zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 16:37 Uhr

Mit viel geduld : Ein Team: Jagdhund und Jäger

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hundeobfrau Doris Jacobi steckt viel Zeit und Geduld in die Ausbildung ihrer vierbeinigen Jagdhelfer

Wie viel die Tiere sie in Anspruch nehmen? „Eigentliche dreht sich mein ganzes Leben um die Hunde“, sagt Doris Jacobi. Die 59-jährige Jägerin aus Windeby bekleidet gleich mehrere Ehrenämter, und alle hängen sie mit den Vierbeinern zusammen: Jacobi ist Hundeobfrau im Revier Hegering 6 Hütten, dessen Leiterin sie ist, und sie bildet sowohl Jagdhunde als auch andere Jäger, deren Herrchen, aus.

Als Hundeobfrau ist Jacobi zuständig für alle Fragen rund um Hund und Hundezüchtung, vermittelt frisch geworfene Welpen und leitet die Jagdhunde-Übungsgruppen, damit die Hunde fit für die Saison sind. „Ohne Hund ist’s Schund“, stellt Jacobi fest. Als Jagdhundtrainerin wiederum betreut Jacobi zurzeit drei Gruppen, mit denen sie jeweils einmal in der Woche zusammenkommt. Ein Hund, der keine solche geprüfte Ausbildung gemacht hat, darf nicht zur Jagd eingesetzt werden.

Das Training beginnt bereits im Welpenalter. „Was klein Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, erklärt Jacobi. Ein ausgewachsener Hund lasse sich nur noch mit sehr viel Mühe zum Jagdhund erziehen. Der Jäger kommt mit dem Welpen zum Gelände des Schießstandes Baumgarten bei Ahlefeld-Bistensee. Hier lernt das Tier als erstes die Unterordnung unters Herrchen: Beifuß, Sitz, Platz – „alles, was auch jeder Haushund beherrschen sollte“, so Jacobi. Nicht nur die Hunde lernen. Ebenso sind die jagenden Hundeführer gefragt. Welches Futter ist das richtige und wie gehe ich mit dem Hund um? So geht es das erste halbe Jahr bis zum Zahnwechsel.

Dann wird, ganz behutsam, das Apportieren gelernt. Wie beim Stöckchenholen bringt der Junghund eine Jagdattrappe aus Stoff oder Plastik zum Jäger, später auch aus dem Wasser, Schritt für Schritt, bis sich der Hund ohne zu zögern auch ins Schilf traut. Beherrscht er dies, ist das Spurenlesen dran. Die künstliche Spur ist so künstlich nicht: Ein totes Kaninchen wird am Band durchs Gras gezogen. Der Hund muss der Fährte folgen. Erst zehn und am Ende mehr als 100 Meter weit.

Viel Zeit, Einsatz, Lob und Leckerlis erfordert all dies. Bis Hund – und auch Jäger – komplett ausgebildet sind, vergehen zwei bis drei Jahre. Was die Teilnehmer von Jacobi gezeigt bekommen, üben sie zu Hause weiter. Denn „ein Mal die Woche reicht längst nicht aus.“

In der Abschlussprüfung wird auf dem Schießstand eine Jagd simuliert. Um den Prüfling herum viele Menschen, Schusslärm, laute Rufe – und bei Hektik und Krach muss der Hund absolute Ruhe bewahren, auf jedes Kommando, ohne zu zögern hören. Ebensolche Ruhe wird vom Hundeführer verlangt. Das Herrchen muss Autorität ausstrahlen und mit Konsequenz die Befehle geben. „Wenn beide das schaffen, sind sie reif zur gemeinsamen Jagd.“

Auch nach der Ausbildung hat es sich nicht ausgelernt. „Der Hund hat ja keine Festplatte“, so Jacobi. „Er vergisst Dinge, die er einmal gelernt hat. Deshalb muss man die Kommandos immer wieder mit ihm üben und wiederholen.“ Was in besagten Jagdhunde-Übungsgruppen geschieht.

