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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 09:20 Uhr

Windkraft : Dörphof begleitet Windkraft kritisch

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Einwohnerversammlung in Dörphof zum aktuellen Stand des Entwurfs eines Regionalplans zur Windkraft sehr gut besucht

Dörphof | „Wir werden den Ausbau der Windkraft sehr kritisch beobachten“, und die Gemeinde werde sicher eine Stellungnahme im Rahmen der öffentlichen Beteiligung abgeben, versicherte Frank Göbel, Bürgermeister von Dörphof. Fast 50 Bürger waren Mittwochabend der Einladung der Gemeinde zu einer Einwohnerversammlung in das voll besetzte Feuerwehrgerätehaus Schuby gefolgt. Sein Ziel sei es, die Bürger über den derzeit offiziellen Stand im Verfahren zur Erstellung eines neuen Regionalplans für Windkrafteignungsflächen und das gemeindliche Handeln zu informieren. Zudem gebe es Unruhe in der Gemeinde, da Grundeigentümer bereits Anfragen von Windkraftfirmen erhielten, sagte Göbel.

Alle derzeit im Umlauf befindlichen Karten über mögliche Windkrafteignungsflächen im Land basieren auf der Grundlage März 2016, machte Göbel deutlich. Sie stellten nicht den aktuellen Stand dar. Im März befanden sich zwei Eignungsflächen in der Gemeinde. Eine nordwestlich der Abfahrt Dörphof an der B 203 (47 Hektar) und eine im Süden der Gemeinde im Übergang zu Damp und Thumby (insgesamt 106 Hektar). Erst am 6. Dezember wolle das Kieler Regierungskabinett den Entwurf beschließen und die Pläne veröffentlichen, so Göbels Information. Ist der Entwurf veröffentlicht, schließt sich eine viermonatige Auslegungsphase an, in der jeder Bürger, jeder Verein und jede Gemeinde Stellung zu dem Entwurf abgeben kann. Hierbei rief Göbel alle Bürger auf, sich jeweils mit einer individuellen Stellungnahme zubeteiligen. Diese sollten, so ergänzte Bauamtsleiter Norbert Jordan vom Amt Schlei-Ostsee „sachliche und objektive Argumente“ beinhalten. Das Land arbeite an einer Software, mit der jeder die Pläne ansehen und auch Stellungnahmen abgegeben könne, so Jordan weiter.

Darüber hinaus rief der Bürgermeister auf, Sichtungen von beispielsweise Seeadlern, Kranichen oder Ansammlungen von Schwänen fotografisch mit Datum und Ortsangabe zu dokumentieren. Meldungen und sachlich belegbare Argumente für oder gegen Windkraftanlagen können die Bürger an eine speziell dafür von ihm eingerichtete E-Mail – doerphof@online.de – senden. Er sammle die Eingaben, um sie im Verfahren einzubringen. Die Gemeinde werde dann eine Stellungnahme, gegebenenfalls mit einem weiteren Gutachten, abgeben.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie die Gemeindevertretung der Windkraft gegenüber stehe, stellte Göbel fest, dass eine breite Mehrheit dagegen sei. Göbel: „Ich halte es für unmöglich, dass Baugenehmigungen für Windkraftanlagen erfolgen, ohne dass der Stromabfluss gesichert ist“. In der Gemeinde Dörphof werde bereits jetzt durch Biogasanlagen 1000 Prozent des im Ort verbrauchten Stroms produziert, so Göbel. Da bedürfe es keiner Windkraft mehr. Diese Argumente würden aber kein Gehör finden. Ob Grundeigentümer verpflichtet seien, ihr Flächen für Windkraft zur Verfügung zu stellen oder Nutzungsrechte einzuräumen, wollte ein Bürger wissen. Es stehe jedem Landeigentümer frei, darüber zu entscheiden, sagte Jordan. Dabei warf er ein, dass es um viel Geld und teils auch hohe Angebote gehe.

Vorwürfe, die Gemeinde habe voreilig eine Stellungnahme im informellen Stadium im Mai eingereicht und damit ein Signal gegeben, wo sich die Gemeinde Windkraft vorstellen könne, wies Göbel zurück. Das von mehreren Gemeinden in Auftrag gegebene Gutachten beim Büro Olaf, habe lediglich die zu dem damaligen Zeitpunkt bekannten harten und weichen Kriterien sowie Abwägungskriterien der Landesregierung auf die Datenbasis aus dem März 2016 angewendet, so Göbel. Die Abgabe erfolgte, damit diese Hinweise in der Erarbeitung des Entwurfs des Regionalplans berücksichtigt würden, hieß es damals. Dadurch war die bisherige Windeignungsfläche in Schwansen von etwa 785 Hektar auf 155 Hektar reduziert worden. Ob die Hinweise von der Staatskanzlei, die den Regionalplan erstellt, ebenso gesehen werden wie in der Vorabstellungnahme der Gemeinden, wird sich im Dezember zeigen.

Nach Ansicht von Frank Dreves, Vorsitzender des Vereins Seeadlerschutz Schwansen und aktiv in der Bürgerinitiative Gegenwind Schleswig-Holstein, sei mit zahlreichen Windkrafteignungsflächen im Entwurf des Regionalplans in Schwansen zu rechnen. Dies hätten er und Teilnehmer anderer Bürgerinitiativen bei einer Einladung in die Staatskanzlei erfahren, berichtete er auf Nachfrage der EZ nach der Einwohnerversammlung. Dreves schätzt, dass gut 50 Windkraftanlagen in Schwansen Platz fänden. Er kündigte detaillierte Stellungnahmen an und appellierte für eine Zusammenarbeit von Gemeinden und Umweltverbänden. Bei der Versammlung hatte er als Nichtbürger der Gemeinde kein Rederecht erhalten, wie Bürgermeister Göbel erklärte.

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erstellt am 11.Nov.2016 | 06:39 Uhr

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