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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 21:50 Uhr

An der Sehestedter Fähre : Der Konflikt in der Warteschlange

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Oftmals drängeln sich Motorradfahrer an den Fähren vor / Sehestedt reagiert jetzt mit Schildern / Bürgermeisterin wurde schon angepöbelt

„Die meisten Motorradfahrer sind eigentlich vernünftig“, sagt Hugo Schütt. Aber der erste Schiffsführer der Fähre Sehestedt und seine Mannschaft haben in den vergangenen Jahren schon bizarre Situationen erlebt – wie auch Dorfbewohner und all jene, die regelmäßig die Kanal-Fähren im Kreisgebiet nutzen. Meist verursacht durch motorisierte Zweiradfahrer, die meinen, über eine automatische Vorfahrt zu verfügen. Dürfen sie an der Warteschlange vorbeifahren? Die Gemeinde Sehestedt ließ jetzt Schilder aufstellen, die diese Frage beantworten: „Vernünftige Motorradfahrer drängeln nicht vor! Anderen ist es verboten!“

Die Straßen vor den Fähren gehören nicht zum Hoheitsgebiet des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA). Also haben die Fährbesatzungen hier nichts zu sagen, erklärt WSA-Sprecher Matthias Visser. Grundsätzlich sei es nicht verboten, an der Warteschlange vorbeizufahren, betont Sönke Hinrichs. „Es kommt auf den Einzelfall an“, erklärt der Pressesprecher der Polizei. In Sehestedt gibt es keine Fahrbahnmarkierungen – ein Überholen ist also erlaubt, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Anders sieht es aus, wenn die Fahrbahn durch eine durchgezogene Linie geteilt ist. Diese dürfen auch Motorräder nicht überfahren.

Überholen – ja. Vordrängeln – nein. Denn die Vorbeifahrenden verschaffen sich eine „Poleposition“ an der Fähre. An Wochenenden und bei Ausflugswetter ist Stau vorprogrammiert. Auch in Schacht-Audorf und Breiholz drängeln sich die Ausflügler, doch Sehestedt und sein Kanal-Imbiss sind ein beliebter Anlaufpunkt für die Biker. Das weiß Bürgermeisterin Rita Koop durchaus zu schätzen. Aber eine halbe Stunde Wartezeit ist dann normal – auch für die Bewohner des Ortes. Als die Bürgermeisterin einmal zu einem dringenden Termin musste, pöbelte ein Motorradfahrer: „Alte, wenn du vorbeifahren willst, dann kauf’ dir ’ne Maschine.“

Erkennen die Fährleute, dass sich Zweiradfahrer vorgedrängelt haben, weisen sie diese zurück (siehe unten rechts: Verhalten an den Fähren). Damit handeln sie im Einklang mit den Anweisungen der Adler-Reederei, die das Personal in Sehestedt stellt. „Die meisten zeigen Verständnis“, erklärt Hugo Schütt. Aber einige „Bagaluten“ seien unter den Bikern. Zehn Prozent, schätzt er, würden auf ihrer angeblich „eingebauten“ Vorfahrt bestehen und dem Personal durchaus schon mal Schläge androhen. Doch auf dem Schiff haben die Fährleute Hausrecht, das „Boarding“ – wer wann mitfahren darf – fällt in ihre Zuständigkeit, das regelt die „Verordnung über den Betrieb der Fähren auf Bundeswasserstraßen“, nachzulesen auf der WSA-Internetseite (www.wsa-kiel.de > Fähren > Fährbetriebsordnung). Allerdings haben die Fährleute außer nachdrücklicher Höflichkeit keine Mittel, um ihr Ansinnen durchzusetzen.

Einzelne Motorradfahrer oder kleine Gruppen werden auch durchaus an ein oder zwei Autos vorbeigewunken: Hinter acht normal großen Autos ist oft noch Platz für vier Motorräder. Aber kommen Gruppen mit 60 oder mehr Bikern und wollen dann noch direkt vom Imbiss auf die Fähre fahren (und damit vor die Warteschlange), ist der Konflikt vorprogrammiert.

Mit den Schildern, deren Text vom Sehestedter Gemeinderat beschlossen wurde, erhoffen sich nun alle Betroffenen eine Entspannung der Lage.

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erstellt am 18.Mai.2016 | 06:13 Uhr

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