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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 04:04 Uhr

Hannemann sien Eek : Ein Mann, ein Baum, ein Alter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hannes Clausen und seine Eiche sind im selben Alter.

Eckernförde | Wer wissen möchte, wie groß eine Eiche in knapp 80 Jahren wird, muss ans Ende der Bismarckstraße gehen. Dort gibt es einen Fußweg, der in Richtung Osten parallel zum Grundstück des Heilpädagogiums verläuft, und dort steht sie: Hannemann sien Eek.

Hannemann, das ist Johannes Clausen, der hier aufgewachsen ist und der sein Leben lang schon eine Vorliebe für Tiere und Pflanzen hat. Neben Hühnern und Wildenten, die er im Hinterhof hielt, liebte er auch Bäume. 1943 pflanzte er hier eine Eiche. „Ich war zehn Jahre alt“, erinnert sich Hannes Clausen, der später als Erprobungstaucher bei der Wehrtechnischen Dienststelle arbeitete. „Die Eiche war zu dem Zeitpunkt etwa einen Meter groß.“ Man kann sagen: Sie waren im selben Alter. Den wilden Sämling hatte er ganz in der Nähe von „Rathjes Koppel“ geholt – heute steht dort das Heilpädagogium – und ihn an dem Wanderweg zur „Batterie Zack“, der Flakstation am Brennofenweg, eingepflanzt.

Seine Eiche hat er gehegt und gepflegt. Schnell war „Hannemann sien Eek“ ein geflügeltes Wort. Wenn seine Freunde fragten „Wo dreep wi uns?“, hieß es schnell: „Bi Hannemann sien Eek.“ Der Baum wuchs, doch musste der kleine „Hannemann“ ihn auch verteidigen: „Als nach dem Krieg die kalten Winter kamen, hatte ein Nachbar schon die Säge angesetzt, weil er Brennholz brauchte“, erinnert er sich. „Onkel Gehrke, dat dröffst du doch nich maken, de hebb ik doch plantet“, hat er gesagt – und der Nachbar hatte ein Einsehen. Der Baum begleitete ihn durch sein Leben: Hier traf er sich mit seinen Freunden, hier küsste er zum ersten Mal seine spätere Ehefrau.

Heute kommt der mittlerweile 82-Jährige alle paar Monate zu seiner Eiche, die die Stadtgärtnerei unter der Nummer 5637 in ihr Kataster aufgenommen hat, und denkt zurück an seine Kindheit. Denkt zum Beispiel daran, wie er einst auf dem Schornstein des Reihenhauses einen Handstand machte und seiner Mutter im Garten ein „Hallo Mama“ zurief. Die sah ihren Sohn in luftiger Höhe und fiel in Ohnmacht – mit dem Allerwertesten in die Stachelbeeren.

Den damals geläufigen Ausdruck „Hannemann sien Eek“ kennt heute kaum noch jemand. Hannes Clausen stört das nicht. Er freut sich, dass „sein“ Baum ihn hoffentlich noch sehr, sehr lange überleben wird.

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erstellt am 12.Jul.2016 | 05:48 Uhr

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