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KIRCHENWÄCHTER GESUCHT : Ein lebender Jesus wacht über die Hüter von St. Nicolai

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die St.-Nicolai-Kirche sucht Verstärkung für die ehrenamtlichen Kirchenwächter. Interesse an der Kirche und an Menschen sind die einzigen Voraussetzungen.

Eckernförde | Die St.-Nicolai-Kirche ist etwas Besonderes: Der barocke Aufsatz des geschnitzten Altars, den der Eckernförder Holzschnitzer Hans Gudewerdt der Jüngere (1600 - 1671) geschaffen hat, zeigt den gekreuzigten Jesus als noch Lebenden mit offenen Augen – einzigartig in Nordeuropa. Auch die Größe der Kirche beeindruckt: Sie sollte im 16. Jahrhundert zu einem Dom erweitert werden, doch dann kam die Reformation, das Geld wurde knapp und es blieb bei einer großen Kirche. In ihrer Gruft wurde zudem einst der sagenumwobene Graf von St. Germain bestattet – noch immer kommen Menschen auf der Suche nach dieser letzten Ruhestätte.

Und nicht nur sie. Einheimische wie Gäste schätzen das Bauwerk als Ort der Einkehr, als historisches Zeugnis, als kulturellen Schatz. Deshalb gibt es auch eine Reihe von „Kirchenwächtern“ als Ansprechpartner für die Besucher. Nur aufgrund ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit kann die Kirche zwischen Mai und Oktober an vier Tagen in der Woche von 10 bis 17 Uhr geöffnet sein. Sie begrüßen die Besucher, begleiten sie bei Bedarf, beantworten Fragen und beaufsichtigen die Kirche. Und sie suchen Verstärkung: „Besonders für ältere Personen ist diese ehrenamtliche Tätigkeit geeignet“, sagt Pastor i.  R. Erhard Seredszus, „der Zeitaufwand ist überschaubar. Es geht nur um einige Stunden an einem Tag pro Woche vor- oder nachmittags.“ Kenntnisse über die Kirche und ihre Kunstwerke sind nicht erforderlich. Sie werden vermittelt.

Vor einem Jahr entschied sich auch Renée Oetting-Jessel für das Amt des Kirchenwächters und hat es nicht bereut. „Besonders die vielen interessanten Gespräche mit den Besuchern weiß ich zu schätzen“, sagt sie. Und auch das Überraschende: „Eine Besucherin fragte einmal, ob sie singen dürfe.“ Sie durfte und brachte ein kirchliches Werk zu Gehör – ein beeindruckendes Erlebnis. Ein anderer sang einen Spruch aus den Psalmen. Es stellte sich heraus, dass er Tenor an der bayerischen Staatsoper war.

Aber das sind Ausnahmen. Öfter kommt es vor, dass Menschen eine weiße Rose für den verstorbenen Grafen von St. Germain ablegen möchten, der laut Kirchenregister 1784 in der Gruft beigesetzt wurde. Seine Gebeine sind aber nicht mehr dort.

Immer wieder wird die Bedeutung der Kirche als Raum der Ruhe und inneren Einkehr deutlich. „Manche wollen einfach nur still sitzen und beten“, sagt Kirchenwächterin Wiltrud Egerland. Andere suchen den sozialen Kontakt, das Gespräch mit den Kirchenwächtern.

Und immer wieder wollen die Menschen den lebenden Jesus am Kreuz sehen. Ein altes russisches Mütterchen war extra deshalb angereist, berichtet Wiltrud Egerland, konnte die Figur jedoch nicht sehen, weil sie zu weit oben war. Da zeigte ihr die Kirchenwächterin ein Foto. Beseelt verließ die Frau die Kirche.

> Wer Interesse an der ehrenamtlichen Tätigkeit des Kirchenwächters hat, kann sich an Pastor i.R. Erhard Seredszus, Tel. 04354/ 80  09  68 wenden.

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