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Eckernförder Zeitung

26. März 2017 | 23:01 Uhr

Ein Konzert wie ein fesselndes Gedicht

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Simone Eckert spielt in St. Nicolai Gambenmusik des 17. und 18. Jahrhunderts

Wer am Sonnabend trotz Glatteiswarnung zur St.-Nicolai-Kirche gekommen war, der wurde reichlich belohnt. Für das erste Kirchenkonzert im neuen Jahr hatte Simone Eckert die Fahrt von Hamburg angetreten und spielte Gambenmusik aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Sie ist Gründerin und Leiterin der Hamburger Ratsmusik, sieht auf zahlreiche Tourneen im In- und Ausland zurück, ist Dozentin an der Hamburger Musikhochschule, gewann zwei Echo-Klassik-Preise und hat mit ihrem Ensemble bereits häufiger im Kirchenraum von St. Nicolai konzertiert. Sie lobt die außergewöhnlich gute Akustik dieser Kirche und ist nach wie vor begeistert von der Sensibilität des Eckernförder Konzertpublikums.

An diesem späten Nachmittag trat Simone Eckert als Solistin auf, die Gambistin hatte zwei Instrumente mitgebracht. Neben der Diskant-Viola da gamba – in der Größe vergleichbar einer Geige – war es vor allem die große Gambe, die alle Blicke auf sich zog: Ein mit seinem alten Holz kostbar glänzendes Instrument von 1685, etwas kleiner als ein Cello, das am Steg mit wunderbaren weißen Einlegearbeiten verziert ist. Beide Instrumente werden zwischen den Beinen des Musikers gehalten (gamba kommt aus dem Italienischen und bedeutet Bein) und mit feinem Bogen im Untergriff gestrichen.

Aus den sechs Saiten der Gambe zauberte Simone Eckert vielschichtige Notenkaskaden hervor, die vor allem in den tieferen Lagen – zumal wenn in Doppelgriffen gespielt – eine sanfte, weiche, dennoch sehr bestimmte Musik zu den Hörern schickte. Man erlebte das Publikum völlig gefangen. Kein Räuspern oder Hüsteln war zu hören, und Beifall nach den einzelnen Stücken hätte die Stille der Pausen nur gestört. So ähnelte dieses Konzert einem fesselnden Gedicht, das man auch zunächst als Ganzes genießen und ungestört zu Ende hören möchte. Hier waren die einzelnen „Strophen“ unterschiedlichen Komponisten zuzuschreiben, jeder in Notensprache und Ausdruck unterschiedlich, viele von ihnen einst am Gottorfer Hof oder unterwegs in Schleswig-Holstein, alle mit bewegender Lebensgeschichte.

Mit verhaltener Körpersprache begleitete die Gambistin ihr Spiel, hoch konzentriert und allem Anschein nach weit weg und in anderen Welten. Zwischen den Stücken aus England, Holland – dazu Telemann und Bach – kam sie jedoch zurück, berichtete im Stehen kurz, lebendig und hintergründig von Geschichte und Geschichten. Sie fand dabei einen bemerkenswert leichtherzigen Zugang zum Publikum. Und wenn sie dabei lächelte, ihre Mimik geradezu leuchtete, dann wird auch das für viele Gäste vermutlich zu den Erinnerungen an dieses Konzert gehören.


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