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Eckernförder Zeitung

25. März 2017 | 16:49 Uhr

imland-Klinik : Eckernförde will Geburtshilfe retten

vom

In Eckernförde bildet sich ein breites Bündnis für den Erhalt der Geburtshilfe. Hebammen und Mütter sammeln Unterschriften. Zwei neue Gynäkologen aus Flensburg und Glücksburg stehen bereit.

Eckernförde | Die Nachricht, dass die Eckernförder Geburtshilfe geschlossen wird, hat in der Stadt hohe Wellen geschlagen. Viele Unterstützer versuchen dringend, das Angebot in der Klinik zu halten - denn laut Beschluss der Geschäftsführung und Klinikleitung unter Einbindung des Aufsichtsrates soll es nach 40 erfolgreichen Jahren schon zum 1. Oktober eingestellt werden.
Auch der Gynäkologe Dr. Ralf Kröger ist bereit, weiter zu arbeiten. "Ich habe nie gesagt, dass ich aufhören möchte", sagte er am Dienstag auf Anfrage. "Ich hätte weitergemacht und nicht das Handtuch geworfen." Die Entscheidung, die Geburtshilfe zu schließen, habe einzig und allein die Klinik getroffen. Sie sei nicht mehr bereit gewesen, Dienstpläne aufzustellen, die fast ausschließlich auf ihn fixiert seien. Kröger machte deutlich, dass keinesfalls der Eindruck entstehen dürfe, dass die Geburtshilfe nur deshalb geschlossen werden soll, weil er nicht mehr in der Lage sei, die Dienste zu leisten. Gleichwohl hätte er sich natürlich mehr Unterstützung von Kollegen gewünscht.
"Ich teile die Hoffnungslosigkeit nicht"
Er hätte gegenüber der Geschäftsführung immer wieder betont, dass das System mit Dr. Anna Holk, Dr. Ekkehard Rabehl und der jungen Stationsärztin Inga Naeve funktionieren würde. Er hätte sich später eine Partnerschaft mit der angehenden Fachärztin vorstellen können, die nun selbst Mutterfreuden entgegensieht, "aber deswegen ja nicht aus der Welt ist", wie Ralf Kröger anmerkte. Und an der Grundsituation habe sich nichts geändert: Da Dr. Rabehl und Dr. Holk nach wie vor für Dienste bereitstünden, die Kollegin Naeve bis zu ihrem Wiedereinstieg befristet ersetzt werden könnte, sich zudem vielleicht doch noch ein Kollege zur Übernahme von Diensten in der Eckernförder Geburtshilfe bereiterklären könnte und sich möglicherweise bei den Kassen ein Umdenken andeutet, "teile ich die Hoffnungslosigkeit nicht", sagte Dr. Kröger dem sh:z.
Eine positive Wendung vollzog sich bereits Dienstagnachmittag. Der Gynäkologe aus Glücksburg, der gerne Bereitschaftsdienste in der Eckernförder Klinik übernehmen, hat seinen zwischenzeitlich zurückgezogenen Antrag auf Anerkennung als Belegarzt an der imland Klinik wieder aktiviert. Das bestätigte der 54-Jährige auf Nachfrage. Er würde sich eine kleine Wohnung im benachbarten Schwesternwohnheim nehmen ("Ich wäre in zwei Minuten im OP oder im Kreißsaal"). Er hätte den Antrag zurückgezogen, nachdem die Schließung der Geburtshilfe verkündet wurde und daher kein Bedarf mehr bestanden hätte. Nun aber, nach dem großen Einsatz der Hebammen und Eltern, sowie den inzwischen erfolgten Gesprächen und Kontakten sieht er durchaus wieder berechtigte Erfolgsaussichten.
Neben dem Glücksburger Frauenarzt ist ein weiterer Gynäkologe aus Flensburg an einer Zulassung in Eckernförde interessiert. Beide zusammen hatten bis zur Schließung im Mai die Geburtshilfe in der Flensburger Förde-Klinik ärztlich begleitet. Aufgrund alter Verträge wären seine Berufshaftpflichtprämien nicht so extrem hoch wie bei jüngeren Kollegen, daher möchte er gerne langfristig in der Eckernförder Geburtshilfe arbeiten.
Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone
Indes wächst die Gruppe der Unterstützer der zur Schließung anstehenden Abteilung zusehends. Auf Facebook haben sich bis Dienstagmittag 2000 Menschen den beiden gegründeten Gruppen angeschlossen, berichtete die Mitinitiatorin Jasmin Wenger. Die vierfache Mutter aus Eckernförde hat bereits mit anderen Müttern und Vätern mit großem Erfolg am Sonntag eine Unterschriftenaktion in der Fußgängerzone gestartet. Amn Dienstag hat sie bei der Stadt eine Sondergenehmigung für einen Info-Stand erwirkt: Mittwoch von 9 bis 18 Uhr und am kommenden Sonnabend wird in der Kieler Straße vor Carstensen Spiel + Freizeit ein Stand aufgebaut, an dem auch Unterschriftenlisten ausliegen. "Wir werden von den Menschen überrannt", berichtet Jasmin Wenger von einer überragenden Resonanz. Diskutiert werde auch, ob man einen Aufruf an die niedergelassenen Ärzte in Eckernförde starten sollte, in dem sie gebeten werden, Anteile ihrer Zulassung zugunsten von dienstbereiten Kollegen von außerhalb für die Klinik-Bereitschaftsdienste abzutreten.
Auch die Hebammen selbst sind in ihrer Freizeit unterwegs, um für ihre Station zu kämpfen und Unterschriften zu sammeln. Am Montagabend besuchte Eva Schneider den Green Screen-Filmabend der Eckernförder Zeitung in Carls Showpalastund sammelte im Foyer viele Unterschriften. Auch Showpalast-Betreiber Wolfram Greifenberg zählte zu den Unterzeichnern: Eva Schneider, mit 36 Dienstjahren die erfahrenste Hebamme der Station, hatte seinen Sohn Janosch zur Welt gebracht. Die Unterstützung sei enorm, sagte sie. Es kämen sogar Mütter mit ausgefüllten Listen auf die Station.

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erstellt am 16.Aug.2012 | 03:04 Uhr

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