zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 16:42 Uhr

SANIERUNGSFALL IM KURPARK : Die Nixe im Kurpark bröckelt

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die dreiteilige Plastik von Martin Wolke von 2002 ist stark sanierungsbedürftig. Statt des „blauen Meeres“ ist die Meerjungfrau von Phaceliapflanzen umgeben.

An ihrem Kinn bröselt die Haut ab, an Hals, Haar und Oberarm sind Löcher in ihrer Oberflächenbeschichtung zu erkennen. Kein Zweifel – die Nixe im Kurpark bröckelt. Auch an ihrem Gegenüber, dem Jüngling mit dem umgedrehten Kopf, ist die Zeit nicht spurlos vorübergegangen. Seit 2002 bereichert das 15 mal 4 mal 2,50 Meter große Werk des Künstlers Martin Wolke den Kurpark. Im nächsten Jahr wird die dreiteilige Skulptur 15 Jahre alt. Jetzt hat die Stadt signalisiert, die Dame und ihren Jüngling zu sanieren. „Die Sanierung wird vorbereitet“, erklärte der Leiter des Bauamtes, Roy Köppen.

Wind und Salzwasser haben der überdimensionalen Meerjungfrau und ihrem Begleiter über die Jahre kräftig zugesetzt. In welcher Form die Restaurierung stattfinden soll und wie aufwändig diese sein wird, ist noch nicht klar. Bauamtsleiter Köppen bestätigte auf Nachfrage, dass es entsprechende Verhandlungen mit einem Fachbetrieb gibt. Mehr lässt die Verwaltung zu diesem Zeitpunkt nicht verlauten, weder zu einem möglichen Kostenrahmen noch zu einem Zeitplan.

Reinigungsarbeiten an der Plastik könne eine entsprechende Fachfirma selbsttätig vornehmen, sagte Martin Wolke (44) auf Nachfrage der Eckernförder Zeitung. „Wenn aber noch Nachmodellierungen notwendig sind, muss der Künstler beteiligt werden“, erklärte der gebürtige Münchner, der an der Kieler Muthesiushochschule von 1993 bis 1999 Bildhauerei bei Jan Koblasa studiert hat und seit dieser Zeit nicht nur im Norden an vielen Ausstellungen teilgenommen hat. „Plastische Restaurierungsarbeiten dürfen nur durch den Künstler selbst erfolgen“, so Wolke, das sehe das deutsche Urheberrecht so vor. Das sei der Fall, wenn beispielsweise ein Stück der Nase ersetzt werden müsse.

Die üppige Dame und ihr Jüngling sind aus Kunststein, innen hohl und werden durch ein Stahlskelett getragen. Die beiden sind das Ergebnis eines Wettbewerbs „Kunst im öffentlichen Raum“, den die Stadt 2002 mit Unterstützung des Bundesverbandes Bildender Künstler ausschrieb. Martin Wolke, der in Kiel lebt und arbeitet, erhielt damals den Zuschlag mit seinem Entwurf „Schwimmübungen“. Bekannt wurde der Bildhauer auch durch die „Reisenden Riesen “ vor dem Bahnhof auf Sylt, die er 2001 schuf.

Stefan Borgmann, Geschäftsführer der Touristik & Marketing GmbH, begrüßt die geplante Restaurierung. „Wir wünschen uns, dass die Nixe als Wahrzeichen der Stadt restauriert wird.“ Für die Touristen sei die Skulptur ein echter Hingucker.

Das bestätigen auch Ursula und Walther Santarius. Das Ehepaar aus Berlin verbringt fünf Monate im Jahr von Mai bis September in seiner Ferienwohnung in Eckernförde und kennt den Kurpark bestens. Genau wie ihre Verwandten Hannelore und Jürgen Hlavsa, die im Sommer häufig bei ihnen zu Gast sind, bewundern sie gern die üppigen Blumenbeete, die die Stadtgärtnerei angelegt hat. „Ich habe sofort das blaue Meer bei der Nixe vermisst“, sagte Hannelore Hlavsa. Wo sonst Begonien Schaumkronen, Petunien und Ageratum houstonianum (Leberbalsam) das Wasser symbolisieren sollen, wachsen jetzt Phaceliapflanzen, bekannt auch als Bienenweide und Bodenverbesserer. Das hat seinen Grund. Bereits vor der Einsaat der Fläche im Frühsommer habe man gewusst, dass dort eine Baustelle errichtet werden soll, erklärte Rudolf Hänel, stellvertretender Leiter der Stadtgärtnerei. Die Ausgabe für die Pflanzen hätte sich daher nicht gerechnet. „Die Phaceliapflanzen haben wir gesät, damit das Auge etwas zu sehen hat und der Platz nicht ganz ungepflegt erscheint“, so Hänel.

Die meisten der Spaziergänger im Park, auch viele Urlauber, zeigen Verständnis. Auch die beiden Paare aus Berlin möchten deswegen nicht von einem ungepflegten Zustand im Kurpark sprechen. Mehr als ungepflegt sind aber die Nixe und ihr Begleiter, sie benötigen dringend eine Auffrischungskur.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 18.Aug.2016 | 05:27 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen