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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 10:40 Uhr

Paddelsport : „Ein bisschen wie Fliegen“

vom

Paddel-Club ist mit ungewöhnlichem wellenreitenden Kanu auf dem Wittensee unterwegs / Team trainiert für Wettkampf bei Rügen

Groß Wittensee/Eckernförde | Gewohnt sind sie unsteteres Gewässer. Weil aber bei ihrem Trainingslager am Südstrand Eckernförde an diesem Tag ein anderes Treffen stattfindet, befahren die sechs Mitglieder des „Ecksen-Eckspress’“ in ihrem Outrigger OC-6 heute den Wittensee. Der Bootstyp dürfte selbst den meisten Wassersport-Kennern kaum vertraut sein. Das Auslegerkanu ist eine Seltenheit. In Deutschland gibt es gerade mal eine Handvoll Exemplare. Das Team vom Freiherr-vom-Stein-Yacht-Club, das sonst Drachenboote fährt, trainiert in dem außergewöhnlichen Wassergefährt, das einige Besonderheiten aufzuweisen hat, gerade für das Rugia-Hoe-Festival Anfang September, einem Wettkamp vor Rügen speziell für den OC-6.

Von 19 Booten in Deutschland weiß Jörg Oppor, der Steuermann des Teams. „Drei gibt es in Schleswig-Holstein.“ Das-sechs-Mann-Langstrecken-High-Tech-Boot, 13,5 Meter Länge, etwa 130 Kilo schwer, setzt gut trainierte und techniksichere Sportler voraus. Der Ausleger sieht aus wie ein umgedrehter Delfin und ist mit zwei Holzarmen an der linken Seite des Kanus befestigt. „Das erhöht die Stabilität des Bootes“, so Oppor. Das ist auch notwendig, denn optimale Fahrtbedingungen sind starke Winde zwischen fünf und sechs Knoten und möglichst lange Wellen. Auf diese setzt sich das Boot, lässt sich von ihr vorantragen, reitet sie – ähnlich wie ein Surfbrett. „Und ein bisschen wie Fliegen“, beschreibt Ann-Kristin Jacobs das Gefühl, das sie ganz vorn im Boot durchströmt, wenn der Bug bei starkem Wellengang schon mal anderthalb Meter über den Wasserspiegel ragt. „Da geht das Paddel dann ins Leere.“

Heute sind Wind und Wellen wie auf offener See nicht zu erwarten. Aber auch der Wittensee hat seine Tücken. In der vorangegangen Woche waren zwei Segler an den hier immer mal wieder auftretenden starken Böen gescheitert, und mussten, gekentert, von der Feuerwehr gerettet werden (wir berichteten). „Na, mal sehen, wie wir mit den Hackböen zurecht kommen“, sinniert Jörg Oppor. Doch heute ist alles ruhig. Hinter der Uferlinie im Osten drehen sich die Windräder. „Drei bis vier Windstärken“, schätzt Oppor. Der See liegt ruhig da.  Was nicht heißt, dass es gemächlich zugeht. „Eins, zwei, drei, vier, fünf, …“ Im angezählten, zügigen Takt stoßen die sechs Paddel ins Wasser. Das Boot ist schnell für ein Kanu: bis zu 15 Stundenkilometer bei optimalen Bedingungen. „Ich liebe das Gleiten mit den Wellen. Das ist ganz anders als beim Drachenbootfahren“, schwärmt Team-Mitglied Susanne von der Twert-Feder.

Alle Mitglieder des Teams aus vier Frauen und zwei Männern fahren seit vielen Jahren Drachenboot und sind zum Teil international auf Wettkämpfen unterwegs. Seit 2014 fahren sie gemeinsam als „Ecksen-Eckspress“. Sie kommen aus Eckernförde, Preetz, Groß Wittensee und Oster-Ohrstedt, sind Juristen, Krankengymnasten und Ingenieure zwischen Mitte 30 und Ende 50. „Mit das Faszinierendste am Teamsport ist: Man lernt ganz unterschiedliche Leute kennen, ist viel gemeinsam unterwegs und wächst zusammen“, sagt Anke Wilke. „Mein Traum ist, dass wir einmal gemeinsam auf Hawaii paddeln. Dort gibt es besonders lange Wellen – perfekt für unseren OC-6.“

Der Schiffsname „moemoea mai pono“ kommt übrigens aus der Sprache der Maori und bedeutet „wahrgewordener Traum“. Im Mai diesen Jahres hatte sich das Team eben diesen erfüllt und das Boot mithilfe von Sponsorengeldern gekauft. „Das Drachenboot mit seinen 20 Mann Besatzung kriegen wir nicht immer voll“, erklärt Wilke. „Außerdem haben wir eine neue Herausforderung gesucht.“ Oppor: „Diese außergewöhnliche Art der Fortbewegung ohne Segel, nur mit Muskelkraft und die hautnahe Begegnung mit den Naturelementen ist etwas sehr Ursprüngliches mit großem Emotionspotential. Wenn das Boot durch das Wasser schießt, lässt einen das vor Begeisterung jubeln.“

Der Teamgeist zeigt sich bei den gleichmäßigen und möglichst exakt aufeinander abgestimmten Paddelschlägen. „Eins, zwei, drei, …“ In weitem Dreieck gleitet das Kanu mit seinen sechs Paddlern über den Wittensee, immer im Takt, über zehn Kilometer.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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