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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 17:32 Uhr

Ein dunkles Geheimnis auf der Insel des Lichts

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kirsten Barba veröffentlicht ihren Debütroman – eine Gesellschaftsanalyse mit Kriminal- und Liebesgeschichte auf Sizilien.

Eckernförde | Sie ist wieder da, die literarische Kirsten Barba. Nach ihrem ersten Buch „Via Trieste“ aus dem Jahr 2009 mit Kurzgeschichten hat die gebürtige Eckernförderin nun ihren Debütroman im Husumer ihleo-Verlag veröffentlicht. Wieder ist Sizilien, die Insel des Lichts, der Ort des Geschehens, die alte Liebe der 55-Jährigen, die vier Jahre lang in einem kleinen Fischerdorf nahe Palermo lebte.

„Ich vermisse die Insel jeden Tag“, sagt Kirsten Barba. Doch es sei etwas anderes, an einem Ort der Sehnsucht zu leben oder immer wieder mal nur zu Besuch dort zu sein. Die Inspiration für ihren Roman „Die Gesichte der Frau Fieruccio“ hat sie dort gefunden, hat dort recherchiert. „Aber wenn man mittendrin ist und eng mit den Leuten zusammenlebt, fehlt die Sehnsucht, die ich für das Schreiben brauche.“

Vor zwei Jahren kam sie zurück nach Eckernförde, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Agostino Lo Coco, und schrieb ihren Roman zu Ende. Einen Verlag für ihr Manuskript, an dem sie vier Jahre lang gearbeitet hat, brauchte sie nicht lange zu suchen.

Ihr Roman handelt von Mia, einer jungen Ethnologin, die an einem Buch über alte Märchen und Volkssagen arbeitet, und zu Studienzwecken für ein Jahr nach Sizilien reist. Dort findet sie in der alten Fischerfrau G’nazia Fieruccio eine ergiebige, wenngleich launische Quelle, und in deren Sohn Amabile einen neuen Liebhaber. Doch bald schon wird ihr klar, dass trotz äußerer Postkartenmotive in dem sizilianischen Fischerdorf keine Idylle existiert, sondern diese Welt von ungeschriebenen Gesetzen und Tradition bestimmt wird. Und sie merkt bald, dass die Märchen, die ihr die alte Fischerfrau erzählt, zu viele Parallelen zu deren eigenen Geschichte enthalten. Nach und nach erkundet sie die Tragödie im Leben der Frau und das dunkle Familiengeheimnis, das sie seit dem Jahr 1943 mit sich trägt. Am Schluss bricht sie ihr langes Schweigen.

„Die Gesichte der Frau Fieruccio“ ist ein moderner Generationenroman, ein Krimi über den Zusammenprall archaischer Kultur und westlicher Werte, eine sinnliche Liebesgeschichte. Kirsten Barbas Roman besticht durch intime Kenntnis der unterschiedlichen Lebenswelten, Authentizität und ihren poetischen Ausdruck.

Für ihr Buch hat die 55-Jährige auf Sizilien recherchiert, hat das Leben studiert, das Schweigen der von vielen Invasoren und kriminellen Strukturen im Laufe der Geschichte gebeutelten Bevölkerung verstehen gelernt. Sie war in Museen und hat viel gelesen, vor allem aber hat die Sprachlehrerin selbst mit Augenzeugen gesprochen, die sich noch an das Jahr 1943 erinnern können.

Ihr Roman hat schon, obwohl erst am 1. August erschienen, erste Wellen geschlagen: Laut Literaturwissenschaftler Dr. Richard Brütting aus Bamberg ist sie die erste ausländische Frau, die einen Roman über Sizilien verfasst hat und deshalb auch Eingang in seinen Vortrag auf einem Kongress im Oktober in Palermo finden wird. Ihr nächster Roman ist nach eigenen Aussagen „schon halb fertig“.

Kirsten Barba liest am 21. September ab 19 Uhr im Spieker am Innenhafen aus ihrem Buch, weitere Lesungen folgen am 29. September in der Bücherei Kappeln und am 11. November im Literaturhaus Kiel.

>Kirsten Barba: „Die Gesichte der Frau Fieruccio“, Roman, 336 Seiten, ihleo verlag, Husum 2016, ISBN 978-3-940926-49-4, 19,95 Euro

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erstellt am 24.Aug.2016 | 06:06 Uhr

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