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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 01:22 Uhr

Ein Krankenhaus ohne Kranke

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Drei Wochen nach dem Auszug: Rundgang durch das fast menschenleere MLK-Gebäude / Übergabe an den Kreis im September

Ausgedient, abgelöst, vorbei. Wie sieht es aus in einem Krankenhaus, das nun menschenleer ist – ohne Patienten, Pfleger, Ärzte und Verwaltungsleute. Seit gut drei Wochen steht das 54 Jahre alte, sechsstöckige Martin-Luther-Krankenhaus verlassen da. Was also spielt sich jetzt ab in seinem Innern? Unsere Zeitung ging auf Inspektion, begleitet von den beiden Helios-Klinik-Sprecherinnen Inke Asmussen und Andrea Schwarze.

Menschenleeres Krankenhaus? Am Empfang sitzt doch jemand und telefoniert, im Halbdunkel. „Das ist unsere Security“, heißt es. Seit dem Umzugstag am 16. Juli werde das gesamte Gebäude rund um die Uhr bewacht. Zum einen, um Randalierer gar nicht erst zum Zuge kommen zu lassen, zum anderen, weil noch nicht alles aus dem Krankenhaus ausgeräumt sei. Immer noch kommen Mitarbeiter aus dem Helios-Neubau, um dieses oder jenes zu holen. „Manches kann auch noch in unseren anderen Helios-Häusern gebraucht werden, manches wird verschenkt, einiges wird wohl auch verschrottet werden“, sagt Asmussen, während wir durch die ausgeräumte Eingangshalle gehen, um in den ersten Stock zu gelangen – zu Fuß, denn die Fahrstühle sind ausgeschaltet. So wie auch die Klima-Anlage. Als wir durch die Tür zum fensterlosen ehemaligen Röntgen-Bereich gehen, schlägt uns schwül-heiße, abgestandene Luft entgegen, so dass der Wunsch nach Sauerstoff aufkommt.

Was ist das?, fragen wir wenig später und stehen vor einem Geräte-Monstrum, das wie ein Relikt aus vorindustriellem Zeitalter erscheint. „Ein Röntgengerät von 1996, das nun fachgerecht entsorgt werden soll“, erläutert Andrea Schwarze. Natürlich, auch die normalen PCs oder Fernsehgeräte sahen vor gerade mal 20 Jahren noch recht wuchtig aus. In seinem Neubau hat das Helios-Klinikum gänzlich neue medizinische Großgeräte bekommen, sodass die alten in die Ecke der Museumsstücke geraten.

Das gilt wohl auch für den zurückgelassenen im Boden verankerten OP-Tisch. Der steht mitten im licht- und fensterlosen OP-Saal, weil Lichtkabel schon entfernt sind. Zu Gesicht bekommen, hat diesen Tisch zu Klinikzeiten wohl kaum ein Patient, da er ja meist schon narkotisiert war, als er auf diese Liege gebettet worden ist.

Beim Foto vom alten Kreißsaal dagegen werden vielleicht bei einigen doch Erinnerungen wach – falls sie dort in den Wehen gelegen haben. Das Entbindungsbett wurde abgebaut und befindet sich nun auf der Geburtshilfe-Station des neuen Klinikums. Ganz oben dann, im 6. Stock (wiederum zu Fuß treppauf), breitet sich vor uns die weitläufige leergeräumte Caféteria aus. Nur eine Tafel mit dem letzten Menu-Angebot vor dem Umzug hängt noch an der Wand: „Currywurst mit Pommes“ für 4,50 Euro! „Ja, die ist bei uns immer sehr beliebt“, sagt Andrea Schwarze lachend.

Voraussichtlich Anfang September wird das MLK-Gebäude mit seinen 25  000 Quadratmetern Nutzfläche an den Kreis Schleswig-Flensburg als Eigentümer übergeben. Der Kreis ist noch auf der Suche nach einem Käufer für das Klinik-Anwesen. Hauptinteressent ist die Gewoba Nord.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 15:16 Uhr

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