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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 17:16 Uhr

ZUKUNFT DER U–BOOTE : Die Marine der Zukunft mit dem Aushängeschild U-Boote

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf dem Marinestützpunkt hat ein Symposium zu dem Thema stattgefunden. Erkennbar wurde, dass die internationale Zusammenarbeit immer wichtiger wird.

Eckernförde | Früher war die Welt aufgeteilt in Gut und Böse: Hier der Westen, da der Osten – so einfach war das. Die Aufgabe der Marine war klar: Abschreckung und Kriegsführung. Heute ist das gar nicht mehr eindeutig: Marinesoldaten überwachen Handelsrouten im Mittelmeer und retten Flüchtlinge aus dem Wasser. Soldaten des Seebataillons betreiben Aufklärung in Mali, Minentaucher entschärfen in Afghanistan Landminen.

Wo geht also die Reise hin? Wie wird die Marine der Zukunft aussehen? Diese Frage wurde am Dienstag auch auf dem Symposium „Zukunft der U-Boote“ am Marinestützpunkt gestellt. Der Verband Deutscher U-Boot-Fahrer und der Kommandeur des 1. U-Boot-Geschwaders hatten dazu Vertreter aus Marine und Industrie eingeladen, die sich neben Vorträgen zur Rüstungsplanung und Innovation im U-Boot-Bau auch die Antwort von Fregattenkapitän Manfred Grabienski aus dem Marinekommando anhörten.

Die Ausrichtung der Marine wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: Zum einen ist da die materielle und personelle Stärke. Von 15  000 Soldaten sind 1700 ständig im Einsatz oder in einsatzgleichen Verpflichtungen gebunden. „11,5 Prozent der Soldaten sind also ständig unterwegs“, so Grabienski. „Das ist mehr als in anderen Teilstreitkräften.“ Rechne man die Soldaten hinzu, die in der Vorbereitung als Ablösung sind oder mit dem Einsatz anderweitig zu tun haben, komme man auf 4000 Soldaten. Damit ist die Marine an ihre Grenzen gestoßen. Ähnlich sieht es bei den Schiffen aus: „Fast der komplette verfügbare Fahrzeugpark ist im Einsatz“, so Grabienski, der die Einsätze im Rahmen der Bündnisverpflichtungen wie zum Beispiel mit der Nato, den Vereinten Nationen oder der EU aufzählte: Active Endeavour (Mittelmeer), Unifil (Libanon), Atalanta (Horn von Afrika), Standing Nato Maritime Groups (Nord- und Ostsee), Eunavfor Med – Sophia (Flüchtlinge im Mittelmeer) und Counter Daesh (Syrien).

Das führt zur Intensivnutzung und zum Mehrbesatzungskonzept der Schiffe, wie es bei den U-Booten schon seit Jahren praktiziert wird: Die U-Boote bleiben oft über lange Zeit im Einsatzgebiet, während die Besatzungen nach einiger Zeit ausgetauscht werden. „Neue Schiffe müssen also so gebaut und technisch ausgerüstet werden, dass sie zwei Jahre ohne große Instandsetzungsarbeiten im Einsatz bleiben können“, so Grabienski.

Die begrenzten Ressourcen führen zudem zu einer immer engeren Zusammenarbeit zwischen den Nationen. Das Seebataillon zum Beispiel arbeitet eng mit der niederländischen Marine zusammen, die U-Boot-Führung kooperiert mit den Polen. Dabei sieht Grabienski die Deutschen im Ostseebereich als „Anlehnungsnation für das Baltikum, um Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, die kleine Nationen wie Estland, Lettland und Litauen nicht mehr allein abbilden können“. Die Zukunft werde Partnerschaften im operativen Rahmen und in der gemeinsamen Rüstung bringen. Norwegen sei für Letzteres ein Beispiel. Eventuell werde man gemeinsam mit den Skandinaviern zwei U-Boote beschaffen. Weiterhin sei es wichtig, die Kriegsführungskompetenzen auch im Ostseeraum zu erhalten, wie das erneute Erwachen der Weltmacht Russland zeige.

Die U-Boote haben in der Marine eine Sonderstellung: Nur bei ihnen funktioniert das Mehrbesatzungskonzept zurzeit reibungslos. Zudem genießen sie und die deutschen Fähigkeiten weltweit einen guten Ruf. So zog denn auch der Kommandeur des 1. U-Boot-Geschwaders Fregattenkapitän Lars Johst sein Fazit: „Mit den U-Booten haben wir ein Toy, das genutzt und gefördert werden sollte.“

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