zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 17:10 Uhr

Klassentreffen : Die ersten Gudewerdtschüler

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Abschlussklasse von 1956 hat sich nach 60 Jahren getroffen und Erinnerungen an strenge Lehrer und eine gute Bildung ausgetauscht.

Eckernförde | Die Zeiten waren anders, als Ortrud Kruse, geborene Keuke, noch zur Schule ging. Den Kindern wurde mehr zugemutet, die Lehrer waren autoritär, die Ausstattung war primitiv. Und dennoch: Sie denkt gern an die Zeit zurück, auch 60 Jahre nach ihrem Abschluss an der Gudewerdt-Schule.

Genauso geht es ihren ehemaligen Klassenkameradinnen. Sie haben sich jetzt in der Siegfried-Werft wiedergetroffen und in alten Erinnerungen geschwelgt. Die am weitesten gereiste Freundin kam aus dem baden-württembergischen Bempflingen angereist. Die reine Mädchenklasse gehörte zu den Erstbeziehern des neuen Schulgebäudes am Pferdemarkt, das 1953 fertiggestellt wurde. Vorher waren die Schüler auf verschiedene Gebäude aufgeteilt. „Wir hatten Unterricht in den Baracken auf dem Noorplatz, in der Bauschule und in der Mädchenschule an der Reeperbahn“, erinnert sich Heinke Jans, geborene Hinrichsen. Rund die Hälfte der Klasse bestand aus Flüchtlingen, bei ihrem Realschulabschluss 1956 waren sie zwischen 16 und 19 Jahre alt.

Neben den klassischen Fächern, wie Mathematik, Biologie oder Englisch, gehörte auch Handarbeit und Schreibmaschineschreiben zum Lehrplan. Und wer wollte, konnte Stenographie wählen.

Die Winter waren hart. Damals haben die Eltern ihre Kinder nicht mit dem Auto vor der Schule abgesetzt. „Wir sind zu Fuß zur Schule gegangen“, erinnert sich Heinke Jans. „Wenn wir ankamen, waren unsere Wimpern und Augenbrauen gefroren.“ Die Schüler aus dem Umland hatten es nicht leichter. Sie mussten teilweise schon um 5 Uhr aufstehen, um den einzigen Bus oder Zug zu nehmen, der am Morgen fuhr.

Streiche haben die Mädchen ihren Lehrern nicht viele gespielt. „Das konnte man sich nicht erlauben. Die Lehrer waren sehr streng, aber wir haben das akzeptiert.“ Nur einmal hat eine Mitschülerin einen Rinderschädel aus der heimischen Wurst- und Fleischfabrik mit in den Biologieunterricht genommen und den Referendar gefragt, von welchem Tier er stammt. „Das wusste er nicht.“

Jeder Lehrer hatte seine Eigenart. Der eine brachte den Mädchen bei, ihr erstes Auto auf keinen Fall auf Wechsel (Kredit) zu kaufen, sondern nur in bar zu bezahlen, was teilweise auch befolgt wurde, der andere wiederum wartete nur darauf, dass Deutschland endlich wieder die Wehrpflicht einführt, damit „die jungen Bengels sich nicht mehr auf der Straße rumtreiben“. Doch alle hatten eines gemeinsam: „Sie haben sich alle sehr bemüht, uns etwas beizubringen.“ Und das hat auch geklappt, wie Christel Rehse, geborene Puls, sagt: „Ich bin stolz auf unsere Mittlere Reife. Wir hatten eine sehr gute Schulausbildung.“ Das haben die Mädchen im Verlauf ihres Lebens immer wieder erfahren. „Später war ich unserem Englischlehrer Herrn Kehler zum Beispiel sehr dankbar, dass wir im Vokabelheft auch immer die Phonetik dazuschreiben mussten“, sagt Karin Fischer, geborene Böttcher. „Ich wurde in England für meine gute Aussprache gelobt.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 24.Mai.2016 | 06:02 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen