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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 11:32 Uhr

Plattdeutsch - eine lebendige Sprache : Ein Ort der emotionalen Heimat

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zum 25. Mal am Freitag fand die Verleihung des Niederdeutschen Literaturpreises in der Koslowski-Halle statt. Rund 220 Gäste feierten das Ohnsorg-Theater, das der SHHB und die Stadt Kappeln in diesem Jahr als würdigen Preisträger feierten.

Am Ende hatten alle Grund zu feiern. Das Ohnsorg-Theater, weil es das Jahr mit einer in Platteutsch-Kreisen durchaus anerkannten Auszeichnung abschließen kann. Die Stadt Kappeln, weil sie eben jene Auszeichnung durch bemerkenswerte 25 Jahre getragen hat. Die gut 220 Gäste in der Koslowski-Halle, weil sie ein bisschen Flair des großen Plattdeutsch-Flaggschiffs erleben durften. Die 25. Verleihung des Niederdeutschen Literaturpreises war eine der auffallend unterhaltsamen – und die erste, bei der das Preisgeld nicht nur mit Worten, sondern mit einem überdimensionalen Scheck übergeben wurde.

Landtagspräsident Klaus Schlie brauchte nicht lange, um seiner Begeisterung über den diesjährigen Preisträger Ausdruck zu verleihen. Schlie nannte das Ohnsorg-Theater „die Institution des Niederdeutschen in Norddeutschland“ – mit besonderer Betonung des bestimmten Artikels. Mehr noch: Er sprach von den „Heiligen Hallen“ des Niederdeutschen, attestierte dem Theater hohe Qualität und Popularität und das Talent, zur „steten Erneuerung des Niederdeutschen“ beizutragen. „Das Ohnsorg-Theater bietet einen Ort der emotionalen Heimat“, sagte Schlie. „Einen Brückenschlag zwischen vergangener und moderner Heimat.“ Und je länger der Landtagspräsident sprach, desto intensiver wurde das Gefühl, gerade einer vorweggenommenen, sehr persönlichen Laudatio zuzuhören: Schlie schwärmte geradezu von den Ohnsorg-Urgesteinen Heidi Kabel und Henry Vahl – und rief damit ganz offenbar etliche Erinnerungen im Publikum wach.

Deutlich weniger emotionale, aber deshalb nicht weniger gefällige Worte fand danach Renate Schnack. Die Minderheitenbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein erkannte in der 25. Preisverleihung einen „weiteren Baustein“ im sogenannten Handlungsplan Sprachenpolitik, mit dem sich die Landesregierung dem Schutz der Regionalsprachen verschrieben hat. Mithilfe des Projekts „Freiwilliges Niederdeutschangebot an Grundschulen“ sei zudem erstmals systematischer Plattdeutschunterricht gewährleistet. Schnack: „Und wenn daraus ein Kappelner Preisträger der Zukunft erwächst, wäre das doch die Krönung.“

In die Vergangenheit blickte im Anschluss der Präsident des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes (SHHB). Jörn Biel, dessen Verband die Preis-Jury stellt, sprach mit Blick auf das Premieren-Jahr des Preises, 1991, von einer Idee, die „gut und fruchtbar“ gewesen sei. Der SHHB habe sich von Beginn an als treuer Partner der Stadt verstanden – „und wir werden auch in den nächsten 25 Jahren an der Seite Kappelns stehen“. Dem Ohnsorg-Theater attestierte Biel, vor allem mit seiner Studio-Bühne gezielt das junge Publikum im Blick zu haben – „das ist genau der richtige Weg“.

Laudator Gerd Spiekermann absolvierte schließlich den Sprung in die Gegenwart, als er betonte: „Das Ohnsorg-Theater macht kein plattdeutsches Theater. Es macht Theater op Platt.“ Ein bedeutender Unterschied, setzt er doch das Verständnis voraus, dass in erster Linie das Spiel, die Darsteller, die Geschichte stimmen müssen, erst danach kommt die Sprache. Beispiel? „Rock op Platt war als kleines Bonbon im Jubiläumsjahr des Theaters geplant“, sagte Spiekermann. „Heute ist es zum Markenzeichen geworden.“ Auch er lobte das Engagement des Ohnsorg-Theaters für seine Studio-Bühne, bei der Kinder und Jugendliche dank der Studio-Leiterin Cornelia Ehlers, „ganz nebenbei“ mit dem Plattdeutschen in Berührung kommen. Dabei sei eben diese Studio-Bühne ein Zusatzgeschäft – „aber das Ohnsorg-Theater will sich das leisten. Hut ab“, sagte Spiekermann. Der erste Gewinner des Niederdeutschen Literaturpreises stellte zudem die Zukunftsgewandtheit des Theaters heraus: Immer noch zeige die Hamburger Bühne „Tratsch op de Trepp“ – aber eben in einer Version, die auch heute bestehen könne: „Das Altbackene raus, mehr Tempo, junge Darsteller“, fasste Spiekermann zusammen. „Der Spielplan ist auf der Höhe der Zeit.“

Dass eben das genauso für Team und Ensemble des Ohnsorg-Theaters gilt, bewies danach zunächst Intendant Christian Seeler. Sein Dank: „Dieser Preis ist einzigartig, und er macht uns sehr stolz.“ Seine Überzeugung: „Platt hat heute noch seine Berechtigung.“ Sein Wunsch: „Platt erwächst zum selbstverständlichen Bestandteil des kulturellen Lebens.“ Im Niederdeutschen Literaturpreis und im Tun des Ohnsorg-Theaters erkannte Seeler authentische Initiativen, Platt tatsächlich im Bewusstsein zu halten. Und ganz persönlich deutete er die Auszeichnung als Ansporn, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen – „denn wir wollen gerade den Kids zeigen, dass Platt wirklich cool ist“. Auch deshalb soll das Preisgeld in Gänze der Studio-Bühne zugute kommen.

Was folgte, war der eindringliche Beleg eines energievollen, begeisternden Ensembles mit einem absolut modernen Theaterverständnis: Sängerin und Schauspielerin Sandra Keck (Preisträgerin des Jahres 2008) und Stefan Hiller, musikalischer Leiter des Ohnsorg-Theaters, zelebrierten Schlager, Musicalhymnen und Klassiker op Platt.

So ließen sie zu Andrew Lloyd Webbers „Memories“ aus „Cats“ mit einem Augenzwinkern einen Hund zu Wort kommen, der so gerne eine Katze wäre. Aus Frank Sinatras „New York, New York“ wurde „Hier bin ik to huus“, schließlich der warmherzige Rausschmeißer am Ende „Dat du min Leevsten büst“.


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