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Kinderstation : Drei-Betten-Abteilung vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Kinderstation war am Donnerstagabend Thema im Aufsichtsrat. Sie soll aufgelöst werden. Die Behandlung von Kindern in der Imland Klinik Eckernförde sei auch ohne Belegabteilung sichergestellt, sagte der Geschäftsführer.

Eckernförde | Der Aufsichtsrat der Imland Klinik hat sich in seiner Sitzung am Donnerstagabend mit der Zukunft der pädiatrischen Belegabteilung („Kinderstation“) am Standort Eckernförde beschäftigt. Im Mittelpunkt der Aufsichtsratssitzung standen die Ausführungen des Klinik-Geschäftsführers Dr. Hans-Markus Johannsen, der am Folgetag eine Pressemitteilung verschickt hat. Kernaussagen:

>eine pädiatrische Behandlung wird auch ohne Belegabteilung sichergestellt;

> eine stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen in einer pädiatrischen Belegklinik in Eckernförde – bis dato drei Betten –, soll es nicht mehr geben;

>erkrankte Kinder und Jugendliche werden stattdessen auf den anderen Abteilungen (Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemeinchirurgie und Innere Medizin) der Eckernförder Klinik ambulant oder stationär versorgt;

>es gibt eine pädiatrische Vormittagspräsenz sowie einen kinderärztlichen Rufdienst, an dem sich mehrere Ärzte, darunter auch die bisherigen Eckernförder Beleg-Kinderärzte, beteiligten.

Das letzte Wort zur künftigen medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen an der Imland Klinik Eckernförde hat nun der Kreistag, der am 27. März das nächste Mal tagt. Folgt der dem Vorschlag der Imland-Geschäftsführung, werden die drei Betten der „Kinderstation“ umgewidmet – eines soll der Chirurgie, zwei der Frauenheilkunde und Gynäkologie zugeschlagen werden.

Zum 1. November 2016 hatten die beiden verbliebenen Eckernförder Kinderärzte ihre Mitarbeit in der von ihnen geleiteten belegärztlichen Fachabteilung an der Imland Klinik Eckernförde eingestellt. Die ärztliche Behandlung von Kindern und Neugeborenen ist auf die anderen Fachabteilungen der Klinik übergegangen, Neugeborene werden seitdem in der geburtshilflichen Abteilung von den dort tätigen Ärzten behandelt, teilte Geschäftsführer Johannsen mit. Kinderarzt Dr. Sven-Arne Zeller hatte am 9. Dezember 2016 („Pädiatrisches Netzwerk als Stationsersatz“) gegenüber der EZ erklärt, dass der Ausstieg keine freie Entscheidung gewesen sei, sondern der massiven Verdichtung der Dienste wegen großer Personalprobleme bei den Imland-Klinikkinderärzten geschuldet sei. Statt neun bis zehn Dienste pro Monat hätte die Klinik nun 24 Dienste verlangt – zu viel für Zeller, der eine Praxis zu leiten hat. Er sei aber bereit, so Zeller im Dezember gegenüber der EZ, im Umfang wie bisher auf der Kinderstation mitzuarbeiten und Dienste auf Honorarbasis zu übernehmen. Denkbar wäre es eventuell auch, Betten und Personal von Rendsburg nach Eckernförde zu verlegen.

Davon scheint derzeit allerdings nicht die Rede zu sein. Und auch die Einrichtung einer von der Klinik geführten Hauptabteilung Pädiatrie mit Rund-um-die-Uhr-Versorgung dürfte nach Stand der Dinge an der vergleichsweise geringen Fallzahl und den hohen Kosten für die benötigten ärztlichen Planstellen scheitern. Von November 2016 bis Januar 2017 seien insgesamt 230 stationäre und 486 ambulante Behandlungen von Kindern erbracht worden, im Vorjahresvergleichszeitraum seien dies 251 stationäre und 388 ambulante Behandlungen gewesen. Wurden im Vorjahr noch 55 Behandlungen von Neugeborenen in der pädiatrischen Belegabteilung erbracht, so seien diese Behandlungen seit 1. November über die Klinik für Geburtshilfe erbracht worden. „Der Rufdienst von Fachärzten für Pädiatrie hat offenbar wirksam dazu beigetragen, dass in den letzten drei Monaten nur ein neugeborenes Kind zur Weiterbehandlung in die Uni-Klinik verlegt werden musste“, teilte Hans-Markus Johannsen mit. Im Vorjahr habe es mit drei Verlegungen von erkrankten Neugeborenen einen ähnlich niedrigen Wert gegeben.

„Ein Wermutstropfen hingegen bleibt: Konnten neben der Behandlung von erkrankten Neugeborenen von November 2015 bis Januar 2016 noch 50 Kinder und Jugendliche mit leichteren Erkrankungen in der pädiatrischen Belegklinik stationär versorgt werden, so ist diese Möglichkeit in Eckernförde nunmehr entfallen.“ Gleichwohl stünden die Fachabteilungen für Allgemeinchirurgie, Orthopädie und Innere Medizin auch für die ärztliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen zur Verfügung. Zwischen November 2016 und Januar 2017 seien dort 52 Patienten unter 18 Jahren stationär versorgt worden. Ambulant wurden im gleichen Zeitraum 486 Patienten unter 18 Jahren behandelt – 98 Behandlungen mehr als im Vorjahresvergleichszeitraum. „Nach drei Monaten ohne pädiatrische Belegabteilung ist somit festzustellen, dass sich die beobachtbaren Veränderungen bei der stationären und ambulanten Behandlung von Kindern in der Imland Klinik Eckernförde in geringfügigem Umfang bewegen“, teilte Geschäftsführer Johannsen mit. Mit der Etablierung des pädiatrischen Rufdienstes gehe die Imland Klinik zudem wesentlich über die Empfehlungen der Fachgesellschaften für eine geburtshilfliche Abteilung an Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung hinaus.

Die Geburtshilfe spielte in der Presseerklärung von Geschäftsführer Hans-Markus Johannsen im Übrigen keine Rolle. Das könnte ein Beleg dafür sein, dass es nicht so kommen muss, wie manche befürchten und sich die mögliche Schließung einer Kinderstation nachteilig auf den Bestand der Geburtshilfe auswirkt. Zumindest derzeit gibt es dafür keine Anzeichen. In der geburtshilflichen Abteilung der Imland Klinik in Eckernförde sind im vergangenen Jahr über 800 Babys zur Welt gekommen.

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erstellt am 04.Mär.2017 | 06:03 Uhr

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