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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 03:02 Uhr

Waffen : Eckernförde: Sig Sauer will Sturmgewehre für die Bundeswehr bauen

vom

Ursula von der Leyen hatte 2015 entschieden, 167.000 G36-Gewehre auszumustern. Sig Sauer rechnet mit Ausschreibungen.

Eckernförde/Kiel | Der Waffenhersteller Sig Sauer in Eckernförde strebt Großaufträge der Bundeswehr an. „Wir gehen davon aus, dass es zu Ausschreibungen eines Sturmgewehres für das Kommando Spezialkräfte kommen wird und auch für den Rest der Bundeswehr“, sagte Geschäftsführer Franz von Stauffenberg der Deutschen Presse-Agentur. „Details weiß man erst bei der Öffnung der Unterlagen.“ Er sei optimistisch, dass Sig Sauer in einem fair geführten Wettbewerb bestehen könne.

Der Standort Eckernförde des Herstellers Sig Sauer soll wieder wachsen: Früher hatte er bis zu 600 Mitarbeiter, zuletzt war er auf unter 100 geschrumpft.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte 2015 entschieden, 167.000 G36-Gewehre wegen unzureichender Treffsicherheit bei Dauerfeuer oder großer Hitze auszumustern. In einem Schadensersatz-Prozess um das umstrittene Sturmgewehr setzte sich aber der Hersteller Heckler & Koch im September vor dem Landgericht Koblenz gegen das Verteidigungsministerium durch. Das Ausmustern der G36-Gewehre sollte ab 2019 beginnen. Noch im laufendem Jahr dürfte nach Angaben eines Sprechers des Bundesverteidigungsministeriums das aller Voraussicht nach internationale Vergabeverfahren für das neue Sturmgewehr starten.

Talsohle bei Sig Sauer in Eckernförde durchschritten.  /Archiv
Talsohle bei Sig Sauer in Eckernförde durchschritten.  /Archiv Foto: Carsten Rehder
 

Er sei optimistisch, dass die Zahl der Mitarbeiter von zurzeit 90 „in naher Zukunft“ auf 120 steigen werde, sagte Stauffenberg. „Wir haben ehrgeizige Ziele im Sportbereich wie für das Behördengeschäft.“ Eine Zielgröße hinsichtlich der Mitarbeiterzahl für den Standort Eckernförde gebe es nicht. „Aber die räumlichen Kapazitäten sind nach unserer Modernisierung hier am Standort mehr als ausreichend für die doppelte Anzahl an Beschäftigten.“

Derzeit werden in Eckernförde Pistolen „in großer Stückzahl“ für den Sportbereich gefertigt sowie für den Service Anschlussversorgungen von Dienstpistolen und Sportgewehren angeboten. „Zukünftig soll das Portfolio der Fertigung um weitere Produkte für den Behördenmarkt erweitert und ergänzt werden. Im Schwerpunkt handelt es sich um Pistolen, Maschinenpistolen und vor allem Sturmgewehre für den europäischen Markt“, sagte von Stauffenberg. Weitere Produktgruppen seien angedacht, aber noch nicht spruchreif. „Unsere Investitionen haben mit der Herstellung großer Stückzahlen für Behörden zu tun. Mehr möchte ich dazu momentan nicht sagen.“

Auf die Frage, wie Sig Sauer Konkurrenten wie Heckler & Koch im internationalen Wettbewerb ausstechen wolle, antwortete Stauffenberg: „Wir sind wirtschaftlich sehr gesund und verfügen über die notwendigen Mittel, um neue und qualitativ hochwertige Waffensysteme zu entwickeln.“ Natürlich müssten die Startbedingungen für alle Wettbewerber gleich sein. „Anforderungen an Systeme werden normalerweise ergebnisoffen beschrieben, wenn dem so ist, dann ist mit uns zu rechnen.“

Angesichts des Terrorismus und der aktuellen Bedrohungslage geht Stauffenberg davon aus, dass die Behörden über eine zeitgemäße Ausrüstung der Sicherheitskräfte intensiver diskutieren: „Es ist schlecht, wenn man von der Reichweite und dem Kaliber nicht mithalten kann. Daneben erwarten wir aber auch zahlreiche Ausschreibungen zur Ergänzung wie Aktualisierung von bestehenden Ausrüstungen bei den Sicherheitsbehörden in Deutschland wie im befreundeten Ausland. Beides bietet für uns gute geschäftliche Optionen.“

Wegen des Verdachts illegaler Waffenexporte ermittelt die Staatsanwaltschaft Kiel seit 2014 gegen das Unternehmen. Am Standort Eckernförde gab es Razzien. Es soll es um die Lieferung von Pistolen über den Umweg USA an die Präsidentengarde Kasachstans und nach Kolumbien gehen. Stauffenberg betonte, „wir haben ja nicht nach Kasachstan oder Kolumbien geliefert“. Eine Anklage sei seitens der zuständigen Strafverfolgungsbehörden bislang nicht erhoben worden. Eine renommierte Rechtsanwaltskanzlei habe den Sachverhalt geprüft: „Ein Fehlverhalten von Sig Sauer konnte nicht festgestellt werden.“

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erstellt am 31.Okt.2016 | 07:19 Uhr

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