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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 10:35 Uhr

Erweiterung am Alten- und Pflegeheim : Ein Umbau, der nicht allen gefällt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Haus Dänischer Wohld soll erweitert werden. Architekt stellt Pläne vor. Nicht alle Anwohner überzeugt. Osdorfer Arztpraxis wird umziehen.

Osdorf | In der Gemeinde hat Altenpflege schon Tradition – seit über zwanzig Jahren gibt es das sternförmige Haus Dänischer Wohld (HDW), in dem sich zahlreiche Pfleger mit viel Engagement um pflegebedürftige Senioren kümmern. In Zeiten des demographischen Wandels und einer zunehmend alternden Gesellschaft hat sich die Eigentümergemeinschaft, die aus 40 Einzelpersonen besteht, dazu entschlossen, mit einem modernen Anbau, Platz für neue Bewohner und eine Arztpraxis zu schaffen. Doch dass das Vorhaben nicht bei allen Bürgern auf Zustimmung trifft, wurde auch am Sonnabend beim Tag der offenen Tür deutlich.

Grit Petzold, die das Alten- und Pflegeheim leitet, hatte die Gäste dazu eingeladen, sich genauer über die geplante Erweiterung zu informieren. „Es ist uns sehr wichtig, Transparenz zu schaffen und auch auf Befürchtungen der Anwohner einzugehen“, betonte sie. Niemand solle sich übergangen fühlen, so die Heimleiterin. Am Veranstaltungstag gab es unter anderem Vorträge, die sich mit dem Thema Demenz und den Vorzügen einer Arztpraxis im Neubau beschäftigten.

Auch Architekt Martin Reichardt aus Hamburg, der seit Jahren mit seinen Mitarbeitern speziell Pflegeheime und Arztpraxen entwirft, stellte sich den Fragen der Besucher und vermittelte mit zahlreichen Animationen einen umfassenden Eindruck von dem Projekt. Geplant ist ein runder Anbau mit zwei Stockwerken, der über einen Glasgang direkt mit der Eingangshalle des Heims verbunden ist. „Das neue Gebäude ist nicht höher als das Haupthaus und passt optisch und funktional perfekt in das Gesamtbild“, so Reichardt. Auch die runde Form hat einen bestimmten Zweck. „Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie man Gebäude optimal an die Bedürfnisse von Demenzkranken anpassen kann. Die Betroffenen haben häufig einen erhöhten Bewegungsdrang. Während sie im alten Gebäude irgendwann auf eine Sackgasse treffen, gibt es im Anbau einen Rundgang mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen“, sagte er. Für besseren Komfort sollen Einzelzimmer sorgen, in denen die Bewohner mehr Privatsphäre haben. „Wir reagieren damit auf die gesteigerten Ansprüche der Interessenten“, betonte Reichardt.

Im Erdgeschoss sollen Dr. med. Petra Raspini und Dr. med. Gesa Bäumken mit ihrer Gemeinschaftspraxis einziehen. Neben einem Schulungsraum soll es dort unter anderem auch ein Labor geben. Die Praxis ist für alle über einen separaten Eingang zu erreichen, allerdings soll es auch eine direkte Tür zum Heim geben, damit Notfälle sofort optimal versorgt werden können.

In der Eingangshalle soll die Treppe gegen ein platzsparendes Modell eingetauscht werden. „Wir sehen hier Perspektiven für größere Feierlichkeiten“, so Reichardt. Die Kosten für das Bauprojekt belaufen sich auf rund 5 Millionen Euro. Im kommenden Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen.

Für Unmut unter den Gästen sorgte die geplante Platzierung des Anbaus, der sich derzeitig im planungsrechtlichen Verfahren befindet. Ursprünglich standen zwei Standorte zur Debatte, von denen der Architekt bei seiner Präsentation lediglich den berücksichtigte, der sich dichter am Wohngebiet rund um den Gildeweg befindet. Die Anwohner befürchteten unter anderem ein gesteigertes Verkehrsaufkommen und eine wachsende Lärmbelastung durch stark erkrankte Bewohner. „Es gibt genügend Parkplätze und die neue Klimaanlage wird es uns ermöglichen, nachts auch hin und wieder die Fenster geschlossen zu halten“, bemühten sich Petzold und Reichardt um Aufklärung. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass der Anbau noch immer einen Abstand von rund 40 Metern zu den Gebäuden in der Nachbarschaft aufweist. „Die Entscheidung für diesen Standort liegt nicht bei uns, sondern unterliegt der Kreisaufsicht“, betonte der Architekt.

Da bei steigenden Bewohnerzahlen auch vermehrt mit ungeplanten Ausflügen Demenzkranker in die Nachbarschaft zu rechnen sei, möchte die Heimleiterin in Zukunft Schulungen für interessierte Anwohner anbieten. „Allerdings darf niemand vergessen, dass wir alle älter werden. Alle sollten sich dem Thema stellen und gemeinsam nach würdigen Wegen suchen“, erinnerte sie die zahlreichen Gäste und erntete dafür viel Zustimmung.

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