozent Erhöhung im Jahr 2016 und nur 1,2 Prozent im Jahr 2017“, schreibt Verdi in einer Pressemitteilung. „Da die Position zwischen Arbeitgebern und den berechtigten Forderungen der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes von Bund und Kommunen weit auseinanderliegen, ist jetzt ein deutliches Signal aus den tarifgebundenen Betrieben und Verwaltungen nötig.“ Gemeint ist damit der Warnstreik. Eckernförde war gestern das Zentrum dieses ersten „Warnschusses“. Heute werden die Streiks im ganzen Land fortgesetzt.

Rund 100 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes gingen in Eckernförde auf die Straße. Darunter waren Angehörige der Stadtwerke, der Imland-Klinik, der Bundeswehreinrichtungen und zweier städtischen Kindertagesstätten. „1,8 Prozent Gehaltssteigerung, verteilt auf zwei Raten, wovon noch Arbeitnehmerbeiträge bei der Zusatzversorgungskasse abgezogen werden müssen – da bleibt zu wenig übrig. Das ist nicht hinzunehmen“, rief Verdi-Sekretär Karl-Heinz Pliete den Streikenden durchs Megafon zu, nachdem sie am Vormittag vom Hafen aus durch die Kieler Straße zum Gänsemarkt marschiert waren. Hinzu kämen abgelehnte Urlaubsforderungen für die Auszubildenden und die Absicht, alle Unter-30-Jährigen künftig zunächst nur noch befristet einstellen zu wollen. „Das muss aufhören“, so Pliete, der auf die Kostensteigerung bei den Lebenshaltungskosten und die drohende Altersarmut hinwies.

Erstmals waren auch zahlreiche Beschäftigte der Imland-Klinik dabei. Sie sorgen sich um einen eventuellen Verkauf der Senioreneinrichtung, was laut Antje Moor von Verdi wegen der wegfallenden Aufträge auch personelle Auswirkungen auf das Küchen- und Reinigungspersonal der Klinik haben könne.

„Wir haben lange genug in die Röhre geguckt“, sagte Wolfgang Schütt, der bei der Imland-Klinik angestellt ist. „Wir haben in den vergangenen Verhandlungsrunden sehr niedrige Abschlüsse hingenommen, was einem reellen Kaufkraftverlust gleichkommt. Ich bin nicht damit einverstanden, dass die Arbeitgeber ein derart niedriges Angebot vorlegen. Wir wissen, dass die Rücklage höher ist.“ Im Wesentlichen um die Rentenversicherung und die Rechte der Auszubildenden geht es Ingrid Jürgensen, Iris Töpfer und Daniela Fischbach von den Stadtwerken: „Wir erwarten einen Kompromiss, der von allen tragbar ist.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen