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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 05:41 Uhr

„Die Software bin ich“ – Herr Holm auf Tätersuche

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Dirk Bielefeldt brilliert in der Stadthalle in der Rolle des urkomischen Bühnenkommissars

Eckernförde | Es war ein massiver Angriff auf die Lachmuskeln: Dirk Bielefeldt, besser bekannt als Herr Holm, hatte Sprechstunde in der Stadthalle. Der Komiker in Uniform klärte sein Publikum über die elementare Bedeutung der Polizeiarbeit und darüber hinaus auch über zwischenmenschliche Beziehungsprobleme auf – ein echter Mehrwert für die Zuschauer. „Klassiker“ hieß das aktuelle Bühnenprogramm, bei dem auch so mancher Zuschauer sein Fett weg bekam. Das muss sich vorweg herumgesprochen haben, denn die ersten Reihen waren an diesem Abend deutlich spärlicher besetzt als die hinteren Ränge – man wollte wohl ungeschoren davon kommen.

Schon beim Erscheinen auf der Bühne löste die schlaksige Gestalt, in den Knien wippend und mit den Armen wild rudernd und gestikulierend, erste Lacher aus, Herr Holm hat auch in Eckernförde viele Fans. Dem fragend durchdringenden Blick hinter der großen Brille unter der Polizeimütze konnte man nur schwer ausweichen. „Eine moderne Polizeiwache müssen Sie sich wie einen Großcomputer vorstellen: hier die Hardware, die Software bin ich“, erläuterte der Bühnenkommissar gleich zu Beginn, während er dabei den Wachtresen tätschelte.

Viel Polizeiarbeit könnte allerdings vermieden werden, so Holm, wenn die Leute einfach miteinander reden würden. Tipps, wie man mit Fremden ins Gespräch kommt, hatte er auch parat: „Warum gucken Sie so streng, wurden Sie geliftet?“ Für jede Lebenslage hatte Herr Holm Tipps aus seiner 25-jährigen Polizeierfahrung parat, auch für das harmonische Miteinander von Mann und Frau. Jeder sollte versuchen, sich einmal in das andere Geschlecht hineinzuversetzen, philosophierte er mit leicht nasalem Hamburger Slang. Als er es selbst ausprobierte, habe er schmerzlich feststellen müssen, dass er eindeutig zu wenig Schuhe besitzt.

Mit der Kundenkarte sparen, sei ein neuer Trend, warum nicht auch bei der Polizei. „Mit der Pokuca50 (Polizeikundenkarte) sparen sie 50 Prozent Bußgelder, bei 175 Euro im Jahr hätte sich die Karte bei zweimal geblitzt und einmal abgeschleppt schon amortisiert, selbstverständlich büßt der Ehepartner umsonst mit!“, erklärte er ungerührt.

Natürlich musste auch am Sonnabend der ein oder andere aus dem Publikum dran glauben, so kam nach der Wohnsitzfrage der ungläubige Ausruf: „Güüüüby?!? Gibt’s das wirklich?“, oder er hinterfragt bei einem anderen Gast, wo denn die Schuppen auf den Schultern bei so wenig Haaren herkämen. „Jeder Mensch ist für mich ein möglicher Straftäter!“, lautet sein Grundsatz und mal eben schnell von der Bühne gesprungen, ist seiner Personalienaufnahme mit Wohnort, Name und Beruf sowie privater Details wie Eheleben und Sexualverhalten kaum zu entrinnen.

„Er ist klasse, ich sehe ihn immer wieder gerne“, beschreibt Frauke Eberwald, eine von rund 250 Zuschauern ihre Eindrücke, als jüngster Besucher hat auch Felix Bock (9) aus Lehmsiek viel gelacht.

Zum Schluss hatte Herr Holm noch sein persönliches Coming Out: Auf die wiederholte Zuschauerfrage nach seinem Vornamen kam ein verschämtes „Klaus-Dieter“. Wurde die obligate Zugabe erwartet, verwies der Kabarettist in Polizeiuniform darauf, dass diese schon vor der Pause ins Programm eingebaut war. Zum Trost las er dann aber doch noch ein selbst verfassten Gedicht.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 11:25 Uhr

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