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Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 10:35 Uhr

Der König der Flüsse

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Erde / Faszinierende Tierwelt in Brasilien

Ende August hatte ich Brasilien gebucht und Mitte September war ich schon da. Sie staunen? Green Screen macht es seit zehn Jahren möglich, in fremde Welten, oft ganz nah, einzutauchen. Allen Beteiligten, ob den 120 Helfern vor Ort oder den Filmemachern und Kamerateams gilt meine grenzenlose Bewunderung. Denjenigen, die keine Zeit hatten, diese tollen Naturfilme zu sehen, möchte ich für nächstes Jahr den Mund wässrig machen. Tauchen Sie heute mit mir ein in die „Welt des Wassers“ in Brasilien.

Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Welt. Er ist fast 7000 Kilometer lang, fließt aber nicht ordentlich in seinem Flussbett, nein, er breitet sich aus. Monatelang überschwemmt er den Dschungel rechts und links, er wird bis zu 100 Kilometer breit, und dann stehen plötzlich Bäume zehn Meter unter Wasser. Da verschwinden Urwaldinseln und tauchen erst nach Monaten wieder auf. Die Quellflüsse entspringen in 5000 Metern Höhe in den Anden, stürzen und winden und vereinigen sich. Allein schon zehn seiner Nebenflüsse sind größer und länger als der Rhein, insgesamt sollen es etwa 100  000 sein. Das Amazonasgebiet ist weit größer als Europa, es bildet das größte Flusssystem der Erde. Im Amazonasbecken leben mehr als 2000 Fischarten. Der Amazonas könnte sich längenmäßig von Rom bis New York schlängeln, aber er bevorzugt es, diese riesige Strecke zum Atlantik zu fließen und mit ihm ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde. Dadurch wird das Salzwasser fast 200 Kilometer in die See hinausgedrängt. Was für eine Wassergeschichte!

Und dann, auf der großen Leinwand in der Turnhalle der Willers-Jessen-Schule, kommen mir die Iguazú-Wasserfälle entgegen. Sie bestehen aus 20 größeren und 255 kleineren Wasserfällen, einige sind bis zu 82 Meter hoch. Hinter diesen stürzenden Wassermassen leben und brüten Rußsegler im Fels, der Schutz des Wassers bewahrt sie vor allen natürlichen Feinden, aber dafür leben sie hoch gefährlich. Ein unvergesslicher Anblick ist es, wenn diese Vögel die Wassermassen „umschiffen“.

In einem Labyrinth aus Flussarmen und Feuchtwäldern und auch Trockenzonen lebt eine unwahrscheinliche Vielfalt an Tieren. Der Film zeigt einen Ameisenbären, der mit einem Schlag 30  000 Termiten in sich hineinsaugt, Faultiere, die, nur wenn es nicht anders geht, sogar schwimmen. Hier begegne ich dem Jaguar, dem Tapir, dem Riesenflussotter, der mir so gefällt, weil er viel Familiensinn hat. Ein Filmteam hat lange in Südafrika gedreht und u.a. eine angreifende Speikobra gefilmt, die bis zu 40 Mal hintereinander im hohen Bogen ihr Gift versprüht – und das drei Meter weit. In dieser bizarren Tierwelt behütet das Nilkrokodil 40 bis 60 im Sand versteckte Eier, und wenn die Babys schlüpfen, nimmt sie bis zu zehn kleine, zappelnde Krokodile vorsichtig zwischen ihre Zähne und schleppt sie zum lebensnotwendigen Wasser. Die übrigen mögen allerdings nicht warten, bis Mama zurückkehrt, ach was, sie machen sich selbst auf den Weg – in genau die richtige Richtung.

Aber auch unser Lebensbereich wartet mit großartigen Informationen in wunderbaren Bildern auf: In einem Film über den Nationalpark Kalkalpen staunen wir Zuschauer über das Sozialverhalten von Bäumen. Wenn unter ihrem Dach Baumsamen sprießen, dann entziehen sie dem Boden für sich weniger Nährstoffe, damit die Nachkommen stark werden. Dort sagt man, wenn ein Baum tot ist, beginnt das Leben …

Das Filmprojekt „Wildes Deutschland“ zeigt Flora und Fauna des Chiemsees. Und dann fangen meine Mückenstiche, die ich mir am Tag vorher auf der Hamburger Hallig eingefangen habe, wieder mächtig an zu jucken, als die Rede von 50 Milliarden Stechmücken ist. Und auch wenn mit einem genehmigten Verfahren, in dem kleine Eisblöcke mit einem Protein, dem selektiven biologischen Wirkstoff BTI, außer für Mückenlarven völlig unschädlich laut Umweltverband Chiemsee, mit dem Hubschrauber ausgebracht werden und 95% allein wegen des Tourismus vernichtet werden, bleiben noch 2,5 Milliarden übrig. Das reicht für viele Stiche. Aber schon jetzt kämpfen die Rauchschwalben dort ums Überleben, weil ihr Mittagessen vernichtet wird.

Ich würde mich freuen, ein paar mehr Eckernförder beim Festival 2017 an den Spielorten zu treffen. Wir haben schließlich das größte europäische Naturfilmfestival vor der Haustür!

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erstellt am 05.Okt.2016 | 14:05 Uhr

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