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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 01:15 Uhr

künstlerbesuch : Ein Malkasten im Auto ist sein steter Begleiter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Freilichtmaler Friedel Anderson war am Sonntag zu Gast im Museum. Eineinhalb Stunden stand der Künstler rund 70 Besuchern Rede und Antwort.

Eckernförde | „Es ist ein Geschenk für mich, dass Sie heute hier sind.“ „Sie schaffen es, mit Ihren Bildern mein Herz zu berühren.“ Dankbare, berührte, teils ergriffene Museumsgäste hinterließ der Besuch des vielleicht bedeutendsten Freilichtmalers Norddeutschlands, Friedel Anderson, im Eckernförder Museum. Da stand der hochgewachsene 61-Jährige vor seinen Werken in dem überfüllten Ausstellungsraum, hörte sich geduldig die Fragen der rund 70 Besucher an und gab Antworten – unaufgeregt und zurückhaltend – wie ein Fels in der Brandung wirkte Friedel Anderson, der am Sonntagnachmittag auf Einladung der Museumsleiterin, Dr. Dorothee Bieske, den Weg von Itzhoe nach Eckernförde gefunden hatte. In der lockeren Gesprächsrunde verriet Friedel Anderson so manche Begebenheit aus seiner Schaffensweise, stets in einem leichten, humorvollen Ton.

Der Künstler, der sich selbst lieber als „Atmosphäriker“ („Ich liebe auch das Graue“) denn als Realist bezeichnet, malt großformatige Werke in seinem Atelier, während kleine Bilder tatsächlich an Ort und Stelle, wo ihm das Motiv auffällt, auf die Leinwand gebannt werden. „Wenn ich durch Landschaften gehe, springt mich irgendetwas an“, verriet Anderson seine Motivwahl. Das können Kühe auf der Wiese sein, der Speicher oder der Strand in Eckernförde oder auch aufgereihte Autos am Ellenbogen auf der Insel Sylt. Aus diesem Grund ist ein Malkasten im Auto sein steter Wegbegleiter. Ob er denn nicht friere, wenn er draußen male, lautete eine der vielen Fragen aus dem Publikum. Andersons verschmitzte Antwort: „Malen kann ich ganz schnell. Ich habe 30 Jahre gebraucht, um dahin zu kommen, ein Bild in zwei Stunden zu malen.“

Großformatige Werke entstehen im Atelier, vornehmlich von 18 Uhr bis 4 Uhr nachts, wie der gebürtige Oberhausener erzählte. Dann sorgen Tageslichtleuchten für das entsprechende nötige Licht. Sehr selten fotografiere er die Motive, die er nachts auf die Leinwand, der er selbst eine Mixtur gibt, bannt. Alles, was er male, habe er selbst gesehen und wahrgenommen, so Anderson, dessen Sohn ihn als „den besten Abmaler“ bezeichne, wie er dem Publikum verriet.

Seinen künstlerischen Weg beeinflusste entscheidend der berühmte Maler Manfred Bluth (von 1974 bis 1991 Professor für Malerei an der Gesamthochschule Kassel), bei dem Anderson in den 70er-Jahren studierte. Fast wäre es dazu nicht gekommen. Anderson berichtete, dass der Professor nach Sichtung seiner Bewerbungsmappe ihn als Student abgelehnt hätte. „Wenn ich bei der Aufnahme dabei gewesen wäre, ich hätte gegen Sie gestimmt“, habe Manfred Bluth ihm später gesagt. Dem Professor habe er die Erkenntnis zu verdanken, „dass man mit Ölfarben draußen malen kann.“

33 Arbeiten von Friedel Anderson unter dem Thema „Draußen“ zeigt das Museum noch bis einschließlich 1. Mai – darunter befinden sich fünf Motive aus Eckernförde. Die Sonderausstellung ist seit ihrer Eröffnung im Februar ein Publikumsmagnet.

 

 


 

 

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erstellt am 19.Apr.2016 | 05:57 Uhr

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