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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 02:04 Uhr

Schöffengericht : Drohung, Gewalt und Falschaussage

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Ein Fall von räuberischer Erpressung verlangt dem Gericht Einiges ab.

Eckernförde | „Ich schwöre auf meine Mutter, ich werde dich sowas von töten.“ Es war sicher nicht die klügste Idee des Angeklagten, mehrere Text- und Sprachnachrichten mit Inhalten wie diesem zu verschicken, um Schulden einzutreiben. Gestern saß ein 23 Jahre alter Mann aus Kiel vor dem Eckernförder Schöffengericht. „Räuberische Erpressung“ lautete die Anklage.

Dass er die Nachrichten verschickt hatte, gab der Angeklagte zu – er hätte es anhand der schriftlich und als Audiodatei vorliegenden Beweise auch nur schlecht leugnen können. Er sei „megasauer“ gewesen, weil ihm ein Freund 100 Euro geschuldet habe. Die habe dieser gebraucht, um sein Leichtkraftrad zu reparieren. Aber er hätte ihm natürlich nie etwas getan. Das war im September 2015, sein Geld habe bis heute nicht erhalten.

Das stand im Widerspruch zu der ersten Zeugenaussage: Ein Polizeibeamter hatte den damals 17 Jahre alten Schuldner vernommen und eine ganz andere Geschichte zu hören bekommen. Der Jugendliche hatte vom Angeklagten dreimal Marihuana erhalten und es in seinem Auftrag weiterverkauft. Den Gewinn sollte er dem Angeklagten aushändigen. Als er das Marihuana beim letzten Mal nicht verkaufen konnte, soll der Angeklagte das Geld – 100 Euro Drogengeld plus 50 Euro „Verzugszinsen“ – mit Drohungen eingefordert haben. Unter anderem habe er angedeutet, der Freundin des Jugendlichen etwas anzutun. Zur Unterstreichung der Forderung habe ein Freund des Angeklagten dem Jugendlichen einen Fausthieb ins Gesicht versetzt. Von einem defekten Leichtkraftrad hatte er nichts gesagt.

Auch nicht die zweite Zeugin, die Mutter des Jugendlichen. Das Kraftrad sei nie defekt gewesen. Stattdessen habe ihr Sohn seit dieser Zeit große Angst gehabt. Vor der Verhandlung habe er ihr erzählt, dass der Angeklagte ihn zuvor zu einer Falschaussage aufgefordert habe. Er sollte sagen, dass er die Schulden zur Reparatur seines Kraftrades aufgenommen habe und nicht bei Drogengeschäften entstanden.

Und daran hielt sich der Jugendliche auch zunächst: Mit Drogen habe das Ganze nichts zu tun, auch den Faustschlag habe es nie gegeben. Es sei einzig und allein um die Reparatur seines Kraftrads gegangen. Warum er denn bei der Polizei ganz andere Aussagen getroffen hat, wollte der Richter wissen. Antwort: „Weiß ich nicht.“ Das klang für Richter Tiedemann nicht schlüssig. „Wenn wir den Eindruck haben, dass Sie nicht mit offenen Karten spielen, kann ich Sie auch in Beugehaft nehmen“, klärte er den Jugendlichen auf. „Falschaussage vor Gericht ist eine Straftat.“ Und da kam Bewegung in die Aussage: Der Jugendliche gab zu, gelogen zu haben. Er habe Angst vor dem Angeklagten. Schon früher habe ihm dieser Geld für eine Falschaussage geboten.

Ein weiterer Zeuge sollte noch gehört werden, doch erschien dieser nicht zu der Verhandlung. Deshalb ist ein zweiter Termin am 2. Dezember angesetzt worden. Den Antrag der Staatsanwaltschaft auf einen Haftbefehl wegen Verdunklungsgefahr wies das Gericht zurück.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 06:00 Uhr

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