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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 07:14 Uhr

Schusslärm : Der Lärm der Jäger

vom

Auf dem Schießstand Baumgarten wird zu laut geschossen. Kreisjägerschaft muss aufwändigen Lärmschutz errichten.

Ahlefeld-Bistensee | Die Jäger sind stolz auf das, was sie in den vergangenen zwei Jahren bei ihrem an der L 265 zwischen Ahlefeld-Bistensee, Damendorf und Ascheffel gelegenen Schießstand Baumgarten erreicht haben. Sie richteten das zuvor über Jahre verwilderte Gelände wieder her, trugen durch Blei verunreinigte Erde ab, pflanzten Bäume und Büsche, legten ein Biotop an und renovierten die Gebäude. Nur eines blieb beim aufopferungsvollen Einsatz unbeachtet: Der Lärmschutz. Ein Gutachten ergab, dass die Lautstärke durch die Schüsse teils deutlich über den zulässigen Maximalwerten liegt. Die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden sehen dringenden Handlungsbedarf und sind sich mit der Kreisjägerschaft Eckernförde einig: Die will bis 2018 entsprechende Lärmschutzbauten errichten. Noch fehlt hierfür aber das Geld.

Als die Jägerschaft 2014 mit der Sanierung des Schießstandes begann, war noch der Kreis Ansprechpartner gewesen. Mit diesem sei das damalige Sanierungsprogramm abgesprochen worden, so Otto Gravert, Vorsitzender der Kreisjägerschaft (Foto oben, rechts). „Von Lärmschutz war damals keine Rede.“ Doch Anfang 2015 wechselte die Zuständigkeit vom Kreis zum Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Von diesem geforderte Messungen ergaben an den verschiedenen Schießständen Lautstärken zwischen 69 und 87 Dezibel. Laut Emissionsschutzgesetz zulässig sind 60 Dezibel.

Am stärksten betroffen von den Schussgeräuschen sind zwei Wohnhäuser und eine Gaststätte in unmittelbarer Nähe der Anlage sowie Spaziergänger und sonstige Passanten. Uwe Jacobi, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Jägerschaft, meint: „Wir sind früher auch ohne Lärmschutz ausgekommen, und es gab nie Beschwerden. Aber gut, wir werden auch die neuen Auflagen erfüllen.“

Mit Blick auf die Beschwerden sieht Hans Ulrich, Bürgermeister von Damendorf, die Dinge anders. Damendorfer hätten sich bereits bei ihm wegen des Lärms beklagt. Anwohner und auch Touristen würden sich durch den Lärm belästigt fühlen. „Eine kleine Minderheit von Menschen, die den Schießstand benutzen, steht einer Mehrheit gegenüber, die darunter leidet“, führt Ulrich aus, äußert aber auch Verständnis für die Schützen. „Ich bin selbst Jäger und sehe die Notwendigkeit des Schießstandes.“ Die Benutzung für Ausbildung und Training sei wichtig. In begrenzteem Ausmaß müsse man den Lärm hinnehmen. Detlef Kroll, Bürgermeister von Ahlefeld-Bistensee, in dessen Zuständigkeitsbereich der Schießstand fällt, ist ähnlicher Meinung: „Die Jäger brauchen eine Möglichkeit, um schießen zu üben. Ich war Soldat und weiß: Wenn man nicht regelmäßig trainiert, geht etwas schief. Es muss aber alles dafür getan werden, dass sich die Belastung für die Bürger so gering wie möglich hält.“

In einem Gespräch vor zwei Wochen zwischen Kreisjägerschaft und den Bürgermeistern der anliegenden Gemeinden besprach man die notwendigen Bauten und einigte sich auf eine Lösung: Der „Trap“-Stand wird von Holzwänden umstellt. Zwischen die Schießplätze des „Skeet“-Standes und den Wohnhäusern wird eine sieben Meter hohe und 60 Meter lange Lärmschutzwand errichtet. Auch die ebenfalls vom LLUR geforderten Fangbunker, die verhindern, dass die Projektile in den Wald außerhalb des Schießgeländes geraten, sollen entstehen. Auch auf Schießzeiten für die Jäger habe man sich verständigt, so Bürgermeister Kroll. Gravert: „Wir schießen lediglich zwei Mal in der Woche, mittwochs und sonnabends.“ An Feiertagen, wenn Ferien oder Feste anstehen, würde gar nicht geschossen. Bürgermeister Ulrich genügt die mündliche Versicherung nicht. Er möchte diese in einem Vertrag festgehalten sehen, in dem klar geschrieben steht, wann wie lange geschossen werden darf.

„Die notwendigen Bauarbeiten sind ein Riesenaufwand“, so Gravert. „Wir gehen davon aus, dass wir in etwa zwei Jahren mit allem fertig sind.“ Zunächst müsse man aber die notwendigen Mittel auftreiben. Der Plan der Jäger hierfür: Das bereits geschaffene Biotop könne möglicherweise als landwirtschaftliche Ausgleichsfläche nachträglich vom Kreis finanziert werden.

Eine Zeitvorgabe vom LLUR gibt es nicht. In der Zeit bis zur Umsetzung der Vorgaben dürfen die Jäger in Baumgarten weiter schießen. Der Bauantrag für die Lärmschutzarbeiten wird im September auf der Gemeinderatssitzung Ahlefeld-Bistensee diskutiert werden. Im selben Monat treffen sich Jägerschaft und Bürgermeister erneut, zusätzlich mit einem Vertreter des Naturparkvereins und dem Autor des Lärmgutachtens. Ulrich hat Zweifel an der Aussagekraft des Gutachtens. Dieses sei, so Ulrich, nicht ausgelegt auf die Art des Lärms, wie er auf einem Schießstand entstünde. „Es ist ja dort kein andauernder, sondern ein plötzlicher Lärm.“ Kroll sieht dagegen keinen Grund, das Gutachten anzuzweifeln.

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erstellt am 10.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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