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Eckernförder Zeitung

23. Juli 2016 | 23:10 Uhr

unbehelligt : Ein Papagoy für das Museum

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Er wird der einzige Papagoy sein, der nicht nach kurzer Zeit erschossen wird: Vier Gildebrüder der Bürgerschützengilde haben dem Museum einen Gildevogel gestiftet.

Er wird geboren, um erschossen zu werden: der Papagoy der Bürgerschützengilde von 1570. Jedes Jahr bauen die Gildebrüder der auch Gelbe-Westen-Gilde genannten ehemaligen Bürgerwehr und Sozialversicherung einen Vogel aus Erlenholz, 1,65 Meter Hoch, mit einer Flügelspannweite von 1,63 Meter, bunt bemalt und mit Metallmanschetten besetzt. Eine Woche lang kann er im Schaufenster eines Geschäftes bewundert werden, bevor er am Pfingstmontag an einer Stange hoch über dem Kurstrand aufgestellt wird, um am kommenden Tag mit historischen Gewehren in seine Einzelteile zerschossen zu werden. So ermittelt die Gilde ihren jährlich wechselnden König. In diesem Jahr ist es am Dienstag, 10. Juni, wieder so weit: Beim 444. Gildefest muss der prachtvoll gestaltete Vogel dran glauben.

Ein Vogel aus der Reihe der Papagoyen hat allerdings Glück: Im vergangenen Jahr sind Zwillinge geboren worden, von denen einer seit gestern in der Gildeabteilung des Museums hängt. Gestiftet von den Gildebrüdern Vogelmaler Hans-Peter Klinck, Vogelbauer Kelvin Stapelfeldt, Metallbauer Helge Lienau und Ex-Majestät Günter Haß soll er den Bürgern die Pracht des Vogels das ganze Jahr über zeigen. „Was Touristen und Einheimische meist nur aus der Ferne sehen können, bevor es in seine Einzelteile zerschossen wird, kann hier nun aus der Nähe betrachtet werden“, sagte Museumsleiter Dr. Uwe Beitz. „Dieser Papagoy ist ein besonderer, denn er darf überleben.“

Auf die Geschichte des Gildevogels ging Gildevorsitzender Jörg Czarnowski ein: Als Vorlage für den Papagoy diente offensichtlich der Halsbandsittich, der seit der Antike in Europa bekannt war und insbesondere im Mittelalter seit dem 13. Jahrhundert häufig abgebildet wurde. „Das Mitführen und Präsentieren exotischer Tiere war in dieser Zeit ein Symbol der Herrschaft“, so Czarnowski. Dass der Vogel mehr einem Adler als einem Papagoy ähnelt, erklärt er damit, dass die Darstellung stark durch die Darstellung des Reichsadlers beeinflusst ist. Darauf deuten auch die herrschaftlichen Insignien wie Zepter, Reichsapfel, Krone sowie Stadt- und Landesfahne hin. Erstmals wurde 1449 ein Vogelschießen bei der Altstädter St.-Knutsgilde in Schleswig schriftlich erwähnt. In jeder Stadt mit einer Gilde, die ein Vogelschießen praktizierte, gab es eine Vogelwiese – in Eckernförde lag sie zwischen Reeperbahn und Kieler Straße auf Höhe der Gerichtstraße.

Zwischen 50 und 60 Arbeitsstunden im Wert von 2500 bis 3000 Euro stecken jedes Jahr in dem Gildevogel, der einer der schönsten im Land ist. Er wird fast ausschließlich in ehrenamtlicher Eigenarbeit der Gildebrüder hergestellt.

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erstellt am 31.Mai.2014 | 05:44 Uhr

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