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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 13:06 Uhr

Mit Leib und Seele Rettungsmann : Der Vormann geht von Bord

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Hinrich Pick, 2. Vormann bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, Station Eckernförde, scheidet aus dem aktiven Dienst aus. Morgen, an seinem 75. Geburtstag, verkündet Pick seinen Rücktritt.

Eckernförde | Im Hafen und unter Seeleuten ist er weit über die Grenzen Eckernfördes bestens bekannt – der 2. Vormann der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS/ Station Eckernförde) Hinrich Pick. Selbst in Berlin ist der Rettungsmann nicht unbekannt. Der Bundespräsident hatte ihn 2015 zum Bürgerfest ins Schloss Bellevue eingeladen. Hinnerk, wie ihn alle nennen, hat die Leidenschaft eines Rettungsmannes im Blut. Als gebürtiger Spiekerooger kennt er das Seenotrettungswesen seit Kindesbeinen– spielt doch die Insel bei der Gründung der DGzRS 1865 eine große Rolle. Bei der Strandung des Auswandererschiffes „Johanne“ elf Jahre zuvor waren 77 der 216 Passagiere vor dem Spiekerooger Strand in der Nordsee ertrunken – ein Ereignis, das einen wesentlichen Anteil an der Gründung der Gesellschaft hatte. Auch in Hinnerks Familie gab es viele Rettungsmänner. Sein Vater Heinrich war schon Rettungsmann und habe zu ihm gesagt: „Junge, du musst zur DGzRS.“ So war es kein Wunder, dass Pick sich nach Ende seiner beruflichen Seefahrt als Schiffsführer das Ehrenamt bei der DGzRS zu seiner Hauptaufgabe machte. Seit 28 Jahren ist er Mitglied der Station in Eckernförde. Eines hat Pick, der in Kosel seine zweite Heimat gefunden hat, sich immer schon fest vorgenommen. „Wenn ich 75 Jahre alt werde, höre ich auf.“ Morgen feiert Pick seinen 75. Geburtstag. Und er macht Platz für Jüngere: „Ich fahre nicht mehr, sondern will meine Erfahrungen weitergeben.“

15 Ehrenamtliche versehen in Eckernförde den Rettungsdienst. „Die Station ist gut aufgestellt“, ist sich Pick sicher. Trotzdem scheidet er auch mit etwas Wehmut aus dem aktiven Dienst aus. Als Schiffsführer kennt er den Seenotkreuzer „Eckernförde“ wie seine Westentasche. „Ich habe das Schiff vor elf Jahren mit geholt. Ich hänge daran“, verrät er. Blickt er auf seine aktive Zeit in Eckernförde zurück, bleiben ihm viele Ausbildungsfahrten zwischen dem Ostseebad und Surendorf in Erinnerung. Zum Glück habe es Einsätze, bei dem das Leben eines Menschen akut gefährdet war, in der Ostsee eher selten gegeben.

Ein Erlebnis wird der morgige Jubilar bis an sein Lebensende nicht vergessen. Als 25-Jähriger war er Steuermann auf dem Helgoland-Versorgungsschiff „Atlantis“, als er im Februar 1967 den Seenotkreuzer „Adolph Bermpohl“ nach einem Orkan verlassen treibend in der Nordsee fand. Mit der vierköpfigen Besatzung, die in der Nacht zuvor Holländer vor Helgoland aus Seenot gerettet hatte, war Pick befreundet. Auch das Boot selbst kannte er gut. „Diese Momente neben dem dunklen Schiff, ohne zu wissen, ob nicht doch noch einer schwer verletzt drin liegt, das ist die schlimmste Erinnerung, die ich überhaupt habe“, so Pick. Der erfahrene Seemann weiß, dass er in seinem Leben Glück hatte: „Denn es geht nicht immer alles gut aus.“ Aus diesem Grund hat er selbst den Zeitpunkt bestimmt, wann er aus dem aktiven Dienst ausscheidet. „Ich möchte nicht hier auf dem Schiff ums Leben kommen“, hat er sich fest vorgenommen. Und trotzdem hat Pick keinen einzigen Einsatz in seinem Leben gescheut. Keine Welle war ihm zu hoch, kein einziges Mal war er seekrank. „Ich bin mit Leib und Seele Rettungsmann gewesen“, zieht er Bilanz. Sein Dank gilt besonders seiner Frau, ohne ihre Unterstützung hätte er den ehrenamtlichen Dienst in dem Umfang nicht leisten können. Anfang November ist Hinnerk Pick nach Bremen eingeladen, wo die DGzRS ihre Geschäftsstelle hat. In einer Feierstunde möchte die DGzRS sich von ihrem Rettungsmann Pick verabschieden.

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erstellt am 08.Okt.2016 | 05:17 Uhr

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