Jagdhund ist nicht gleich Jagdhund. Die Tiere werden nach verschiedenen Eigenschaften unterteilt. Stöberhunde wie Foxterrier oder Spaniel suchen in Wald und Feld selbstständig nach dem Wild, bellen dabei viel, und treiben es so aus der Deckung und dem Jäger zu. Die Unterart der Bracken, wie Brandelbracke oder Deutsche Bracke, tun dasselbe in einem größeren Radius. Erdhunde, wie Dackel oder Terrier, sind klein und können so in Baue gelangen, um Fuchs und Dachs hervorzusprengen, wie der Jäger sagt. „Sie müssen sehr eigenständig und äußerst nervenstark sein“, erklärt Jacobi, „sich nicht zum Beißen des Wildes hinreißen lassen.“ Denn das will man bei keinem Jagdhund haben. „Hunde, die das Wild beißen, kommen für die Jagd nicht in Frage.“ Jagdhunde sollen das Wild vor den Jäger treiben, aber auf keinen Fall in direkten Kontakt mit diesem geraten. Erst nach dem Schuss bringen sie es zum Herrchen. Hierzu dienen die Apportierhunde: Labrador und Retriever etwa bringen alles, was sie finde zum Jäger, sei es der erlegte Hase oder die geschossene Ente. Deshalb dürfen sie keine Scheu vor Wasser haben, denn die getroffenen Vögel fallen habitatbedingt häufig in Gewässer.

Und dann gibt es die Vorstehhunde: kleiner Münsterländer oder Deutschdrahthaar. Letzterer ist auch Mitglied der Familie Jacobi. Carla, vier Jahre alt, schwarzes, zotteliges Fell, hat alle Prüfungen durchlaufen. Entfernt sie sich von Frauchen, genügt ein kurzer Doppelpfiff mit der Pfeife – dem wichtigsten Werkzeug des Hundeführers – und sofort ist Carla wieder an Jacobis Seite. Als guter Vorstehhund ist Carla ein robuster Alleskönner. „Er steckt viel weg“, so Jacobi. „Der Deutschdrahthaar rennt ohne zu zögern auch durch Schilf. Wenn ihm das die Augenbrauen wegrasiert, macht ihm das gar nichts.“ Er jagt gern und wittert gut. Sobald der Vorstehhund die Witterung des Wildes aufgenommen hat, richtet er sich in dessen Richtung aus, hebt die Pfote und steht wie erstarrt. „Wie Pluto in den Disneyfilmen“, sagt Jacobi. Ist ein geschossenes – oder von einem Wagen angefahrenes – Reh unerreichbar für den Menschen in Dickicht oder Moor gekrochen, spürt der Vorstehhund das Tier auf und zieht es hervor. Jacobi: „Der Deutschdrahthaar deckt alle Facetten des Jagdhundes ab. Deshalb liebe ich ihn so.“

Wenn von Jägern, Jagdhunden und Treibjagden die Rede ist, werden die meisten an eine klassische Männerdomäne denken. Tatsächlich ist unter den zehn Hegeringsleitern des Kreises, neben Jacobi selbst, gerade einmal eine weitere Frau. „Aber die Zeiten haben sich bereits sehr gewandelt“, sagt Jacobi. „Als ich 1997 den Jagdschein gemacht habe, wurde ich noch komisch angeschaut. Es hat Männer gegeben, die sind vom Tisch aufgestanden, als ich kam. ‚Mit Frauen jage ich nicht. Da macht es keinen Spaß mehr‘, haben sie gesagt.“ Mittlerweile jedoch seien zwei von fünf derer, die ihren Ersten-Jahres-Jagdschein machen, Frauen. „Tendenz zunehmend“, sagt Jacobi.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 16.Aug.2016 | 06:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen